Aufklärungsquote gestiegen

Weniger Straftaten in Niedersachsen

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Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hat am Montag in Hannover die Kriminalitätsstatistik für 2017 vorgelegt.

Hannover - Die Zahl der Straftaten in Niedersachsen sinkt und die Aufklärungsquote steigt. Nach der neuen Kriminalitätsstatistik ist das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, in Niedersachsen auf den niedrigsten Wert seit über 35 Jahren gesunken.

Die Zahl der Straftaten in Niedersachsen ist erneut rückläufig, während die Aufklärungsquote abermals gestiegen ist. Die Zahl der registrierten Straftaten sank 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 6,4 Prozent auf 526 120 Fälle und damit den niedrigsten Wert seit zehn Jahren, sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD) bei der Vorlage der Kriminalitätsstatistik am Montag in Hannover. Die Aufklärungsquote stieg im Vergleich zu 2016 um fast einen Prozentpunkt auf 62,3 Prozent. Die Zahl der Wohnungseinbrüche, die die Menschen besonders umtreiben, sank im Vorjahresvergleich um rund 17 Prozent. Das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, sank in Niedersachsen auf den niedrigsten Wert seit über 35 Jahren. 

Ungeachtet des positiven Trends stieg die Furcht der Niedersachsen, Opfer eines Verbrechens zu werden, im vergangenen Jahr nach den Ergebnissen einer Befragung für eine Dunkelfeldstudie an, wie der Präsident des Landeskriminalamtes (LKA), Uwe Kolmey, sagte. Insbesondere fürchteten sich die Menschen demnach vor Einbrüchen und Diebstählen. Vor diesem Hintergrund setze sich der Trend zum Tragen von Waffen fort. 5,8 Prozent der Befragten gaben an, ein Messer oder etwa Reizgas bei sich zu tragen. Andererseits nahm die Zahl der Befragten deutlich zu, die ihre Wohnung etwa mit zusätzlichen Riegeln oder einer Alarmanlage vor Einbrüchen schützen. Jeder vierte Befragte kümmert sich inzwischen um zusätzlichen Einbruchsschutz. 

In fast allen Kriminalitätsbereichen gab es im vergangenen Jahr einen Rückgang: Körperverletzungen und Nötigungen sanken um 4,4 Prozent, Diebstähle um rund zehn Prozent, angezeigte Vergewaltigungen um sechs Prozent, Kindesmissbrauch um neun Prozent, Autodiebstähle um 19 Prozent, Taschendiebstähle um 18 Prozent und Diebstähle aus Autos um 15 Prozent. 

Ein langjähriger Anstieg setzte sich hingegen bei den Rauschgiftdelikten fort, in drei Viertel der Fälle ging es dabei um Cannabis. Insbesondere in Fällen des Besitzes und Handels mit Cannabis in Schulen ermittelte die Polizei deutlich öfter als früher - möglicherweise auch wegen eines Ende 2016 neugefassten Erlasses zur Zusammenarbeit von Schulen, Polizei und Staatsanwaltschaft bei Drogenfällen. Nach zehnjährigem Rückgang wieder um vier Prozent zugenommen hat die Zahl minderjähriger Tatverdächtiger, die Zahl tatverdächtiger Kinder stieg um 21 Prozent. Die Gründe will das LKA untersuchen. 

Bei den Tatverdächtigen sank die Zahl der Ausländer um 5,8 Prozent und die der Flüchtlinge um 14 Prozent. Insbesondere fielen Flüchtlinge mit dem als Armutskriminalität bezeichneten Ladendiebstahl sowie als Schwarzfahrer auf. 

Bei der Dunkelfeldstudie, für die nach 2013 und 2015 im vergangenen Jahr erneut 40 000 Menschen befragt wurden, zeigte sich, dass die Bevölkerung die Polizeiarbeit überwiegend positiv beurteilt. Es stieg allerdings der Anteil der Befragten, die nach einem konkreten Kontakt mit der Polizei den Eindruck hatten, die Polizei tue zu wenig (22,2 Prozent), sei überlastet (29,4 Prozent) oder nicht engagiert (17,4 Prozent). Wie die Dunkelfeldstudie außerdem zeigte, machten sich Anstrengungen für mehr Sicherheit im Nahverkehr offenbar bezahlt. Der Anteil der Befragten, der angab, abends öffentliche Verkehrsmittel zu meiden, sank binnen zwei Jahren von 20,5 auf 13,8 Prozent. 

Den Erfolg bei der Bekämpfung von Wohnungseinbrüchen schrieb der Innenminister unter anderem der im Oktober 2016 eingesetzten „Zentralen Ermittlungsgruppe Wohnungseinbruchdiebstahl" zu, bei der mehrere Bundesländer sowie die Niederlanden und Belgien zusammenarbeiten. Auch das Pilotprojekt zur digitalen Vorhersage von Einbrüchen in Salzgitter, Peine, Wolfenbüttel, Wolfsburg, Osnabrück und Hannover sei erfolgreich.

- dpa

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