Pilot-Projekt zeigt Lösungen auf

Illegale Mountainbike-Strecken sorgen für Ärger im Wald

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Florian Sudikatis (l-r), der Gründer des Vereins „Deisterfreunde“ Oliver Reich, Steffen Hammel und Alexander Haufe schauen auf einer Downhillstrecke am Deister bei Barsinghausen (Niedersachsen) in die Kamera.

Wennigsen - Von Elena Metz. Mountainbiker, die auf illegalen Strecken durch Wälder rasen, sorgen im Teutoburger Wald, im Harz oder am Deister immer wieder für Ärger. Dass es auch anders geht, zeigt ein Pilot-Projekt.

Durch den Fichtenwald schlängelt sich ein brauner, hügeliger Pfad. „Achtung! Mountainbike-Strecke - Betreten verboten!“, prangt in rot-schwarzen Buchstaben auf einem Hinweisschild am Rand. Steffen Hammel stülpt sich seinen Helm über, schwingt sich auf sein neongelbes Mountainbike und heizt zwischen den Bäumen hindurch bergab. 

Der 50-Jährige fährt regelmäßig auf den Strecken der Deisterfreunde, einem Verein für Mountainbiker am gleichnamigen Höhenzug südwestlich von Hannover. Der Deister im Umland der niedersächsischen Landeshauptstadt ist ein Anziehungspunkt für Mountainbiker, die für ihr Training nach der Arbeit nicht bis in den Harz fahren wollen.

Illegale Trails im Teutoburger Wald

Auch der Teutoburger Wald hat geeignete Hänge, aber extra Routen wie am Deister gibt es hier nicht. Dort breiten sich illegale Trails immer mehr aus. Die drei speziellen Strecken für Mountainbiker betreuen die Deisterfreunde seit 2014. Sie besseren Wege aus und erneuern Rampen.

Das war nicht immer so. „Am Anfang war man Waldkrimineller“, erinnert sich Oliver Reich, der den Verein vor fünf Jahren gegründet hat. In Zusammenarbeit mit den Niedersächsischen Landesforsten und der Region Hannover sind die Test-Trails entstanden. Der Verein im Deister zählt mittlerweile rund 250 Mitglieder, ein bunter Mix aus Menschen von 9 bis 65 Jahren. Ob Student, Rechtsanwalt, Straßenbahnfahrer oder Sommelier, alle sind begeisterte Mountainbiker. 

Florian Sudikatis springt auf einer Downhillstrecke am Deister bei Barsinghausen (Niedersachsen) mit seinem Mountainbike über eine Schanze.

Im Teutoburger Wald sieht es dagegen ganz anders aus. Vor allem am Dörenberg bei Bad Iburg weiten sich illegale Strecken aus, berichtet Rainer Städing von den Landesforsten. „Seit gut zehn Jahren hat sich hier eine Szene entwickelt, die auch eigenmächtig Strecken ausbaut“, sagt er. „Insbesondere sind das Sprungschanzen, Kurvenerhöhungen oder Gruben.“ 

Waldbesitzer haften für Strecken

Der lichte Fichtenwald mit seinen steilen Hängen bietet gute Bedingungen für den Extremsport. Auch aus den Niederlanden, Belgien oder Bremen reisen Biker nach Niedersachsen, um ihrem Hobby nachzugehen. 

Das Problem, das Städing und andere sehen: Waldbesitzer haften für Einrichtungen auf ihrem Grundstück, auch wenn sie illegal sind. Die Waldbesitzer haben also die Sorge, dass sie zur Verantwortung gezogen werden könnten, wenn sie Mountainbike-Strecken dulden und sich Biker dort verletzen.

Polizei und Ranger wollen kontrollieren

Auf öffentlichen Wegen im Wald ist laut Gesetz das Radfahren gestattet - das gilt auch für Wanderpfade, die als Wege erkennbar sind. An den illegalen Trails wurden Schilder aufgestellt, die Downhill-Fahren verbieten. Die Polizei und zukünftig auch Ranger sollen mehr Kontrollen durchführen. 

Alexander Haufe fährt am 15.05.2017 auf einer Downhillstrecke am Deister bei Barsinghausen (Niedersachsen) mit seinem Mountainbike.

Städing könnte sich aber auch eine andere Lösung vorstellen. „Seitens der Landesforsten sind wir zu einer Trail-Lösung, wie im Deister bereit, wenn sich ein Vertragspartner für die Haftung, Absicherung und Unterhaltung findet.“ Bisher hat das im Teutoburger Wald nicht geklappt. 

Friedhart Knolle vom Nationalpark Harz kennt dieses Problem. „Die Zeiten sind vorbei, in denen es einen Verein mit einem Vorsitzenden gibt“, sagt Knolle, der vor allem rund um den Brocken regelmäßig Ärger mit Mountainbikern hat. Immer wieder erhält er Beschwerdebriefe von älteren Wanderern, die sich vor vermummten Radfahrern erschrecken. 

Biker sollten Wanderer ansprechen

„Helm auf, Brille auf - das ist vor allem bei älteren Wanderern sehr mit Vorurteilen belegt“, sagt Florian Sudikatis. Der 28-Jährige fährt seit 14 Jahren Mountainbike. Seine Erfahrung: „Wenn man sie anspricht, dann ist das besser.“ 

Außer einem schwereren Unfall im letzten Jahr sei im Harz bisher nichts passiert, sagt Knolle vom Nationalpark Harz. Dies bestätigen auch das Polizeirevier Harz und die Bergwacht in Wernigerode. „Ab und zu kommt es zu brenzligen Situationen, aber wenn man gegenseitig Rücksicht nimmt, passiert eigentlich nichts“, sagt der stellvertretender Bereitschaftsleiter Rüdiger Bösert. 

„Meistens haben sich die Mountainbiker selbst weh getan.“ Trotz der drei Mountainbike-Trails gibt es auch am Deister nach Angaben der Region Hannover noch illegale Strecken. Die Untersuchungen zur Auswirkung der genehmigten Strecken auf Flora und Fauna seien aber positiv verlaufen. Das Fazit der Region: „Einer dauerhaften Genehmigung steht nichts im Weg.“ Die Mountainbiker am Deister hoffen jetzt auf weitere legale Strecken.

dpa

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