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Wegen Ukraine-Krieg und Putin: Hannover will Schröder Ehrenbürgerschaft entziehen

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Von: Jan Knötzsch

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Die Kritik an Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder wegen seiner Nähe zu Wladimir Putin wächst. Nicht nur in der SPD. Sondern auch in „seiner“ Stadt. Die will reagieren.

Hannover – Gerhard Schröder macht sich aktuell nicht unbedingt beliebt. Logisch, es gibt Menschen, die seit jeher nicht viel vom ehemaligen Bundeskanzler halten – allein schon, weil sie politisch aus einem ganz anderen Lager kommen als der SPD-Politiker. Doch ist der inzwischen nicht nur außerhalb seiner eigenen Partei zu so etwas wie einer „Persona non grata“ (zu deutsch: unerwünschte Person) geworden, sondern auch innerhalb der SPD. Und auch in Hannover – die niedersächsische Stadt gilt als Heimat des Ex-Kanzlers – ist man auf den früheren Bundeskanzler nicht mehr gut zu sprechen.

Das geht so weit, dass die Stadt Hannover nun plant, Gerhard Schröder die Ehrenbürgerschaft zu entziehen. Der Auslöser sind die Position und das Verhalten des Altkanzlers, wenn es um seinen „Buddy“ Wladimir Putin und den Krieg in der Ukraine* geht.

Deutscher Politiker:Gerhard Fritz Kurt „Gerd“ Schröder
Geboren:7. April 1944 (Alter 77 Jahre), Mossenberg, Blomberg
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Ehepartnerin:So-yeon Schröder-Kim (verh. 2018)

Stadt Hannover: Geschäftliche Verbindung von Gerhard Schröder zu russischen Staatskonzernen nicht zu tolerieren

Der Verwaltungsausschuss der Stadt Hannover habe, so berichtet Spiegel online, die Einleitung eines Verfahrens beschlossen, an dessen Ende die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft des Ex-Bundeskanzlers stehen soll. Dies hat die Stadt Hannover offiziell mitgeteilt. In der Begründung der Stadt Hannover zu ihren Plänen, Gerhard Schröder schon bald die Ehrenbürgerschaft abzuerkennen, heißt es, dass „Altbundeskanzler Schröder durch seine andauernde geschäftliche Verbindung mit russischen Staatskonzernen die Werte und Ziele der Landeshauptstadt nicht mehr teilt“.

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder vor einer geöffneten Autotüre beim Spiel von Hannover 96 gegen Darmstadt 98.
Geht für ihn bald eine Türe in Hannover zu? Die Stadt Hannover will Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder – hier beim Spiel von Hannover 96 gegen Darmstadt 98 – die Ehrenbürgerschaft entziehen. © localpic/imago

Wie Spiegel online berichtet, soll Gerhard Schröder allerdings die Möglichkeit bekommen, noch eine Stellungnahme abzugeben, ehe darüber entschieden wird, ob dem Ex-Bundeskanzler wirklich die Ehrenbürgerschaft der Stadt Hannover entzogen wird. „Der Rat und die Stadt machen in Fragen der Ehrenbürgerschaft keine Schnellschüsse und treffen keine leichtfertigen Entscheidungen“, so Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne). Ein Entschluss darüber, ob die Stadt Hannover Gerhard Schröder wirklich die Ehrenbürgerschaft entzieht, soll auf einer Ratssitzung am 31. März 2022 fallen.

Entzieht Hannover Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder Ehrenbürgerschaft? An diesem Termin fällt die Entscheidung

So wie vielerorts ist auch der Stadt Hannover also die enge Verbindung zwischen Gerhard Schröder und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, den Schröder vor Jahren einmal als „lupenreinen Demokrat“ bezeichnet hat, ein Dorn im Auge. Zwar hat Schröder schon zu Beginn des Ukraine-Krieges erklärt, dass Russland diesen Krieg beenden müsse*, doch zu seiner Nähe zu Wladimir Putin macht der Altkanzler weiterhin ebenso wenige einen Hehl wie er sich bislang noch nicht dazu hat bewegen zu lassen, seine besagte „Verbindung mit russischen Staatskonzernen“ zu beenden. Aus diesem Grund droht Gerhard Schröder nicht nur in Hannover Ungemach.

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Zuletzt hatten mehrere Mitarbeiter Gerhard Schröder den Rücken gekehrt* – eben wegen dessen Beziehungen zu Putin und Russland, die der Ex-Kanzler partout nicht aufgeben will. In der SPD drängt die Parteispitze den „völlig isolierten“ Schröder zu einem Postenverzicht*. Zudem droht ihm bei der SPD der Parteiausschuss*, während Borussia Dortmund in Sachen Schröder bereits die berühmten Nägel mit Köpfen gemacht hat: Der Bundesligist hat dem Ex-Bundeskanzler die Ehrenmitgliedschaft entzogen. Auch SPD-Chef Lars Klingbeil und Niedersachens Ministerpräsident Stephan Weil haben deutliche Kritik an Gerhard Schröder geäußert.

Hannovers Oberbürgermeister bedauert, dass Schröder nicht in der Lage ist „Konsequenzen aus Putins Angriffskrieg zu ziehen“

„Ich bedauere, dass sich Gerhard Schröder nicht in der Lage sieht, die notwendigen persönlichen und geschäftlichen Konsequenzen aus Putins Angriffskrieg zu ziehen. Ich begrüße deshalb, dass sich die Ratspolitik grundsätzlich zur Ehrenbürgerschaft von Altkanzler Schröder positioniert hat“, so Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay. Damit werde der Verwaltungsvorgang zur Entziehung der Ehrenbürgerschaft „unmittelbar angestoßen“, so Onay in einer Mitteilung der Stadt Hannover.

Onay hatte Schöder zuvor bereits einen Verzicht auf die Ehrenbürgerschaft nahegelegt. Er lege dem Altkanzler nahe, zum einen die Abhängigkeit von Putin zu beenden, aber auch seine Ehrenbürgerschaft niederzulegen. Sein Verhalten entspricht nicht dem eines Ehrenbürgers“, sagte Onay. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.  

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