Lockdown möglich

Weihnachten 2021: Friedliche Stimmung trotz Corona unterm Tannenbaum

Dieses Jahr sollte Weihnachten so sein wie immer, mit fröhlichen Familienfeiern. Doch Corona bestimmt auch 2021 die Spielregeln.

Hannover – Wie viele Menschen dürfen sich unter welchen Bedingungen (1G, 2G, 2G-Plus oder 3G) treffen, um gemeinsam Weihnachten zu feiern? Letztes Jahr gab es da klare Vorgaben. Mit der Möglichkeit zur Impfung ist die Situation dieses Jahr eine andere. Die verschiedenen Optionen sollten im Familienkreis klar kommuniziert werden. So der Tipp von Experten.

BundeslandNiedersachsen
Fläche47.709,82 Quadratkilometer
Einwohner8.003.421 (Stand: 31. Dezember 2020)
MinisterpräsidentStephan Weil (SPD)

Weihnachten ist zwar erst in rund sechs Wochen. Doch ein Lockdown über die Feiertage ist mit den steigenden Inzidenzen wieder in greifbare Nähe gerückt. Er sei nicht auszuschließen „wenn wir so weitermachen wie bisher“, sagte der Virologe Stephan Ludwig von der Universität Münster im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Die gute Nachricht: Ein Lockdown sei noch vermeidbar, bleibe aber im Bereich des Möglichen, so der Experte. Egal was Wissenschaftler sagen, es bleibt eine politische Entscheidung.

Corona und Weihnachten 2021: Wie kommt es zu einer harmonischen Feier

Ein mögliches Szenario in deutschen Stuben könnte so aussehen: Die Oma ist vielleicht geimpft, das kleine Enkelkind nicht. Dem Neffen gehen die ganzen Vorsichtsmaßnahmen auf die Nerven, dagegen glaubt die Tante, man könne nicht vorsichtig genug sein. Wie also das Fest der Familie begehen, sodass es allen gut geht damit?

Auf jeden Fall sollte man im Vorfeld darüber sprechen, sagt die Limburger Familientherapeutin Sabine Ungeheuer. „Es muss ausgesprochen werden: ‚Wenn wir zusammenkommen, was brauchst du für dich, was brauche ich für mich?‘“ Achtung: In so ein Gespräch gehören nicht die unterschiedlichen Ansichten oder Argumente für oder gegen das Impfen. Sondern es geht darum, wie eine gemeinsame harmonische Feier gestaltet werden kann.

Corona-Test an Weihnachten: Derjenige, der am vorsichtigsten ist, muss die Regeln bestimmen

Für den Berliner Psychotherapeuten Wolfgang Krüger gilt dabei: „Derjenige, der am vorsichtigsten ist, muss die Regeln bestimmen.“ Das heißt, es wird auf die Schwächsten Rücksicht genommen. Und das müssen nicht unbedingt die Ältesten und Kränksten in der Familie sein, sondern das können auch die ungeimpften Kinder sein, um die sich Eltern vielleicht Sorgen machen.

Zum Glück gebe es ja die Möglichkeit des Testens, meint Sabine Ungeheuer. „Jeder kann sich für den gemeinsamen Abend oder sogar drei Tage vorher jeweils testen.“ Testen sei das Minimum und könne wirklich jedem zugemutet werden - vom Überängstlichen bis zur Coronaleugnerin. „Das ist so eine kleine Sache, da kann man sich entgegenkommen.“

Unfangreiche Corona-Tests für Kinder zum Weihnachtsfest

Manche Eltern überlegen vielleicht, ihr Kindergartenkind schon ein paar Tage vor der geplanten Familienfeier zu Hause zu lassen. In so einer Situation eine legitime Maßnahme, findet Wolfgang Krüger. Sabine Ungeheuer gibt allerdings zu bedenken: „Dann müssen das schon wieder die Kinder tragen.“ Sie plädiert daher vor allem für umfangreiches Testen im Vorfeld.

Familienmitglieder treffen sich für ein Festessen an Weihnachten im engsten Kreis. Die Corona-Situation kann für Strit sorgen.

Ist das gemeinsame Ziel, an Weihnachten zusammen zu sein, lassen sich praktikable Lösungen finden, die für alle tragbar sind, glaubt Familientherapeutin Sabine Ungeheuer. Dieses Ziel ist dann wichtiger als die unterschiedlichen Überzeugungen, mit denen sich Eltern, Kinder und Co gegenseitig stehen lassen sollten.

Streitthema Corona an Weihnachten 2021 – „Sätze wie ‚Das stimmt doch gar nicht‘ sind immer destruktiv.“

Nicht erst seit Corona gibt es ja innerhalb von Familien brisante Themen. „Die Oma, die es schrecklich findet, dass der Enkel aus der Kirche ausgetreten ist“, sagt Ungeheuer, „oder der Onkel, der Antialkoholiker ist, und nun soll an Weihnachten Alkohol getrunken werden.“ Schnell können dann auch bei der Feier solche heißen Eisen die Stimmung verderben. Wer beim Familientreffen sachlich diskutieren kann und möchte, sollte in Sachen Corona aufpassen, dem anderen keine Falschinformation vorzuwerfen. „Sätze wie ‚Das stimmt doch gar nicht‘ sind immer destruktiv.“

So sieht es auch Wolfgang Krüger: „Wo ich etwas als meine persönliche Meinung kundtue, ohne den Anspruch auf Wahrheit zu erheben, ist das für den anderen eher verdaulich.“ Denn die eine Wahrheit gebe es auch in der Corona-Diskussion nicht.

Wurden schon alle Argumente ausgetauscht, kann man es einfach dabei belassen

Sabine Ungeheuer, Familientherapeutin

Kommt es bei dem Thema aber immer wieder zum Knall, sollte man es unterm Weihnachtsbaum besser meiden. „Wurden schon alle Argumente ausgetauscht, kann man es einfach dabei belassen“, sagt Sabine Ungeheuer. „Lass du mir meine Haltung und ich lasse dir deine“, bringt sie eine gute Einstellung auf den Punkt. „Wo wir als Familie zusammenkommen, lass uns schauen, dass wir uns miteinander wohlfühlen.“

Tretminen wie Corona an Weihnachten 2021 vermeiden

Was aber, wenn sich etwa der Schwiegersohn oder die Cousine nicht daran halten, sondern immer wieder auf heikle Punkte zurückkommen? „Schwierig wird es, wenn einer oder mehrere meinen, sie müssten die ganzen kleinen Tretminen ansprechen“, sagt Krüger. Dann gingen die anderen meist automatisch in die Offensive und man habe sich schnell in der Wolle.

„Aussteigen“, lautet Krügers Tipp. In manchen Situationen gebe es nur die Grundregel: Klappe halten. „Da muss ich auch an Weihnachten wissen, wann der richtige Zeitpunkt ist, wo ich lieber in die Küche gehe und abwasche.“ Was nach Krügers Erfahrung auch immer funktioniert: „Sie können, wenn die Gespräche schwierig sind, mit völlig anderen, absurden Fragen dazwischen grätschen.“

An Weihnachten über Glück und nicht über Corona sprechen

Entgleite die Situationan Weihnachten 2021, könne man zum Beispiel in die Runde fragen: „Was war die schönste Situation in eurem Leben?“ Oder vorschlagen: „Wir sollten mal darüber diskutieren, was eigentlich Glück bedeutet.“ Das passe überhaupt nicht und erstaune alle, unterbreche aber gerade deshalb die Spirale.

Nicht nur an Weihnachten halten Familien zusammen, so Psychotherapeut Wolfgang Krüger.

Dass es wegen Corona so sehr knallt, dass die Familie auseinanderbricht, hält der Psychotherapeut für selten. Auch wenn es oft massive Meinungsverschiedenheiten und Konflikte gibt, trennt man sich nicht. „Familien ticken anders als Freundschaften“, weiß Krüger. „Sie haben seit Jahrhunderten den Anspruch: Wir halten zusammen, auch wenn wir uns überhaupt nicht verstehen.“ In Krisenzeiten seien Familien daher immer ein stabiler Faktor gewesen.

Frohes Fest an Weihnachten genießen: „Familie hält immer zusammen“

Zwar komme es vor, dass sich Personen zurückziehen oder ausgegrenzt werden. Aber generell versuche man, trotz unterschiedlicher Haltungen immer einen gewissen Kontakt aufrechtzuerhalten. „Es gibt Konflikte, wo eine Freundschaft oder eine Partnerschaft längst gescheitert wäre, aber Familie hält immer noch zusammen“, sagt Krüger. „Das Band der Familie ist uns in gewisser Weise heilig. Dass in Familien ein endgültiger Bruch passiert, ist eigentlich sehr selten und dann sehr tragisch.“

In diesem Sinne eine Frohes Fest an Weihnachten 2021! * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Gaby Wojciech/ Imago

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