Spiegelglatte Straßen und vereiste Oberleitungen

Wintereinbruch: Viele Unfälle - Blitzeis legt IC lahm

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Wintereinbruch in Bremen und Niedersachsen

Norden/Bremen - Das Winterwetter mit Eis und Schnee hat in Niedersachsen und Bremen zu starken Beeinträchtigungen im Straßen- und Bahnverkehr geführt. Es gab viele Unfällen, mancherorts konnten Züge nicht fahren. So warteten im ostfriesischen Norddeich am Montag noch immer Hunderte Bahnpassagiere auf ihre Weiterfahrt, nachdem Blitzeis einen IC gestoppt hatte.

Hunderte Bahnpassagiere saßen rund 22 Stunden in einem vereisten IC im ostfriesischen Norddeich fest. Bei vielen war am Montagmorgen die Geduld zu Ende, nachdem sie die Nacht im Zug oder auf Feldbetten in der Halle einer Fährgesellschaft verbracht hatten. Als es am Morgen wieder zu Verzögerungen kam, sei die Stimmung gekippt, berichtete Fahrgast Maximilian Mühlens, der Silvester auf Norderney gefeiert hatte. „Hier ist es spiegelglatt. Aber in Russland fahren die Züge ja auch“, sagte der Student aus Bonn. „Warum das bei der Bahn nicht klappt, ist mir ein Rätsel.“ Helfer des Deutschen Roten Kreuzes hatten die gestrandeten Fahrgäste mit heißen Getränken und Snacks versorgt. Insgesamt waren Mühlens zufolge im IC 2203 etwa 600 Passagiere, darunter auch rund 30 Kinder. Spezielle Lokomotiven begannen gegen 5.00 Uhr damit, die Oberleitungen vom Eis zu befreien. „Wir gehen davon aus, dass wir bis zum späten Vormittag mit den Enteisungsfahrten fertig sind“, sagte der Bahnsprecher.

Ein anderer IC von Köln nach Emden, der etwa einen Kilometer vor dem Bahnhof Emden vermutlich wegen einer vereisten Weiche liegen geblieben war, wurde geräumt. „Die Passagiere sind die kurze Strecke bis nach Emden zu Fuß gegangen, sagte ein Bahnsprecher am Abend.

Spiegelglatte Straßen wurden vielen Autofahrern zum Verhängnis. In Niedersachsen und Bremen kam es am Sonntag binnen 24 Stunden zu mehr als 300 Unfällen. Allein die Polizeidirektion Oldenburg meldete am Montag in einer ersten Bilanz 183 Unfälle. Bei 16 davon wurden Menschen verletzt.

„Es hätte noch schlimmer kommen können“, sagte ein Sprecher. Weil der Wintereinbruch auf einen Sonntag fiel, waren deutlich weniger Menschen mit dem Auto unterwegs als an Werktagen. In Bremen meldete die Polizei für das gesamte Stadtgebiet 97 Unfälle.

Auch auf der Autobahn 1 zwischen dem Ahlhorner Dreieck und Holdorf war die Autobahnpolizei am Sonntag im Dauereinsatz. Hier rückten die Beamten zu 21 Unfällen aus, dabei wurden mindestens zwei Menschen leicht verletzt. Allein hier liegt der entstandene Gesamtschaden bei über 100 000 Euro.

Hintergrund: Wissenswertes rund um die weiße Pracht

SCHNEEFLOCKEN: Sie bestehen aus Eiskristallen. Am Anfang steht oft ein Staubkorn oder ein gefrorenes Wassertröpfchen als Keim, an den in den Wolken Wasserdampf andockt. Nach und nach entstehen Prismen, Säulen, Plättchen, Nadeln oder Schneesterne. Weil sich die Wassermoleküle in bestimmten Winkeln aneinanderlagern, sind Schneekristalle in der Regel sechseckig. Wegen der unzähligen Möglichkeiten, wie sich Moleküle zusammenfinden können, geht man davon aus, dass jeder Kristall einzigartig ist. Mehrere Kristalle zusammen bilden eine Schneeflocke.

SCHNEEFLOCKENGRÖßE: Typischerweise haben Schneeflocken einen Durchmesser von einigen Millimetern, erklärt das Schweizer WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF). Im Guinness-Buch der Rekorde sei aber auch eine 38 Zentimetern breite Flocke aufgeführt. Tendenziell gilt: Je milder die Minustemperatur, desto leichter kleben Kristalle zu größeren Flocken zusammen.

SCHNEEGEWICHT: Schnee enthält viel Luft in den Zwischenräumen in und zwischen den Flocken. Eine fünf Millimeter breite Flocke hat darum nur etwa vier Tausendstel Gramm Gewicht, wie Andreas Friedrich, Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sagt. Doch ein Kubikmeter vereister oder feuchter Schnee kann eine halbe Tonne wiegen. Unter dem Gewicht können Äste oder ganze Bäume abknicken und Dächer von Gebäuden einbrechen.

SCHNEEWEIß: Wenn Licht auf Schnee fällt, wird es an den vielen Oberflächen der Kristalle in alle Richtungen reflektiert. Zudem wird es an den Grenzflächen zwischen dem Eis und der Luft in den Hohlräumen abgelenkt. Spiegelung und Lichtbrechung bewirken, dass Schnee milchig weiß wirkt und im Sonnenlicht glitzert.

SCHNEEWEHEN: Wird lockerer trockener Schnee von Wind aufgewirbelt und weitergetragen, können sich im Windschatten Schneewehen ablagern. Bei einem Schneesturm kann sich der Niederschlag zu meterhohen Verwehungen auftürmen. Toben tagelange Schneestürme, kann im Extremfall das Verkehrs-, Versorgungs- und Kommunikationsnetz zusammenbrechen - wie bei der Schneekatastrophe 1978 in Norddeutschland.

SCHNEEKULTUR: Einige der bekanntesten deutschsprachigen Volkslieder drehen sich um die weiße Pracht: der „Schneewalzer“ zum Beispiel oder „Leise rieselt der Schnee“. Bücher gibt es unzählige: etwa die „Schneekönigin“ von Hans Christian Andersen und Peter Høegs Bestseller „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“. Einen Gedenktag für Schnee gibt es trotz aller Flockenliebe nicht, wohl aber für ein daraus geformtes Gebilde: Am 18. Januar ist der Welttag des Schneemanns.

dpa

Schneebilder der Kreiszeitungs-Leser

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