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"Wir sind alle Menschen": Wenn Flüchtlinge sich untereinander helfen

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Hilfe als Dolmetscher: Einige Flüchtlinge, die bereits deutsch sprechen, engagieren sich hier.

Von Helen Hoffmann, Michael Evers und Valentin Frimmer. Sie spenden oder geben Deutschkurse: In der Flüchtlingskrise bekommen ehrenamtliche Helfer Lob. Unter ihnen sind auch viele Menschen, die selbst Flüchtlinge sind.

Ahmed Abdallah Ahmed muss nicht lange überlegen, warum er sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagiert. Dabei ist er selbst einer, bangt um die Anerkennung seines Asylantrags. Der 23-Jährige stammt aus dem Sudan, nun lebt er in Hildesheim. Nach knapp drei Jahren in Deutschland kann er die Sprache. Und hilft damit anderen: Als Dolmetscher.

Spätestens seit der Ankunft Tausender Menschen am Münchner Hauptbahnhof werden engagierte Bürger in der Flüchtlingskrise immer wieder gelobt. Am Mittwoch würdigte in Braunschweig Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) das "wertvolle gesellschaftliche Engagement" ehrenamtlicher Helfer. Nicht zu vergessen dabei: Viele Flüchtlinge unterstützen sich auch gegenseitig. "Es gibt eine große Hilfsbereitschaft untereinander", sagt Uwe Eisenhut, der bei der Arbeiterwohlfahrt Bremen den Bereich Asyl und Migration verantwortet.

In Bremen arbeiten Asylsuchende bei verschiedenen Projekten mit, die von Ehren- oder Hauptamtlichen geleitet werden. So reparieren Flüchtlinge gemeinsam mit anderen in einer Werkstatt Fahrräder. Bei der Kinderbetreuung helfen sich Frauen untereinander und engagieren sich etwa in einer Mutter-Kind-Gruppe, zählt Eisenhut auf. Einige bieten sich Menschen mit schlechteren Deutschkenntnissen als Dolmetscher an. "Der Wunsch, etwas zu tun, ist sehr groß."

Flüchtlinge in dem von den Maltesern betriebenen großen Flüchtlingslager in Celle-Scheuen helfen mit, im Lager aufzuräumen und für Ordnung zu sorgen, sagt Malteser-Sprecher Michael Lukas. Auch als es darum ging, die Zelte des Lagers durch winterfeste Schnellbauhütten zu ersetzen, packten sie selber mit an. Nach Angaben des Innenministeriums sind 2015 bislang rund 100.000 Flüchtlinge nach Niedersachsen gekommen.

Eine besondere Idee hatte der Braunschweiger Besnik Salihi. Er hat mit einem Freund eine Internetseite erstellt, die Angebote für Flüchtlinge in Braunschweig bündelt. Der 24-jährige Salihi kam 1992 mit seiner Familie als Flüchtling aus dem Kosovo, derzeit macht er eine Ausbildung zum Büromanager. "Ich weiß wie es ist, ein Flüchtlingskind zu sein", sagt er.

Seine Homepage, die Anfang Dezember verfügbar sein soll, informiert über Deutschkurse oder Trainingszeiten von Fußballvereinen. Auch Verhaltenstipps für Deutsche und Flüchtlinge soll es geben. Salihi ist wichtig, dass die Homepage zur Eigeninitiative anspornt. So werden nicht alle Inhalte übersetzt. "Weil man nicht den Anreiz verlieren sollte, Deutsch zu lernen." Der junge Mann findet, dass Flüchtlinge sich nicht zu sehr von Organisationen oder Paten abhängig machen und stattdessen lernen sollten, sich selbst zurecht zu finden.

Ahmed Abdallah Ahmed, der junge Mann aus Hildesheim, bekommt kein Geld, wenn er bei Behördengängen hilft oder Flüchtlinge zum Arzt begleitet. "Das ist mein Ehrenamt", sagt er. Aus dem Sudan ist er aus politischen Gründen geflohen. Sein Asylgesuch in Deutschland wurde zunächst abgelehnt. Er hat dagegen geklagt, wartet nun auf die Entscheidung. In der Zwischenzeit macht er ein Praktikum - und greift Leidensgenossen unter die Arme. "Ich habe gemerkt, dass ich Menschen helfen kann. Das macht mir Spaß." dpa

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