2G-Plus war der Killer

Weihnachtsmärkte in Niedersachsen: „So traurig war es noch nie“

Auf einem Weihnachtsmarkt Glühwein trinken, war in diesem Jahr mit einigen Hürden wie 2G-plus verbunden.
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Auf einem Weihnachtsmarkt Glühwein trinken, war in diesem Jahr mit einigen Hürden wie 2G-plus verbunden.

Die Saison der Weihnachtsmärkte geht zu Ende. Das Fazit der Veranstalter und Schausteller fällt wenig überraschend aus: katastrophal.

Hildesheim/Bremen - „So traurig war‘s noch nie“, sagt Olaf Helmens und blickt auf sein Kinderkarussell. Seit 40 Jahren steht der 66-Jährige mit seinem Fahrgeschäft auf dem Hildesheimer Weihnachtsmarkt. Seine Erwartungen sind trübe: Bisher sieht es so aus, als würde er nicht mal die Hälfte des Umsatzes aus dem Vor-Corona-Jahr 2019 erwirtschaften. „2G plus war der Genickbruch“, sagt Helmens. Für Gastronomie und Fahrgeschäfte gilt auf den Weihnachtsmärkten in Niedersachsen die 2G-plus-Regelung. Betroffen davon waren alle weiteren Weihnachtsmärkte im Land. In Oldenburg gingen schon zum 2. Advent die Lichter aus.

BundeslandNiedersachsen
Fläche47.614 km²
Bevölkerung7,982 Millionen (2019)
MinisterpräsidentStephan Weil (SPD)

Auch in Verden hat es irgendwann keinen Sinn mehr gemacht. Durch die verschärften Corona-Regeln hatte kaum noch jemand Zugang zu den Buden für Speisen und Getränke auf dem Weihnachtsmarkt. Der Umsatz brachte nichts mehr ein. Um nicht noch mehr ins Minus zu geraten, zogen die Marktbeschicker unter dem Schirm des Vereins Veranstaltungen für Verden die Konsequenzen. Viele kleinere Weihnachtsmärkte, die nur für einen Tag oder ein Wochenende geplant waren, fielen komplett aus.

Weihnachtsmarkt: 2G Plus war der Genickbruch

Am Würstchenstand auf dem Hildesheimer Weihnachtsmarkt sind an diesem trüben Dezembertag nur wenige Leute. „So einen ruhigen Weihnachtsmarkt hatten wir noch nie“, sagt Verkäufer Mike Witte. Schlimm findet er vor allem, dass er täglich von wütenden Kunden beschimpft wird, die die strengen Maßnahmen ablehnen. Wegschicken kann der Würstchenverkäufer sie aber nicht – er ist ja auf ihr Geld angewiesen.

Rosemarie Kappe steht mit ihrem Stand hinter dem Hildesheimer Rathaus. Sie verkauft Backschinken, Schupfnudeln und Sauerkraut. Trotz des bescheidenen Umsatzes ist sie froh, überhaupt geöffnet haben zu dürfen. Viele Kunden seien dankbar, berichtet die 59-Jährige. Der Weihnachtsmarkt endet dort am 22. Dezember.

Die Lage ist brenzlig bis katastrophal

Kevin Kratzsch, Vorsitzender Schaustellerverband Niedersachsen

Der Schaustellerverband Niedersachsen berichtet, dass viele Standbetreiber wegen der strengen Corona-Regeln auf den Märkten erhebliche finanzielle Einbußen erlitten haben. Im Vergleich zu 2019 erwirtschafteten seine Kollegen im Schnitt derzeit nur 15 bis 20 Prozent des Umsatzes, sagt Vorsitzender Kevin Kratzsch. „Die Lage ist brenzlig bis katastrophal.“ Die 2G-plus-Regelung mache einen spontanen Weihnachtsmarktbesuch schwierig, kritisiert Kratzsch. Er vermutet auch, dass viele Menschen aus Angst dieses Jahr lieber zu Hause bleiben und auf einen Glühwein in stimmungsvoller Runde verzichten.

Nachdem in der Pandemie viele Veranstaltungen und traditionelle Volksfeste abgesagt wurden, hätten die Schausteller diesmal für die Weihnachtsmärkte viel Aufwand und Geld investiert, um ihre Stände aufzubauen, Personal einzustellen und Ware einzukaufen, sagt Kratzsch. Inzwischen hätten diverse Städte aber beschlossen, ihre Märkte vorzeitig zu schließen, etwa in Osnabrück, Hameln und Göttingen. „Viele meiner Kollegen sind schier verzweifelt.“ In Göttingen gab immerhin noch den Göttinger Drive-In-Wintermarkt.

Weihnachtsmarkt 2021: Oft ein Minusgeschäft

Für die Standbetreiber in Hannover ist der diesjährige Weihnachtsmarkt nach seinen Worten sogar eher ein Minusgeschäft. Trotzdem seien die viele Kollegen froh, dass sie im Gegensatz zu anderen Städten in Niedersachsen nicht schließen müssten, berichtet der Vorsitzende des Schaustellerverbandes. Seine Kollegen haben aus seiner Sicht auch einen emotionalen Auftrag: Den Menschen Freude zu bringen.

Auch der Bremer Weihnachtsmarkt hat trotz Corona geöffnet. Schon seit vielen Jahren hat dort umrahmt vom historischen Rathaus, der Roland-Statue und der Bürgerschaft, eine Bürstenmacherei ihren Stand. Spülbürsten in allen Größen, Nagelbürsten, Massagebürsten, spezielle Ziegenhaar-Jalousienbürsten, auch Holzlöffel und viele andere Utensilien sind in kleine übersichtliche Kistchen sortiert oder baumeln an einer Schnur. „Das ist immer meine schönste Zeit“, freut sich Inka Stratmann über ihren jährlichen Weihnachtsmarkt-Einsatz.

Weihnachtsmarkt in Bremen fiel 2020 in Wasser

2020 fiel der Bremer Weihnachtsmarkt ganz aus. Und auch in diesem Jahr ist nicht wirklich viel los. Die Lage sei schlimm, sagt Inka Stratmann. „Ich habe noch nie so viel gesessen“, sagte die Verkäuferin, die den Kunden gerne die verschiedenen Bürstentypen zeigt und auf Deutsch und Englisch erklärt. „Vielleicht ein Drittel des Umsatzes“, schätzt sie im Vergleich zu 2019.

Sie lobt aber, dass alle Kunden sehr einsichtig und diszipliniert beim Einhalten der Corona-Regeln seien. Zu Beginn mussten die Impfnachweise inklusive Personalausweis noch an den Ständen geprüft werden. Die Stadt hat aber nachgebessert und inzwischen wird die 2G-Vorgabe zentral kontrolliert und mit einem kleinen Bändchen dokumentiert.

Betroffen davon war auch der Schlachte-Zauber. „Es fehlen die Touristen“, sagt Susanne Keuneke, Vorsitzende des Vereins der Schausteller und Marktkaufleute Bremen. Ein Weihnachtsmarkt, der ebenfalls durchgehalten hat, ist der in Weyhe. Allerdings führte die 2G-plus-Regel ebenfalls zu deutlichen Besucherrückgängen. (Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de, ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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