Kritik an Entnahme-Vorgehen

Wölfe reißen Hunderte Schafe - nun ist ein Weibchen statt eines Männchens tot

Hunderte Schafe wurden in den vergangenen Jahren in Niedersachsen gerissen. Nun wurde ein sogenannter Problemwolf getötet. Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich.

  • Umweltministerium: Abschuss ist durch Bundesnaturschutzgesetz gedeckt.
  • Wolf überwand mehrmals den zumutbaren Herdenschutz wie Zäune.
  • WWF lässt juristisch prüfen, ob das Land Niedersachsen zu mehr Transparenz gezwungen werden könne.

Update vom 12. Februar, 16.05 Uhr: Erstmals seit fast fünf Jahren ist wieder ein Wolf in Niedersachsen mit Genehmigung des Landes getötet worden. Bei Löningen im Landkreis Cloppenburg wurde ein weibliches Tier erschossen. Die Ausnahmegenehmigung zum Abschuss bezog sich auf einen männlichen Wolf, dem die Risse überwiegend zugeordnet werden konnten.

„Die wirkliche Identifizierung des einzelnen Wolfes ist in diesem Gelände kaum möglich“, erläuterte Olaf Lies. Daher sei auch die Tötung des weiblichen Wolfes wegen eines engen räumlichen und zeitlichen Zusammenhanges zu den Rissen durch das Bundesnaturschutzgesetz gedeckt.

Wölfe stehen unter strengem Artenschutz. „Wir sind hier nicht im Wilden Westen, wo nach Gutdünken Wölfe abgeschossen werden, bis man den richtigen Wolf irgendwann trifft“, sagte am Freitag Nabu-Landeschef Holger Buschmann.

Jäger reißen sich nicht darum, Wölfe zu schießen

Die Interessengemeinschaft Wolfsfreunde Deutschland sprach von einer „rechtswidrigen Tötung“ und stellte nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen Lies, den zuständigen Landrat sowie den unbekannten Schützen. „Von einem Urteil in einem Prozess nach der Strafanzeige erhoffen wir uns Rechtssicherheit“, sagte der Präsident der Landesjägerschaft, Helmut Dammann-Tamke, der auch CDU-Landtagsabgeordneter ist. Es handele sich um die bundesweit erste Wolfsentnahme, die mit Nutztierrissen begründet werde.

Die Jäger reißen sich laut Dammann-Tamke nicht darum, Wölfe zu schießen. „Das ist keine Jagd, sondern eine Anordnung nach Naturschutzrecht, an der sich wenige freiwillig beteiligen.“ Die Jäger bringen sich dem CDU-Politiker zufolge nur ein, wenn ihre Anonymität gesichert wird.

Meldung vom 12. Februar, 13.45 Uhr: In Niedersachsen ist ein sogenannter Problemwolf abgeschossen worden. Wie das Umweltministerium mitteilte, wurde das weibliche Tier (Fähe) des Rudels Herzlake in der Nacht zu Donnerstag bei Löningen (Landkreis Cloppenburg) getötet. Der Kadaver werde routinemäßig geborgen, eine genetische Untersuchung zur Identifizierung eingeleitet. Die gemeldete Tötung des weiblichen Wolfs aus dem Herzlaker Rudel ist gedeckt von der geltenden Rechtslage nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§ 45a) vollumfänglich gedeckt, heißt es aus dem Umweltministerium. Mit dem Abschuss sei die Ausnahmegenehmigung erloschen - es würden zunächst keine weiteren Tiere des Herzlaker Rudels gejagt.

LandNiedersachsen
UmweltministerOlaf Lies
HauptstadtHannover
MinisterpräsidentStephan Weil

Im Territorium des Rudels Herzlake wurden seit Ende 2018 etwa 500 Schafe von Wölfen getötet, wie das Ministerium mitteilte. Dabei überwanden Tiere des Rudels mehrfach den zumutbaren Herdenschutz wie Zäune. Zudem kam es nachweislich zu zahlreichen, weiteren Rissen in Deichnähe. Dabei entstand alleine bei einem Schäfer ein Schaden von bislang 50.000 Euro. Letzte Risse an Nutztieren fanden laut Ministeriumshomepage am 10. Oktober und 12. November statt. Daraufhin wurde eine Ausnahmegenehmigung zur Tötung eines Wolfs des Rudels Herzlake erteilt.

Die Zahl der Wölfe in Niedersachsen stieg innerhalb eines Jahres von etwa 230 auf aktuell rund 350. Inzwischen gibt es 35 Rudel und zwei Paare, wie aus dem Wolfsmonitoring der Landesjägerschaft hervorgeht. Mit offizieller Genehmigung geschossen wurde in Niedersachsen erst ein Wolf, im Frühjahr 2016. Das Tier war zuvor Menschen zu nahe gekommen. Die Jagd nach dem sogenannten Rodewalder Rüden, der in seinem Revier rund 45 Kilometer nördlich von Hannover Rinder und Ponys riss, blieb bislang erfolglos.

Ein sogenannter Problemwolf wurde im Landkreis Cloppenburg geschossen.

Der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Martin Bäumer begrüßte den aktuellen Abschuss: „Wir haben immer gefordert, dass auffällige Wölfe konsequent entnommen werden. Die Forderungen und Bemühungen der CDU-Fraktion zeigen endlich Wirkung.“ Es sei gut, dass der Staat gezeigt habe, dass er handlungsfähig ist.

Die Grünen kritisierten den Abschuss als „keinen guten Tag für den Artenschutz in Niedersachsen“. Ob die strengen Voraussetzungen für die Tötung eines sogenannten Problemwolfes vorlagen, konnte durch die Geheimniskrämerei des Umweltministeriums nicht vorher gerichtlich überprüft werden, monierte der naturschutzpolitische Sprecher Christian Meyer.

Wolfsabschuss: WWF und Nabu mit deutlicher Kritik

Die Umweltverbände WWF Deutschland und Naturschutzbund (Nabu) werfen der niedersächsischen Landesregierung eine „geheime Wolfshatz“ vor. Derzeit wisse niemand, wie viele und welche Wölfe auf den geheimen Abschusslisten stehen, kritisierten die Organisationen am Donnerstag. Auskunft über die betroffenen Landkreise und Tiere werde verweigert. Aus Sicht von WWF und Nabu setzt die Landesregierung die Anforderungen des Umweltinformationsgesetzes und des Artenschutzrechtes nicht pflichtgemäß um. Der WWF kündigte darüber hinaus an, juristisch prüfen zu lassen, inwieweit das Land Niedersachsen zu mehr Transparenz gezwungen werden könne. 

Das Umweltministerium gibt nach eigenen Angaben keine näheren Informationen, weil in der Vergangenheit bereits in sozialen Medien zu Störaktionen gegen Wolfsentnahmen aufgerufen worden sei. Zudem habe es persönliche Bedrohungen gegeben. Der Nabu hat bereits bei der Europäischen Union Beschwerde gegen die neue Wolfsverordnung des Landes Niedersachsen eingereicht. In der kommenden Woche wird der Umgang mit dem Wolf abermals Thema im Landtag in Hannover sein.

Wolfsfreunde-Anzeige gegen Lies, Landrat und Schützen

Die Interessengemeinschaft Wolfsfreunde Deutschland (IWD) hat am Freitag laut einer Mitteilung „Strafanzeige wegen der rechtswidrigen Tötung eines Wolfes gegen Lies, gegen den zuständigen Landrat und gegen den unbekannten Schützen gestellt.“ Weiter schreibt die IWD: „Wir wissen es nicht genau, aber Lies will zurzeit mehr als zwölf Wölfe töten lassen.“ Woher sie diese Info haben, wurde nicht mitgeteilt.

Hühner in Stuhr vermutlich von Wolf gerissen

Einen weiteren möglichen Wolfsangriff gibt es derweil unweit von Bremen. Als der Kladdinger Landwirt Holger Nöhrnberg am Sonntagabend in einen seiner mobilen Hühnerställe blickt, trifft ihn der Schlag. Drei, vier Hennen sind totgebissen, viele weitere Tiere wohl durch den Stress und den Schock gestorben. Der Landwirt aus der Nähe von Stuhr vermutet einen Wolf.

Rubriklistenbild: © Panthermedia

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