Wildschwein-Plage in Wieda ohne Ende

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Trotz intensiver Bejagung: Wildschwein-Plage im Ferienort Wieda. Foto: Holger Hollemann/Archiv

Wieda - Obelix würde sich in Wieda wohlfühlen. Rund um das kleine Dorf am südlichen Harzrand gibt es Wildschweine ohne Ende. Und auf der Suche nach Frischfleisch müsste der stets hungrige Gallier noch nicht einmal durch den Wald streifen. Denn die Tiere kommen freiwillig in den Ferienort, seit Monaten und immer nachts.

Das Schwarzwild falle regelrecht in den Walkenrieder Ortsteil ein, sagt Samtgemeinde-Bürgermeister Dieter Haberlandt. "Die Wildschweine durchwühlen dann Gärten und Grünanlagen." Zuletzt suchten die Tiere sogar mehrfach den Friedhof heim. Auch der Kurpark oder Spielplätze waren wiederholt an der Reihe.

"Um zum Friedhof zu gelangen, machen sich die Wildschweine viel Mühe", sagt der zuständige Gemeindemitarbeiter Edgar Nordmann. Sie durchqueren extra den am Gottesacker vorbeifließenden Fluss Wieda. "Zum Glück haben sie auf dem Friedhof bisher keine Gräber, sondern nur Grünflächen umgepflügt", sagt Nordmann.

Der Grund für die anhaltenden nächtlichen Streifzüge der Wildschweine durch Wieda sei der Hunger, sagt Hubertus Köhler vom nahen Forstamt Bad Lauterberg der niedersächsischen Landesforsten. "Die Tiere haben einen Futter-Engpass."

Seit dem vergangenen Herbst schon versuchen Waidmänner, die wiederkehrende Plage durch intensive Bejagung zu beenden. "Wir haben im vergangenen Jahr rund um Wieda mehr als 70 Tiere geschossen", sagt Köhler. Die Landesforsten haben extra das in ihren Wäldern geltende Anfütterungs-Verbot für Wildschweine aufgehoben. Jetzt werden die Tiere an bestimmten Plätzen mit Futter angelockt, damit sie dort geschossen werden können. Zuletzt sei so erfolgreich Jagd auf Jungtiere gemacht worden, sagt Köhler. Ein knappes Dutzend Tiere wurden in den vergangenen Tagen erlegt.

"Das Problem wurde damit aber nicht gelöst", beklagt Bürgermeister Haberlandt. Trotz der Abschüsse gebe es weiterhin mehrere Rotten, die nachts aus den angrenzenden Wäldern kommen und in den Ort einfallen. Dabei machten sie auch vor Zäunen nicht halt. "Die Tiere sind schlau", sagt Förster Köhler. "Und sie haben gelernt, dass sie in der bebauten Ortslage nicht gejagt werden dürfen."

Die Pläne von betroffenen Bürgern, die Wildschweine mit Lärm und Hunden dauerhaft aus Wieda zu vertreiben, führten ebenfalls zu nichts. Inzwischen habe sich eine gewisse Ratlosigkeit breit gemacht, stellt der Bürgermeister fest. "Die Bürger sind sehr unzufrieden, dass sich nichts ändert."

dpa

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