Erstmals in Europa

Wird die Schweiz bald pestizidenfrei?

In der Schweiz will eine Volksinitiative synthetische Pestizide verbieten. Die Abstimmung läuft am Sonntag. Doch funktioniert Landwirtschaft nur mit Bio-Mitteln?

Hannover - Die Schweiz könnte das erste pestizidenfreie Land Europas werden. Eine Initiative will den Einsatz synthetischer Pestizide in der Landwirtschaft verbieten und die Einführung von Lebensmitteln, die solche Agrarchemikalien enthalten, stoppen.

Unternehmen:Syngenta
Mitarbeiterzahl49.000
Hauptsitz: Basel, Schweiz
Mitarbeiter13. November 2000
Umsatz:23,1 Mrd. US-Dollar (2020)

Eine entsprechende Volksabstimmung läuft am Sonntag, 13. Juni 2021. Für das Land, in dem einer der umsatzstärksten Hersteller von Pflanzenschutzmitteln weltweit sitzt, nämlich der Bayer-Konkurrent Syngenta, könnte der Ausgang eine historische Zäsur bedeuten.

Verbot chemischer Pestizide: 40 Prozent Ertragsverluste befürchtet

Laut Bundesrat und Parlament geht die Forderung zu weit und könnte die Versorgung mit Lebensmitteln stark einschränken. Außerdem könnte ein Verbot dazu führen, dass Pflanzen und landwirtschaftliche Produkte nicht mehr ausreichend vor Bakterien oder Viren geschützt werden.

Gegner der Forderung nach einem Verbot chemischer Pestizide befürchten unter anderem eine Verteuerung von Lebensmitteln. 

Syngenta-Chef Erik Fyrwald wurde noch deutlicher: Ohne Pflanzenschutzmittel würden die Erträge der Landwirtschaft um 40 Prozent zurückgehen, warnte er im Vorfeld der Abstimmung. Zusammen mit Monsanto, Bayer CropScience und BASF gehört Syngenta zu den größten Anbietern von Pflanzenschutzmitteln weltweit.

Verbot chemischer Pestizide: Initiatoren warnen vor Gefahren für Umwelt und Trinkwasser

Für die Initiatoren der Volksabstimmung gefährden hingegen die synthetischen Pestizide die Gesundheit und verunreinigen Flüsse, Trinkwasser und Lebensmittel. Wäre der Volksentscheid erfolgreich, würde die Schweiz zu einem Vorreiter bei der reinen Bio-Landwirtschaft avancieren.

Die Pestizid-Initiative und die Initiative für sauberes Trinkwasser bewegt über die Landesgrenze hinaus. 

Der Schutz des Trinkwassers steht ebenfalls im Mittelpunkt einer zweiten Abstimmung am Sonntag. Ziel ist es, Subventionen nur an Landwirte auszuzahlen, die unter anderem keine Pestizide verwenden.

Umstellung würde Jahre dauern

Die Umstellung würde allerdings nicht sofort erfolgen. Die Initiatoren haben eine Übergangsfrist von zehn Jahren vorgeschlagen.

Das einzige Land weltweit, das bisher Agrarchemikalien verbannt hat, ist das Königreich Bhutan. In der Schweiz ist die Verwendung von Pestiziden derweil erlaubt: Sie werden in der Landwirtschaft und bei der Produktion von Lebensmitteln angewandt.

Chemische Pestizide in der Landwirtschaft: Auch Deutschland streitet über eine Begrenzung

Die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft wird auch in Deutschland kontrovers diskutiert. Ende Mai hat der Bundesrat die Debatte über eine Verordnung zur Begrenzung von Pestiziden kurzfristig vertagt.

Zuvor hatte es in der Großen Koalition Streit über die Verordnung gegeben, die unter anderem den Ausstieg aus dem Wirkstoff Glyphosat regelt. Der Bundesrat wird sich Ende Juni erneut mit dem Thema befassen.

Rubriklistenbild: © Jochen Tack via www.imago-images.de

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