Fahrverbot wegen „unkontrollierter Gewalt“

Westfalenbahn: Null Toleranz nach brutalem Angriff auf Zugbegleiterin

Meppen/Bielefeld - Weil ein Fußballfan eine 31 Jahre alte Kundenbetreuerin der Westfalenbahn (WFB) auf der Fahrt von Münster nach Emden angegriffen und ihr schwere Kopfverletzungen zugefügt hat, wurde ihm nun die Fahrt in den Zügen der WFB verboten.

Der Fall, der sich am späten Abend des 10. Februars bei Meppen ereignete, sei der erste, bei dem das Unternehmen ein Hausverbot aussprach, teilte das Bahnunternehmen aus Bielefeld am Mittwoch mit. Dem Borussia-Dortmund-Fan, der dem Unternehmen bereits zuvor namentlich bekannt war, sei für ein halbes Jahr das Recht auf Beförderung entzogen worden, heißt es in einer Mitteilung.

Pressesprecher André Rahmer teilte auf Anfrage von kreiszeitung.de mit, dass die Situation, die zum Hausverbot führte, absolut ungewöhnlich sei und das Unternehmen mit ihrer harten Reaktion auch gegenüber den eigenen Mitarbeitern ein deutliches Signal senden will. „Dass ein solcher Angriff fünf Minuten nach einer Kontrolle erfolgt, ist bei uns noch nicht vorgekommen.“

Das war geschehen: Die Kundenbetreuerin habe Fahrkarten kontrolliert und verbot dem Mann zudem das Rauchen, heißt es in der Meldung der WFB. Nach dem Ende des Kontrollgangs informierte das spätere Opfer ihren Lokführer-Kollegen im Führerstand über die Lage, als der Fan an die Tür klopfte. Die Kundenbetreuerin öffnete ihm laut Mitteilung die Tür und bekam innerhalb weniger Sekunden „die unkontrollierte Gewalt des Täters“ zu spüren. Dabei fiel sie verletzt zu Boden.

Kundenbetreuerin weiter unter Schock

Der Triebfahrzeugführer leitete sofort eine Notbremsung ein, heißt es. Auf den Bildern der Videoüberwachung sei zu erkennen, dass eine Gewaltschwelle bei dem jungen Mann nicht vorhanden gewesen war. Die 31-jährige Kundenbetreuerin stehe weiterhin unter Schock und sei bislang nicht wieder dienstfähig.

Pressesprecher Ralf Löning von der Bundespolizei kann diese Abläufe prinzipiell bestätigen, fügte aber gegenüber kreiszeitung.de hinzu, dass die Ermittlungen noch am Anfang stünden. Zum einen habe ein Kollege aus Nordrhein-Westfalen den Vorfall aufgenommen, als er sich auf dem Heimweg nach Niedersachsen befand. Zum anderen habe eben dieser sich anschließend unabhängig von den Ereignissen krank gemeldet. Da auch auch die Zugbegleiterin wegen ihres Schocks noch nicht befragt und die Auswertung der Videoaufnahmen noch nicht abgeschlossen werden konnte, stünde der Abschluss der Bearbeitung noch bevor.

Neben dem strafrechtlichen Verfahren gegen den Täter durch die Bundespolizei betont die Westfalenbahn, nun eine Null-Toleranz-Linie anzusetzen: ein Hausverbot auf Zeit für den Täter in allen Zügen der WFB. Nun erhofft sich die Bahngesellschaft, dass dadurch weitere Eskalationen und Übergriffe auf das Personal künftig vermieden werden können.

Deeskalationstraining und fußballaffines Personal

Laut Pressesprecher André Rahmer biete die Westfalenbahn seit rund zwei Jahren spezielle Deeskalationstrainings für ihr Personal an, um gewaltbereiten Reisenden in hitzigen Situation unter anderem mit Argumenten begegnen zu können. In Zusammenarbeit mit der Bundespolizei ginge es dabei um den Umgang mit aggressiven Reisenden und um das Thema Zivilcourage. „Auch dadurch ist es gelungen, viele brenzlige Situationen zu entschärfen.“ Bei Sonder- und Verstärkerzügen für die Fans seien nach Möglichkeit immer fußballaffine Mitarbeiter im Einsatz, „die dazu Bock haben und die Fans auch gut verstehen“, sagte Rahmer.

Rubriklistenbild: © Bundespolizei

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