Auch Kinder in Prävention einbinden

Weibliche Salafisten im Fokus von Niedersachsens Sicherheitsbehörden

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Die Sicherheitsbehörden nehmen weibliche Islamisten in den Fokus.

Hannover - Unter der wachsenden Zahl der Islamisten in Niedersachsen befinden sich auch Frauen. Ihre Rolle wird zunehmend aktiver. Auch geben sie das salafistische Weltbild an ihre Kinder weiter. Was machen die Sicherheitsbehörden?

Die wachsende Zahl von Frauen unter den Salafisten macht den Sicherheitsbehörden in Niedersachsen Sorge. Frauen nämlich treten bei den radikalen Islamisten einerseits als Helfer und Mitorganisatoren auf, andererseits geben sie ihr salafistisches Weltbild an ihre Kinder weiter, wie der Verfassungsschutz mitteilte. 

Auf einer Tagung der Behörde am Dienstag diskutieren Experten über die Rolle, die Frauen in der radikal-islamischen Gruppierung einnehmen und wie sie durch Präventionsarbeit am besten erreicht werden können. Außerdem geht es darum, wie sich eine salafistische Erziehung auf Kinder auswirkt. 

Rund zehn Prozent der Salafisten ist weiblich

Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes liegt die Zahl der Salafisten in Niedersachsen derzeit bei 880, rund zehn Prozent davon sind Frauen. Die Rolle der Frauen im Salafismus müsse dabei einer differenzierten Betrachtung unterzogen werden. 

Die verkürzte Sicht auf salafistische Männer als „aktive Verteidiger des Islams und Kämpfer“ auf der einen Seite und auf Frauen, die passiv im Hintergrund die Erziehung und den Haushalt übernehmen, auf der anderen Seite, sei nicht haltbar. Auch Frauen könnten eine Radikalisierung unterstützen und vorantreiben.

Prävention bei Kindern in den Blick nehmen

Weil Familien gegründet werden, in denen das salafistisches Weltbild gelebt werde, sei eine Ausrichtung von Präventionsarbeit auch auf Kinder notwendig, so der Verfassungsschutz. Unter anderem kümmere sich die Kompetenzstelle Islamismusprävention in Niedersachsen (KIP NI), in der der Verfassungsschutz mitwirkt, um dieses Thema. 

Mit der Rolle der Frau im Salafismus beschäftigt sich die Präventionsstelle bereits seit längerem. Dabei geht es um die Prävention oder das Eingreifen der Behörden bei ganzen Familien mit Radikalisierungstendenzen sowie den Umgang mit radikalisierten Männern und Frauen, die aus den Kampfgebieten in Syrien oder dem Irak nach Niedersachsen zurückkehren.

Inobhutnahme der Kinder in der Diskussion

Angesichts einer steigenden Zahl gewaltbereiter Islamistenfamilien hatte Niedersachsen bereits Maßnahmen zum Schutz der Kinder bis hin zu einer Inobhutnahme in Erwägung gezogen. 

Gemeinsam mit Bayern leitet Niedersachsen eine Arbeitsgruppe, die Möglichkeiten der Kinder- und Jugendhilfe im Umgang mit Kindern aus islamistisch-radikalisierten Familien untersucht, hatte das Sozialministerium in Hannover vor einigen Wochen berichtet. 

Für Jugendämter sollen Empfehlungen zur Früherkennung, Prävention und nötigenfalls auch für Eingreifmaßnahmen erarbeitet werden. In Niedersachsen sind nach Polizeiangaben rund 15 Familien bekannt, bei denen die Behörden sich Sorgen um die Kinder machen. 

Kinder teils traumatisiert

Betroffen sind nach Behördenangaben sowohl die Kinder von hier lebenden Salafistenfamilien als auch die Kinder von Paaren, die nach einer Syrienausreise in ihre deutsche Heimat zurückkehren. „Die Kinder sind teilweise traumatisiert“, sagte ein Experte der dpa. 

„Sie haben dort Schlimmes erlebt.“ Von den aus Niedersachsen in die Gebiete der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aufgebrochenen Menschen sind inzwischen 34 zurückgekehrt, darunter 30 Männer, vier Frauen sowie mit ihnen neun Kinder.

dpa

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