327 nachgewiesene Fälle in 2018

Zahl der Nutztier-Risse durch Wölfe zuletzt deutlich rückläufig

Immer wieder diskutieren Experten, Politiker und die Bevölkerung in Niedersachsen über mögliche Abschüsse von Wölfen. Neue Zahlen über Wolfsübergriffe im Jahr 2018 zeigen die aktuellen Ausmaße der Gefahr für Nutztiere.

Hannover - Die Zahl der Nutztier-Risse durch Wölfe ist im vergangenen Jahr in Niedersachsen offenbar deutlich zurückgegangen. 2018 gab es nach Angaben des Niedersächsischen Landvolk-Verbandes 327 nachgewiesene Wolfsübergriffe. In 302 dieser Fälle wurden Schafe und zu einem geringen Teil auch Ziegen getötet. Zudem waren 15 Rinder, ein Pferd und neun Stück Gatterwild betroffen. 2017 lagen die Zahlen mit 428 durch Wölfe getöteten Nutztieren noch deutlich höher, wie Landvolk-Sprecherin Silke Breustedt-Muschalla auf Anfrage sagte.

Niedersachsens Schafhalter besaßen den Angaben zufolge 2018 insgesamt 233.685 Schafe. Demnach sind im vergangenen Jahr rund 0,13 Prozent des Schafbestandes im Bundesland Opfer von Wolfsangriffen geworden.

Häufige Todesursache: Totgeburten

Die Zahl der totgeborenen Schafe liegt laut Landvolk um ein Vielfaches höher. Die Rate könne je nach Schafrasse zwischen fünf und zehn Prozent pro Betrieb liegen, sagte Breustedt-Muschalla. Lämmer kommen etwa wegen Fehllagerungen in der Gebärmutter tot zur Welt. Weitere Gründe für Totgeburten seien Infektionen oder Erbkrankheiten.

Der Referent für Tierzucht und Tierhaltung beim Niedersächsischen Landvolk, Klaus Gerdes, erläuterte: „Je nach Rasse und Jahr haben wir jährliche Lämmerverluste von jeweils fünf bis zehn Prozent infolge von Schwergeburten, Totgeburten, lebensschwachen Lämmern und so weiter.“ Wenn die ersten Lebenswochen überstanden seien, seien die weiteren Verluste gering. Tierseuchen gebe es zurzeit erfreulicherweise nicht. „Ansonsten gibt es wie bei jeder Spezies eine ganze Palette an Krankheiten“, fügte Gerdes hinzu.

Rüde im Landkreis Nienburg auf Abschussliste

Wegen der Angriffe auf Schafe, Ziegen und Rinder fordern das Landvolk und einzelne Tierhalterverbände den Abschuss von auffälligen Wölfen und auch ganzer Wolfsrudel sowie die Einrichtung sogenannter „wolfsfreier Zonen“. Das niedersächsische Umweltministerium hat kürzlich die Genehmigung zur „Entnahme“ eines Wolfes aus dem im Landkreis Nienburg ansässigen Rudel erteilt. Der Rüde wird für mehrere Schafs- und Rinder-Risse verantwortlich gemacht. Auf Bundesebene diskutieren verschiedene Ministerien über eine Lockerung des Naturschutzgesetzes, um auffällige Wölfe leichter töten zu können.

epd

Rubriklistenbild: © dpa

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