Auslaufmodell Dorfschule?

Zahl der Grundschulen weiter rückläufig

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Die Zahl der Grundschulen in Niedersachsen ist weiter rückläufig. Foto: Daniel Reinhardt/Archiv

Hannover - Von Berit Böhme. Die Schülerzahlen sind seit Jahren rückläufig. Immer mehr kleinen Grundschulstandorten in Niedersachsen droht das Aus.

Traurig rollen die Mitglieder der Initiative „Unser Lilienthal - unsere Grundschulen“ ihre selbstgemalten Transparente zusammen. „Das war's“, seufzt eine Mutter und streicht ihrem Sohn tröstend über den Haarschopf. Gerade hat der Gemeinderat das Aus für zwei der fünf Grundschulstandorte besiegelt. Die Schulpolitik in der zum Landkreis Osterholz gehörenden Kommune ist kein Einzelfall. Angesichts rückläufiger Schülerzahlen und klammer Kassen bangen in Niedersachsen viele kleine Dorfschulen um ihre Existenz.

Die Zahl der Grundschulen ist seit Jahren rückläufig. Derzeit sind es nach Angaben des Kultusministeriums knapp 1700, 2005 waren es mehr als 1800. „Über die Gründung und Aufhebung von Schulen entscheidet der Schulträger in eigener kommunaler Zuständigkeit“, sagt Ministeriumssprecherin Susanne Schrammar. Laut „Verordnung für die Schulorganisation“ soll die Primarstufe mindestens einzügig geführt werden, mit 24 Schülern pro Jahrgang. In Ausnahmefällen sind jahrgangsübergreifende Kombiklassen möglich.

Eine einheitliche Zukunftsstrategie für Dorfschulen gibt es nicht. Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) Niedersachsen wirbt für „dreizügige Grundschulen mit multiprofessionellen Teams“, Sozial- und Sonderpädagogen inklusive. Pauschal anwendbar sei das dreizügige Modell im Flächenland Niedersachsen jedoch nicht, räumt der Vorsitzende Eberhard Brandt ein. „Die Lage ist regional sehr unterschiedlich. Man muss gucken, wie isoliert ein Standort ist.“ Eva Osterhues-Bruns vom Verband der Grundschulen Niedersachsen wirbt für die Kooperation kleiner Schulen. So könnten auch kleine Einrichtungen den stetig steigenden Anforderungen gerecht werden.

Nicht nur sinkende Schülerzahlen machen Dorfschulen zu schaffen. Auch Lehrer sind Mangelware. „Grundsätzlich ist eine sinkende Nachfrage von Bewerbern bei Angeboten in ländlichen Regionen festzustellen“, heißt es aus dem Kultusministerium. „Den Typ des Dorfschullehrers gibt es nicht mehr, der ist ausgestorben“, ergänzt Eberhard Brandt. Im Gegensatz zu früher seien auch an Grundschulen Fachlehrer vonnöten. „Eierlegende Wollmilchsäue, das macht keiner mehr.“

„Schulen sind für viele Kommunen ein harter Standortfaktor“, gibt Stefan Bredehöft vom Landeselternrat (LER) zu bedenken. „Es gibt Kleinststandorte, die super funktionieren. Es klappt, wenn man im Dorf eine gesunde Sozialstruktur hat.“ Der LER fordert einen Diskurs über Bildungsqualität. Kommunalpolitiker müssten ihr Kirchturmdenken zugunsten von Kooperationen revidieren.

Mancherorts scheitern die Schließungspläne am massiven Widerstand der Bevölkerung. So wie 2012 im Langelsheimer Ortsteil Wolfshagen (Kreis Goslar). Eltern und Geschäftsleute taten sich zum Aktionsbündnis „Lasst die Grundschule in Wolfshagen“ zusammen und überzeugten die Ratsmehrheit. Nun wird die Grundschule zur Naturschule weiterentwickelt. Die Projekte reichen vom Waldklassenzimmer über den Kräutergarten bis hin zum schuleigenen Bienenstand. Bündnissprecher Heiko Schneider schätzt das familiäre Miteinander. „Man weiß über jedes Kind Bescheid, da fällt kein Kind hinten runter.“

dpa

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