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Windkraft ausbauen: Niedersachsen will Standortvorteile

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Von: Yannick Hanke

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Niedersachsens Energie- und Umweltminister Olaf Lies (SPD) spricht und gestikuliert. Im Hintergrund sind Windräder zu sehen.
Niedersachsens Energie- und Umweltminister Olaf Lies (SPD) will Standortvorteile für sein Bundesland beim Ausbau von Windkraft. (kreiszeitung.de-Montage) © Joachim Sielski/imago/Hauke-Christian Dittrich

Windkraft soll bundesweit ausgebaut werden. Den Zielen hinkt man hinterher. Aus Niedersachsen wird die Forderungen nach einem Standortvorteil laut.

Berlin/Hannover – Windkraft gilt als Energiequelle der Zukunft. Das weiß natürlich auch Olaf Lies (SPD), seines Zeichens Energie- und Umweltminister in Niedersachsen. Der Sozialdemokrat fordert Standortvorteile für die Bundesländer, die mehr für den Ausbau der Windkraft tun als andere.

Windkraft in Deutschland: Trägt Niedersachsen Hauptlast beim Ausbau? Standortvorteile gefordert

„Der Bund muss einen Ausgleich schaffen zwischen den Ländern in Deutschland, die hohe Verantwortung tragen und den anderen, die das nicht in dem Maße tun“, sagt Olaf Lies in diesem Kontext zur dpa. Würden Nordländer wie eben Niedersachsen die Hauptlast beim Ausbau der Windkraft tragen, müsse es Standortvorteile geben.

Im Detail fordert Olaf Lies Entlastungen für Unternehmen. Denn das würde den Standort an sich stärken sowie die Ansiedlung von Firmen attraktiver machen. „Einen Ansatz können hier die Netzentgelte bieten. Unternehmen, die den Strom an der Stelle nutzen, wo dieser auch ankommt, könnten dann entlastet werden. Wir haben schon vor fast zehn Jahren gesagt: wenn die Energie nicht zu Ihnen kommt, kommen Sie doch zu uns nach Niedersachsen“, sagt er gegenüber der dpa.

Niedersachsen will „Verantwortung für ganz Deutschland übernehmen“ – beim Ausbau von Windkraft

Grundsätzlich würde Niedersachsen zu seiner Verantwortung stehen. „Wir haben heute zwölf Gigawatt installierte Leistung. Wir wollen auf 30 Gigawatt installierte Leistung kommen“, rechnet Olaf Lies vor. Auf diesem Wege werde man das Zwei-Prozent-Ziel erreichen.

Wir sind in Niedersachsen bereit, Verantwortung für ganz Deutschland zu übernehmen. Aber diese Verantwortung muss in allen Bundesländern übernommen werden.

Niedersachsens Energie- und Umweltminister Olaf Lies (SPD) gegenüber der dpa

Damit meint Olaf Lies auch Bundesländer wie Bayern oder Baden-Württemberg. Auch sie müssten die Windkraft mit gleicher Geschwindigkeit und Nachdruck ausbauen – und das Zwei-Prozent-Ziel erreichen. Andernfalls müsste ein „finanzieller Ausgleichsmechanismus“ greifen.

Windkraft in Deutschland: Niedersachsen bundesweit mit den meisten Windrädern

Worauf Olaf Lies hinaus will: die Verantwortung für den Ausbau von Windkraft in Deutschland darf nicht nur auf den Norden geschoben werden. Dies hat den Hintergrund, dass Niedersachsen das Bundesland mit den meisten Windrädern in der Bundesrepublik ist.

Um einen schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien zu gewährleisten, will die Politik, dass künftig zwei Prozent der Landesfläche für die Windenergie im Land ausgewiesen werden. Ein Vorhaben, das auch gesetzlich verankert werden soll. Von diesem Ziel sind die meisten Bundesländer aber noch weit entfernt.

Windkraftziele der Bundesregierung: Nur drei Länder kommen ans Zwei-Prozent-Ziel heran

De facto kommen aktuell nur drei Bundesländer den Windkraftzielen der Bundesregierung auch nur nahe. Das hat eine Umfrage der dpa ergeben. Die drei Länder, die an das Zwei-Prozent-Ziel herankommen, sind Schleswig-Holstein (rund zwei Prozent), Hessen (1,9) und das Saarland (1,82).

Die Schlusslichter in dieser Hinsicht stellen wiederum Sachsen (0,3 Prozent) und Baden-Württemberg (0,2) dar. Ein großer Unterschied ergibt sich auch bei den Stadtstaaten, ungeachtet der nicht mit den Flächenländern vergleichbaren Ausgangslage. Während Bremen immerhin noch auf rund ein Prozent kommt, kann Hamburg nur 0,23 Prozent der Fläche für Windenergie ausweisen.

Ampel will Ökostrom aus Wind und Sonne ausbauen – und weniger abhängig von russischem Gas sein

Laut der dpa dümpelt die Mehrheit der Bundesländer zwischen den Extremwerten. Hierunter fallen Brandenburg (1,4 Prozent), Nordrhein-Westfalen (1,2 Prozent), Sachsen-Anhalt (1,08 Prozent), Rheinland-Pfalz (1,01 Prozent) sowie Thüringen (0,4 Prozent). Indes hätte Niedersachsen bereits darauf verwiesen, dass bis 2030 schon 2,1 Prozent erreicht sein sollen.

Generell ist der Ausbau des Ökostroms aus Wind und Sonne als eines der zentralen Ziele der Ampel-Regierung im Bund zu bezeichnen. Auf diesem Wege sollen die hochgesteckten Klimaziele erreicht werden. Zudem ist es das große Bestreben der Politik, weitaus weniger abhängig von fossilen Energien wie russischem Gas zu sein, wie es derzeit noch der Fall ist.

Ukraine-Krieg: Energiepreise steigen massiv an – und Kritiker von Windkraft rudern zurück

Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) hat den Plan, dass bis 2030 schon 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen kommen sollen. Bis 2035 sollen dann schon fast die 100 Prozent erreicht sein. Zur Einordnung: Nach Branchenangaben belief sich der Wert 2021 erst auf rund 42 Prozent.

Kritiker der Windkraft, unter anderem aus der Wirtschaft, hatten ihre Meinung zuletzt geändert. Dies hängt vor allem mit dem Ukraine-Krieg und dem daraus resultierenden Anstieg der Energiepreise, auf die mit dem Entlastungspaket 2022 sowie der Energiepreispauschale reagiert wird, zusammen. Und doch gibt es sie weiterhin, die kritischen Stimmen, die sich gegen den Bau von Windrädern stellen. Oft kommt es zu Streitigkeiten zwischen Anwohnern, Umweltschützen und Investoren, Proteste sind mehr die Regel denn die Ausnahme.

Windkraft in Deutschland: Flächen zum Ausbau fehlen noch

Hinsichtlich des Ausbaus der Windkraft an Land hat das Bundeswirtschaftsministerium vor allem folgendes Problem ausgemacht: die fehlende Verfügbarkeit von entsprechenden Flächen. Nun muss und wird also die nähere Zukunft zeigen, ob im wahrsten Sinne des Wortes ein frischer Wind weht. Es wäre zu wünschen. (mit Material der dpa)

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