Große Sorge vor erneutem Lockdown

Weihnachtsferien 2021 in Gefahr: Wohin darf man trotz Corona noch reisen?

Die vierte Corona-Welle hat auch Niedersachsen erwischt. Sind angesichts der steigenden Infektionszahlen überhaupt noch Reisen in den Weihnachtsferien möglich?

Borkum/Lüneburg/Goslar – Die Zahl an Corona-Neuinfektionen nimmt zu, die Sieben-Tage-Inzidenz bleibt konstant hoch. Dies zwingt die Bundesländer dazu, ihre Pandemie-Regeln zu verschärfen. Ein Beispiel hierfür ist die neue Corona-Verordnung in Niedersachsen, welche die Zügel straffer zieht. Sind vor diesem Hintergrund Reisen in den Weihnachtsferien 2021 vertretbar und generell möglich?

Deutsches Land:Niedersachsen
Fläche:47.614 km²
Bevölkerung:7,982 Millionen (2019)
Hauptstadt:Hannover

Weihnachtsferien 2021: Welche Reiseziele sind in Niedersachsen trotz Corona noch buchbar?

Ob Weihnachtsferien im Harz, in der Heide oder an der Küste – viele Urlauber zögern noch mit dem Buchen ihres Urlaubs in Niedersachsen. Das Infektionsgeschehen nimmt unmittelbaren Einfluss auf das Weihnachtsgeschäft im Einzelhandel, trifft aber auch die Tourismusbranche enorm – und das zum wiederholten Male.

Stürmische Brise auf Norderney – und auch stürmische Zeiten für die Tourismusbranche in Niedersachsen? Die Coronavirus-Krise macht einige Regeln notwendig. (Symbolbild)

Am Donnerstag, 23. Dezember 2021, starten die Weihnachtsferien in Niedersachsen. Bis einschließlich zum 7. Januar 2022 haben schulpflichtige Kinder die Möglichkeit, abzuschalten, Zeit mit ihrer Familie zu verbringen und das im Optimalfall in Verbindung mit einer Reise. Doch überwiegt in vielen Haushalten die Vernunft – und mancherorts gehen schon Stornierungen für bereits geplante Aufenthalte ein.

Dies hat eine Umfrage der dpa bei mehreren Tourismusverbänden im Land ergeben. Die Sommer- und Herbstsaison hätte zwar Corona-bedingt spät begonnen, sei jedoch sehr gut gebucht gewesen. Teilweise konnten bis zu 100 Prozent Auslastung verzeichnet werden. Doch droht der Aufschwung im niedersächsischen Tourismus nun wieder abzuflachen.

Ostfriesische Inseln: Solide Situation auf Borkum – Stagnation und Stornierungen auf Norderney und Spiekeroog

Laut der dortigen Marketinggesellschaft sei die Buchungslage auf den Ostfriesische Inseln solide. „Natürlich kommt es auf den Inseln vereinzelt zu Stornierungen oder Umbuchungen aufgrund der aktuellen Infektionslage. Insgesamt verzeichnen wir für die Wintersaison aber eine solide Buchungslage“, heißt es von Göran Sell, dem Geschäftsführer der Ostfriesischen Inseln GmbH.

Je nach Insel gestaltet sich die konkrete Situation jedoch unterschiedlich. Borkum beispielsweise meldet derzeit kein rückläufiges Buchungsverhalten, es seien gar noch einige freie Unterkünfte vorhanden. Demgegenüber stehen Norderney und Spiekeroog, wo die Buchungen stagnieren und es teilweise auch bereits Stornierungen gegeben hat.

„Die Gäste warten aktuell die weitere Entwicklung ab, bevor fest gebucht wird“, sagt Wolfgang Lübben von der Staatsbad Norderney GmbH. Grundsätzlich sind Urlaube an der Nordsee weiterhin möglich. Doch seien viele Gäste angesichts der steigenden Zahl an Corona-Neuinfektionen auch vorsichtiger geworden.

Touristen warten mit Buchen ihres Urlaubs ab: Neues Bund-Länder-Treffen sollte Klarheit geben

Eine Feststellung, die auch der Tourismusverband Nordsee mit Zuständigkeit für Tourismusorte an der Küste teilt. „Was wir leider beobachten, und das spiegeln unsere Orte auch wider, ist, dass es schon einige coronabedingte Absagen gibt. Die Leute sind doch ein bisschen unsicher, ob sie reisen sollen oder nicht“, sagt Geschäftsführerin Sonja Janßen.

Einerseits sei festzuhalten, dass ungeimpfte Urlauber weniger reisen. Andererseits würden aber auch Geimpfte und Genesene von Buchungen zurückweichen. „Da können wir bereits einen Trend erkennen. Möglicherweise gibt es auch noch eine Abwartungshaltung“, sagt Janßen mit Blick auf den 9. Dezember. An diesem Datum soll das nächste Bund-Länder-Treffen erfolgen. Es geht um die Überprüfung, ob die Maßnahmen des neuen, geänderten Infektionsschutzgesetzes ausreichen.

Sollte auf politischer Ebene für einen Lockdown, wie ihn bereits Top-Virologen des Landes fordern*, plädiert werden, wären Reisen im Rahmen der Weihnachtsferien obsolet. Dies ist gegenwärtig in Niedersachsen noch möglich, nach Inkrafttreten der neuen Corona-Verordnung jedoch nur unter Einhaltung der 2G-Regel.

2G-Regel verschafft Tourismusbranche in Niedersachsen mehr Sicherheit

Mit besagter 2G-Regel, die zwingend einen Impf- oder Genesenennachweis der Urlauber erforderlich macht, sei mehr Sicherheit gegeben. Das erklärt Sonja Janßen. Die Überprüfung würde jedoch vor allem Ferienhausvermieter aus Nordrhein-Westfalen, die ihre Unterkünfte an der Küste eben nicht über Agenturen vermieten, vor große Herausforderungen stellen.

Immerhin: zu Umbuchungen oder gar Absagen würden die verschärften Corona-Regeln mit 2G nach Angaben der Touristiker nur wenig führen. „Der Großteil unseres Klientels war bereits im Sommer vollständig geimpft, so dass die Anzahl an Stornierungen von ungeimpften Gästen marginal sein sollten“, heißt es in diesem Kontext von Mirko Schwerdtfeger von der Nordseebad GmbH.

Urlaub in der Lünebürger Heide über die Weihnachtsferien: „Die Buchungen stehen alle“

Doch sind es nicht nur beliebte Urlaubsziele an der Küste, die während der Weihnachtsferien von Familien besucht werden, die sich zur Thematik äußern. „Wir hatten den Sommer über gut 80 Prozent 2G schon in den Hotels, ohne dass das verpflichtend war“, sagt Ulrich von dem Bruch, Geschäftsführer der Lüneburger Heide GmbH.

Zuletzt seien Urlauber mit einem negativen Testnachweis eh schon weniger gereist. Das Problem liegt vielmehr woanders. Denn aufgrund der 2G-Regel müssten Firmen Weihnachtsfeiern in der Gastronomie absagten. „Da stecken manchmal auch ein paar Übernachtungen hinter - davon wird gerade viel abgesagt“.

Für Silvester würde die Buchungslage in der Lüneburger Heide aber schon ordentlich aussehen. „Die Buchungen stehen alle. Da kommt auch kein Storno rein“, sagt Ulrich von dem Bruch. In dieser Hinsicht seien vor allem kleinere Hotels und Ferienhäuser besonders gefragt. Wer spontan buchen wolle, würde auch noch etwas finden.

„Wir haben Sorge vor einem erneuten Lockdown“: Harzer Tourismusverband hofft auf Effektivität von 2G

Und wie verhält es sich mit dem Harz, der nicht zuletzt im Rahmen der Weihnachtsferien als beliebtes Urlaubsziel gilt? Hier hoffen Touristiker und Skilift-Betriebe auf eine gute Skisaison. „Eine große Stornowelle gibt es bisher nicht, aber eine gewisse Zurückhaltung ist zu spüren“, heißt es von Carola Schmidt.

Die Geschäftsführerin des Harzer Tourismusverbandes (HTV) spricht explizit über Stornierungen in Goslar, wo der Weihnachtsmarkt abgesagt wurde. Doch seien auch schon wieder neue Buchungen hinzugekommen. Nichtsdestotrotz macht Schmidt keinen Hehl aus ihrer größten Befürchtung:

Wir haben Sorge vor einem erneuten Lockdown. Wir hoffen, dass überall wo nun 2G angewandt wird, sich herausstellt, dass diese Regelung wirkt.

Carola Schmidt, Geschäftsführerin des Harzer Tourismusverbandes (HTV), spricht über ihr Gewerbe vor dem Hintergrund der Coronavirus-Krise

2G auf den ostfriesischen Inseln: Touristen erhalten Armbänder zum Nachweis

Die Ungewissheit vor dem weiteren Infektionsgeschehen und den damit verbunden Folgen für die Tourismusbranche wie in Niedersachsen bleibt also bestehen. Da nur sehr unsicher geplant werden kann, wurden auf den Ostfriesischen Inseln bereits viele Veranstaltungen abgesagt oder zumindest verschoben. Weihnachtskonzerte, aber auch das beliebte Neujahrsbaden fallen somit aus.

Wenn es möglich ist, setzen Kurverwaltungen auf die 2G-Regel. „Aktuell laufen Vorbereitungen, damit allen Gästen auf der Fähre ein Armband ausgegeben wird, die sie als geimpft oder genesen kenntlich macht“, heißt es vom Staatsbad Norderney. Ein Konzept, das bereits bei den Corona-Regeln auf Weihnachtsmärkten* praktiziert wird. Auf den Inseln sollen hiermit alltägliche Abläufe wie Einkäufe, Badehaus-Besuche und der Eintritt zu möglichen Veranstaltungen erleichtert werden.

Corona-Regeln im Supermarkt, Discounter oder bei körpernahen Dienstleistungen wie ein Besuch beim Friseur

Nicht ganz alltäglich ist hingegen das ganz spezielle Weihnachtshaus mit 60.000 Lichtern in Delmenhorst*, das mit seinem Lichtermeer die Weihnachtszeit 2021 ganz besinnlich einläutet. Hier lässt sich unter freiem Himmel das Spiel aus Farben möglichst coronakonform bestaunen.

Derweil kommen mit den steigenden Inzidenz-Zahlen wieder schärfere Corona-Regeln beim Friseur auf Besucherinnen und Besucher zu. In Niedersachsen gilt beim Friseur-Besuch momentan die 2G-Regel, wodurch nur Geimpfte und Genesene Zutritt zum Friseurgeschäft ihrer Wahl bekommen. Ob das 2G-Modell auch eine Option für die Corona-Regeln in Supermärkten bedeuten? Diverse große Discounter- und Supermarktketten, darunter Aldi, Edeka, Lidl und Rewe, haben über ihre Meinung und zukünftige Maßnahmen zu den Corona-Regeln im Supermarkt bereits informiert. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Janis Meyer/imago images

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