Fachmesse 2022

Windenergie in Norddeutschland: Die Flaute ist laut Umfrage vorbei

Für Niedersachsen sind sie ein Standbein der Energiewende: Windräder. Nach einer Flaute soll der Ausbau nun wieder Fahrt aufnehmen.

Hannover – Windräder, egal ob On- oder Offshore sind eine wichtige Säule im Kampf gegen den Klimawandel. Dies versetzt die Branche in einen gewissen Optimismus. Vor allem die längerfristigen Aussichten werden in einer Umfrage sehr positiv eingeschätzt. So die Auffassung der Hamburg Messe. Vom 27. bis 30. September 2022 findet in der Hansestadt die Fachmesse Windenergy statt.

Windkraft BundesländerLeistung in Megawatt (MW)
Niedersachsen11.325
Brandenburg7.320
Schleswig-Holstein6.996

„Bei der Frage nach der Marktsituation der Onshore-Windindustrie erhalten alle Weltregionen neue Bestwerte“, heißt es bei der Hamburg Messe. „Die Zukunft des Offshore-Windmarkts wird ebenfalls sehr optimistisch gesehen: Asien, Europa und Nordamerika liegen hier nach wie vor fast gleichauf nahe des Optimums.“ Die Hamburg Messe lässt mit Blick auf die Fachmesse Windenergy regelmäßig die Stimmung in der Branche erheben. Die Messe arbeitet dabei mit einem Marktforschungsinstitut zusammen.

Offshore-Windkraft war eine deutsche Idee.

Die momentane Marktsituation für die Windkraft an Land (Onshore) wird indes von den befragten Marktexperten etwas verhaltender eingeschätzt als noch im Frühjahr. „Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Betrachtung der derzeitigen Marktsituation in der Offshore-Windindustrie.“ Der allgemeine Trend – stagnierende oder leicht sinkende Werte für die aktuelle Marktsituation und hohe Erwartungen an die Zukunft der Windindustrie – zeigt sich laut Umfrage auch für Deutschland. In Deutschland wurden in diesem Jahr 345 Anlagen gebaut.

Windenergie in Niedersachsen: Aktuell sind vor der deutschen Küste 1500 Windräder im Einsatz

Pikantes Detail: Offshore-Windkraft war ursprünglich eine deutsche Idee. Inzwischen boomt der internationale Markt. Nur in Deutschland klafft beim Ausbau der Windkraft auf dem Meer eine Lücke. Aktuell drehen sich vor der deutschen Küste rund 1500 Windräder mit einer Leistung von knapp acht Gigawatt. Bis zum Jahr 2030 sollen es 20 Gigawatt sein.

Nachholbedarf gibt es bei der Windenergie auf See, wo es erstmals seit vielen Jahren 2021 keine neuen Windenergieanlagen gibt. Zwar ist der Platz größer, aber auch nicht unendlich. Dort gilt es ein Zusammenspiel aus Naturschutz, Schifffahrt, Marine und Windenergie hinzubekommen. Um Nutzungskonflikte zu entschärfen, soll der knappe Meeresraum möglichst von mehreren Akteuren gleichzeitig genutzt werden. Dazu hat die EU-Kommission Konzepte entwickelt.

Windenergie: Tempo muss forciert werden

Fachleute sind sich einig, dass das Tempo des Windenergieausbaus in den nächsten Jahren forciert werden muss. Neben dem Mangel an ausgewiesenen Flächen gelten lange Planungs- und Genehmigungsverfahren an Land als Hemmnis beim Windkraftausbau. So wird beispielsweise gegen Flächennutzungspläne geklagt. Die Aufstellung eines Flächennutzungsplanes für Windenergieanlagen dauert mindestens ein Jahr, mit einer Klage deutlich länger. Dann folgen die weiteren Anträge des Bauherren. Rund drei Jahre kann man rechnen, von der ersten Planung bis zum Drehen eines Windrads.

Ein kräftiger Ausbau der Windenergie ist auch nötig, um genügend „grünen“ Strom für die Produktion von Wasserstoff liefern zu können. Wasserstoff gilt als einer der Hoffnungsträger im Kampf gegen den Klimawandel. Er kann als Basis für Kraft- und Brennstoffe dienen, um etwa in Industrie und Verkehr die Nutzung von Kohle, Öl und Erdgas abzulösen. Daher gehen laut Messe Hamburg mehr als 55 Prozent der Marktexperten davon aus, dass die Produktion von „grünem“ Wasserstoff in den nächsten drei Jahren eine wesentliche Rolle für die Windenergie spielen wird.

Energiewende in Deutschland: Vor- und Nachteile der Windenergie

Windenergie an Land hat Vorteile, aber auch Nachteile. Gerade das optische Eingreifen in Landschaftsbild empfinden viele als störend. Gerade in Norddeutschland leisten die Anlagen aber einen wichtigen Beitrag zur Energiewende.

  • Ein Vorteil ist die Nachhaltigkeit von Windenergie. Am richtigen Standort steht Wind fast immer zur Verfügung. Der geringe Schadstoffausstoß von Windkraftanlagen ist ein wichtiger Punkt. Ein Schadstoffausstoß ist bei Windrädern nur vor der Installation vorhanden.
  • Bei Bürgerwindparks werden die Anteilseigner am Gewinn beteiligt. Kommunen können seit 2021 eine Akzeptanzabgabe mit dem Betreiber vereinbaren. Dieses Geld fließt direkt in die Stadt- oder Gemeindekasse.
  • Der Ausbau der Windenergie bringt den Bedarf an Arbeitskräften mit sich. So werden besonders in der Produktion und Wartung, aber auch in der Forschung, dem juristischen und dem biologischen Bereich zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen. Ein Stillstand bedeutet Jobverluste.
  • Die Windräder werden immer effektiver. Die aktuelle Generation ist nicht mehr mit denen von vor 20 Jahren zu vergleichen. Dazu kommt, dass die Grundfläche relativ klein ist.
  • Ein Nachteil ist, dass Windenergie schlecht speicherbar ist. Das gilt auch für Strom aus Solar oder Wasser.
  • In der Nähe von Windparks empfinden Anwohner den Schattenschlag und teilweise die Windgeräusche der Rotorblätter als störend. Auch störte das Blinken der roten Warnlampen für Flugzeuge. Inzwischen werden Neuanlagen mit einer temporären Anlage versehen. Erst wenn ein Flugzeug in einen bestimmten Radius kommt, gehen die Lichter an.
  • Viele Umweltverbände kritisieren, dass Vögel durch die Rotoren sterben, der sogenannte Vogelschlag. Wie viele es tatsächlich waren, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen. Auch in diesem Punkt gibt es seit einigen Jahren praktikable Lösungen. Eine davon ist die Probird. Dieses Kamerasystem ist vergleichbar mit der Torlinientechnik beim Fußball.

Ursprünglich verstand man unter „Offshore“ Hochsee-Inseln, die zu einem Land gehörten. Übersetzt lautet der Begriff „vor der Küste“. Im Energiesektor unterscheidet man zwischen Offshore- und Onshore-Anlagen. Offshore meint dabei die Erschließung von Erdölfeldern und Gas-Lagerstätten im Meer. Sogenannte „Offshore-Windparks“ erzeugen mittels Windrädern in küstennahen Gewässern Energie. (Mit Material von dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild

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