50 Schafe sterben qualvoll

Genug vom Wolf: Schäfer Kay Krogmann wirft in Cuxhaven das Handtuch

Der Schäfer Kay Krogmann steht in seinem Schafstall.
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Ende des Jahres ist Schluss: Weil der Wolf für Deichschäfer Kay Krogmann immer mehr zum Problem wird, hängt er Ende 2021 seinen Job in Beverstedt an den Nagel.

Deichschäfer Kay Krogmann gibt Ende des Jahres 2021 den Familienbetrieb bei Cuxhaven auf. Wolfsrisse haben den 41-Jährigen mürbe gemacht.

Beverstedt – Schafe hüten, damit hat sein Vater bereits in den 1970er-Jahren begonnen, berichtet Kay Krogmann und auch für ihn stand schon mit 6 Jahren fest: Er wird einmal Schäfer. Verantwortung trägt er in Beverstedt (Landkreis Cuxhaven) für insgesamt rund 800 Schafe und das an 365 Tagen im Jahr. Ein knochenharter Job. Doch Ende des Jahres 2021 ist bei Krogmann Schluss mit der Schäferei. Der Wolf bereitet Deichschäfer Kay Krogmann immer größere Sorgen.

Einheitsgemeinde in Niedersachsen:Beverstedt
Fläche:197,62 Quadratkilometer
Einwohner:13.569 (Stand: 31. Dezember 2020)
Vorwahl:04747
Bürgermeister:Guido Dieckmann (parteilos)

Seit dem Jahr 2012 konnte Krogmann 17 mutmaßliche Angriffe durch Wölfe feststellen, 50 Tiere verloren dabei ihr Leben. „Ich kriege die Bilder von Tieren, die gerissen wurden oder schwer verletzt auf der Weide lagen, nicht mehr aus dem Kopf“, sagte er jüngst der „Bild“-Zeitung. Ein weiteres Problem nach einem Wolfsangriff auf seine Schafe: Die Tiere seien nach solch einer Wolfsattacke für Wochen – manchmal sogar für Monate – traumatisiert. Bereits im Sommer schlugen Schäfer in Niedersachsen Alarm, dass ein Herdenschutz so gut wie unmöglich sei. Milchviehhalter berichten inzwischen von Wolfs-Angriffen auf Milchkühe am helllichten Tag.

Schäfer Kay Krogmann gibt zum Jahresende auf: Schaden von rund 100.000 Euro – 7000 Euro Ersatz vom Land

Krogmann weiß von schweren Schicksalen zu berichten, die seine Tiere treffen. So würden Mutterschafe nach einem Angriff häufig nicht mehr trächtig, Böcke seien nicht mehr in der Lage zu decken. Und auch die Kleinsten kommen auf den Stress nicht klar, der so ein Wolfsangriff bedeutet: „Unzählige Lämmer, die danach geboren wurden, rennen unmittelbar nach der Geburt vor die Wand, schreien – und fallen tot um“, berichtet Krogmann gegenüber der „Bild“-Zeitung.

Als ob das Tierleid bei der ganzen Situation nicht schon genug wäre, treibt Krogmann auch der finanzielle Aspekt dazu, zum Ende des Jahres seinen Job an den Nagel zu hängen. Rund 100.000 Euro hätten die Wolfsangriffe ihn bisher gekostet. Ersetzt bekommen – etwa durch das Land Niedersachsen – hat der Deichschäfer allerdings lediglich 7000 Euro. Einen Zaun will er nicht zum Schutz bauen, denn da sei der Wolf sowieso mit einem Satz drüber. Und ein Herdenschutzhund käme für ihn am Deich nicht infrage, zu Groß sei die Gefahr für Touristen.

Trotz dessen, dass Schafe hüten für ihn eine der schönsten Aufgaben ist, ist für Krogmann spätestens am 31. Dezember 2021 Schluss in Beverstedt. Es mache für ihn keinen Sinn, wenn der Wolfsbestand nicht reguliert würde: „Niemand denkt an uns!“

Schäfer Krogmann gibt zum Jahresende auf: 1477 Nutztiere wurden im Jahr 2020 in Niedersachsen gerissen

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) will den Wolfsbestand regulieren*, ist sogar für eine Obergrenze. Benötigt werde ein Grenzwert, bis zu welcher Zahl der Wolf in der Kulturlandschaft akzeptiert werde. Liege die Zahl über der Akzeptanzgrenze, müsse der Bestand reguliert werden. Auch die FPD in Niedersachsen fordert eine Wolfs-Obergrenze.

Im vergangenen Jahr wurden in Niedersachsen 1477 Nutztiere durch Wölfe gerissen. Inzwischen leben 38 Rudel im Land, im Jahr 2017 waren es laut Lies noch zehn Rudel. Der Nabu ist gegen den Abschuss: Herdenschutz – etwa durch Hunde – wirke sich langfristig aus. In Gegenden, in denen der Wolf länger präsent sei und in denen bereits seit längerem Herdenschutz betrieben werde, gingen die Risszahlen nachweisbar zurück.

Auch der Einsatz von Esel Klaus zum Schutz vor den Angriffen der Wölfe ist für Kay Krogmann keine zufriedenstellende Lösung. Einen Herdenschutzhund will er aus Sorge um die Touristen am Deich nicht einsetzen. (Archivbild)

Die Probleme, die Kay Krogmann hat, hat er nicht alleine. So gibt es in den niedersächsischen Küstengebieten gerade mal noch eine Handvoll Schäfer, die das alles auch noch in Vollzeit machen. In ganz Deutschland soll es derzeit noch rund 900 Schäfer geben. * kreiszeitung.de und hna.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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