Bekenntnis oder Realsatire: Neues Bismarck-Denkmal provoziert

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Bismarck-Denkmal in Wilhelmshaven

Wilhelmshaven - Für manche ist es eine peinliche Realsatire, für andere ein Bekenntnis zur Stadtgeschichte: Das neue Bismarck-Denkmal in Wilhelmshaven weckt Emotionen - und die Idee zu einer Alternative.

70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat Wilhelmshaven ein neues Bismarck-Denkmal. Es soll an den Reichskanzler Otto von Bismarck (1815-1898) als Begründer des Deutschen Kaiserreiches erinnern. In dessen Gefolge war die Bedeutung Wilhelmshavens seit 1871 als Reichskriegshafen enorm gestiegen. Die lebensgroße Statue mit langem Mantel und Degen, jedoch ohne Pickelhaube, löste bei ihrer Enthüllung am Freitag vor gut 500 Schaulustigen begeistertes Klatschen, aber auch Pfiffe aus: Das Denkmal polarisierte schon lange vor der Aufstellung und ist umstritten.

Kritiker halten den Personenkult um den „Eisernen Kanzler“ für nicht mehr zeitgemäß: „Bismarck-Heringe statt Bismarck-Denkmal!“, skandierten Demonstranten. „Warum wird in einer demokratischen Gesellschaft einem Antidemokraten ein Denkmal errichtet?“, fragte Michael von den Berg, Ratsherr der oppositionellen Grünen, bei einer Gegendemonstration. Dabei gab es früher durchaus Verständnis für den Initiator der Aktion, der einen Anstoß zur Verschönerung des wenig ansehnlichen Bismarck-Platzes geben wollte.

45 000 Euro hatte der frühere CDU-Ratsherr August Desenz gesammelt, der mit seinen Einnahmen als Drehorgelspieler kulturelle und soziale Zwecke unterstützt. „Ohne Bismarck würde es kein Arbeitsamt und keine Sozialversicherung geben“, hob Desenz hervor. Persönlich sei auch er Bismarck-Fan, versicherte Oberbürgermeister Andreas Wagner (CDU). Die Stadt bekenne sich zu einem Teil ihrer historischen Identität und zu den Verdiensten des Reichskanzlers.

Für die Gegner ist der ganze Vorgang dagegen eher peinlich und ein Stück Realsatire: Ein nicht ganz ernst gemeinter „Verein für die Wiederaufrüstung des Stadtbildes von Wilhelmshaven“ schlug bereits weitere Ehrenmale vor: für Feldmarschall Paul von Hindenburg („Er lehrte die Russen laufen“), Kaiser Wilhelm II. („zweitgrößter Feldherr aller Zeiten“) oden den Industriellen Alfred Krupp („Frieden schaffen mit mehr Waffen“). Ernst gemeint ist jedoch eine andere Wilhelmshavener Initiative: Sie fordert ein Denkmal zur Erinnerung an den Aufstand von kriegsmüden Matrosen im Jahr 1918.

Die Soldaten in den Marinestädten Kiel und Wilhelmshaven hatten sich damals für ein Ende des Ersten Weltkrieges eingesetzt. Die Unruhen führten zur Novemberrevolution und dem Sturz der Monarchie. An die blutig niedergeschlagenen Aufstände und die Gefallenen erinnert ein Denkmal in Kiel - nicht jedoch in Wilhelmshaven.
dpa

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