Grenzen der Kreativität

Weihnachtsdeko an Fenster und Balkon: Was Mieter alles dürfen und was nicht

Noch wenige Tage bis zum 1. Advent. Zur (Vor-) Weihnachtszeit wird das Zuhause dekoriert. In Wohnung und Mietshaus ist vieles erlaubt, aber eben nicht alles.

Calle - Von elegant bis kitschig - Festtagsdekoration ist nicht für jeden Geschmack. Und jetzt, wo Weihnachten immer näher rückt, werden Lichterketten, Adventsgestecke, blinkende Rentiere oder bunt-leuchtende Weihnachtsmänner wieder ausgepackt. Das wohl spektakulärste Weihnachts-Deko-Haus steht in Calle bei Hoya/Weser. Während der Hausbesitzer niemanden fragen muss, haben Mieter es nicht so einfach. Sie können sogar haftbar gemacht werden.

Weihnachtshaus in Calle

CalleGemeinde Bücken (Samtgemeine Hoya)
Einwohner Bücken2121 (2020)
Landkreis Nienburg
Internethoya-weser.de

Wollen Mieter ihre Wohnung weihnachtlich schmücken, ist ihrer Kreativität kaum eine Grenze gesetzt. Draußen sieht es schon ganz anders aus. Denn Nachbarn müssen es zum Beispiel nicht hinnehmen, dass sie von grell blinkenden Lichtspielen wie in Hamburg um den Schlaf gebracht werden. Was wo erlaubt ist - und was nicht im Überblick:

- Treppenhaus: Das Treppenhaus in einem Mehrfamilienhaus zählt zu den Gemeinschaftsräumen. Was dem einen Mieter gefällt, kann den anderen stören. „Es sind also Toleranz und gegenseitige Rücksichtnahme geboten“, sagt Rolf Janßen, Geschäftsführer DMB Mieterschutzverein in Frankfurt am Main. Generell sollten Mieter das Treppenhaus von sperrigen Dekorationen, etwa einem Tannenbaum, frei halten. „Sie könnten im schlimmsten Fall Fluchtwege versperren“, erklärt Julia Wagner vom Eigentümerverband Haus und Grund Deutschland in Berlin.

Auch Duftkerzen oder Räuchermännchen sollten Mieter lieber nicht ins Treppenhaus stellen, rät Wagner. Sie könnten die Nachbarn über Gebühr stören. Übliche Dekoration, wie etwa ein Kranz an der Haustür, sei aber erlaubt. „Den müssen auch Weihnachtsmuffel dulden“, so Wagner.

Weihnachtsdeko an der Hauswand

- Hausfassade: Die Hausfassade ist nicht unmittelbarer Bestandteil der Mietsache. „Ein Recht zur Mitbenutzung der Hausfassade besteht daher regelmäßig nicht“, erklärt Rolf Janßen. Daher sollte ein Mieter sowohl den Vermieter als auch die anderen Hausbewohner fragen, ob es gestattet ist, Weihnachtsdeko wie etwa einen kraxelnden Weihnachtsmann an der Hausfassade anzubringen. Wichtiger Punkt: „Auch wäre hierbei zu beachten, dass keine Beschädigungen an der Fassade, etwa durch Dübellöcher, entstehen“, sagt Janßen. Denn für diese Beschädigungen müssten Mieter im Zweifel selbst aufkommen.

- Balkon: Den Innenraum ihres Balkons können Mieter ohne weiteres mit einer Lichterkette behängen. „Dies gehört zur üblichen Nutzung der Wohnung“, stellt Julia Wagner klar. Erst wenn die Beleuchtung zu starke Auswirkungen auf die Nachbarn hat, können Mieter - und auch jeder Eigentümer - gezwungen sein, diese abzumontieren, zu dimmen oder ab einer bestimmten Uhrzeit abzustellen.

„Das hängt regelmäßig davon ab, wie stark der Rest der Umgebung geschmückt und beleuchtet ist, sich die Dekoration also einpasst“, so Julia Wagner. Von Dekorationen, die sich außerhalb der Wohnung, etwa am Balkon befinden, darf keine Verletzungsgefahr ausgehen. Sie müssen sicher befestigt sein. In Delmenhorst musste ein Weihnachtshaus abgeschaltet werden.

Mieter dürfen sich mit Weihnachtsmännern, Lichterketten und sonstigem Schmuck austoben - aber es gibt auch Grenzen.

- Wohnungstür/Fenster: Grundsätzlich dürfen Mieter an der Wohnungstür und an den Fenstern der Wohnung Weihnachtsdeko anbringen. „Das Anbringen darf nur nicht zu Schäden an Wohnungstür beziehungsweise Fenstern führen“, sagt Rolf Janßen.

- Innerhalb der Wohnung: Bei der Gestaltung ihrer Wohnung haben Mieter großen Spielraum. „Hierzu gehört auch das Anbringen von Weihnachtsdeko“, sagt Janßen.

Das Recht des Mieters auf individuelle Gestaltungsfreiheit finde seine Grenzen, wenn die Gefahr besteht, dass die Wohnung durch die Nutzung Schaden erleidet. So ist etwa bei der Dekoration von Weihnachtsbäumen zu beachten, dass durch den Einsatz von Wunderkerzen eine erhöhte Brandgefahr bestehen kann.

Weihnachtsdeko: Mieter haben Sorgfaltspflicht

Grundsätzlich gilt: Mieter müssen vorsichtig sein. Wer zum Beispiel Wunderkerzen direkt am Weihnachtsbaum entzündet und dadurch ein Feuer verursacht, handelt grob fahrlässig. Auf ein entsprechendes Urteil des Landgerichts Offenburg (Az.: 2 O 197/02) weist Jutta Hartmann vom Deutschen Mieterbund (DMB) hin.

Keine schwere Sorgfaltspflichtverletzung und damit keine grobe Fahrlässigkeit lag nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt (Az.: 3 U 104/05) in folgendem Fall vor: Das Au-pair-Mädchen einer Familie hatte dem fünfjährigen Sohn eine Wunderkerze angesteckt. Der Junge lief damit direkt zum Weihnachtsbaum, der Feuer fing. Es entstand großer Brandschaden.

Vorsicht: Wunderkerzen können Brände verursachen.

Gerät ein Adventskranz in Brand und es kommt zu einem beträchtlichen Schaden in der Wohnung, ist es Sache der Gebäudeversicherung des Vermieters, für den Schaden aufzukommen. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (Az.: VIII ZR 67/06) gilt das zumindest, falls den Mietern nur einfache Fahrlässigkeit vorzuwerfen ist.

Was immer gilt: „Sicherheit geht vor Besinnlichkeit“, sagt Jutta Hartmann. Wer mit offenem Feuer hantiert, sollte nicht zuletzt im eigenen Interesse achtsam sein. Und Feuerlöscher und Wassereimer sind idealerweise für solche Fälle stets griffbereit. Auch fürs Büro gelten zu Weihnachten besondere Spielregeln. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Maja Hitij (dpa)

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