Wohnmobil bringt Kirche zu Jugendlichen

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Diözesanjugendseelsorger Pfarrer Martin Wilk (r) posiert mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (Bildmitte) und dem Referenten Nils Junker (l) vor dem „HotSpots“.

Hildesheim (dpa) - Wenn die jungen Leute nicht mehr in die Kirche kommen, kommt die Kirche eben zu den jungen Leuten´.

Mit Wohnmobil samt Anhänger macht sich der Hildesheimer Jugendpfarrer Martin Wilk an diesem Samstag auf eine knapp einjährige Reise durch das flächenmäßig drittgrößte katholische Bistum. In allen 18 Dekanaten will der Pfarrer jeweils für zehn Tage an einer Kirche unweit einer Schule Quartier beziehen. Das Ziel der „HotSpots - Spirits and Live“- Initiative: Mit einem Team von sechs Freiwilligen will der katholische Geistliche mit Schülern über den Glauben sprechen und kirchliche Jugendinitiativen starten.

Die Lage im Bistum Hildesheim ist exemplarisch für die Nöte der beiden großen Kirchen in vielen deutschen Landstrichen: Die rückläufige Zahl an Gläubigen sowie schrumpfende Finanzen zwingen zu Einschnitten in die Infrastruktur. Gemeinden werden zusammengelegt und Kirchengebäude aufgegeben. Spezielle Angebote wie Jugendgottesdienste lassen sich da beim besten Willen nicht mehr überall organisieren - der Zugang zur vielfach desinteressierten Jugend wird noch schwieriger. Im Bistum Hildesheim, das sich vom Eichsfeld bis zur Nordsee sowie von der Weser bis zur Elbe erstreckt, soll die Zahl der Pfarreien von ursprünglich 348 auf 120 im Jahr 2014 sinken. Dutzenden der 438 Kirchen droht die Schließung.

„Wir müssen zu den Jugendlichen in die Fläche gehen“, zu dieser Erkenntnis kam Pastor Wilk schon bald nach seinem Start. Die Kirche und die Gemeinde seien nicht attraktiv, sie fänden dort nur schwer einen Platz, hatten viele junge Leute dem 38-Jährigen geklagt. Jugendkirchliche Zentren hat das Bistum lediglich in Hannover und Duderstadt. Nun schlägt Wilk sein „HotSpots“-Basislager in der Provinz auf, etwa in Alfeld, Bückeburg oder Sarstedt. Das Wohnmobil mit Vorzelt soll zu einem Schülercafé werden, es wird eine Wanderausstellung aufgebaut und Jugendgottesdienste werden organisiert. „Hotspots“ sind eigentlich Einwahlpunkte für das Internet - am mobilen „HotSpot“ der Kirche sollten Jugendliche sich ins Netzwerk des Glaubens einwählen können, wirbt Wilk.

Das Vorhaben des Jugendseelsorgers ist ambitioniert: In dem insgesamt auf drei Jahre angelegten Projekt will Wilk mit seinem Glaubens-Konvoi durch Niedersachsen touren. Danach will er entscheiden, wie es weitergeht. Eine Pause gönnt er sich nur in den Sommerferien. Wichtig ist ihm vor allem, ein Netzwerk zu den jungen Menschen zu knüpfen. „Auch Jesus war nicht überall“, meint der Pastor, „aber viele haben seine Idee weitergetragen.“

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