Niedersachsen Geldinstitute keine Ausnahme

Banken drehen wegen Niedrigzins zunehmend an Gebührenschraube

Hannover - Sparer bekommen auf Guthaben schon länger eher mickrige Zinsen. Auch Banken spüren die Nullzinspolitik der EZB. Jetzt drehen manche Geldhäuser an der Gebührenschraube: für bislang kostenlose Girokonten müssen Kunden bei immer mehr Instituten in die Tasche greifen.

Sparkassen und Banken stehen wegen der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zunehmend unter Druck. Mehrere Institute in Niedersachsen beginnen deshalb damit, Kontogebühren zu erhöhen oder kostenlose Girokonten abzuschaffen. Erst vor wenigen Wochen führte die Sparkasse Hannover Gebühren für das bis dahin kostenlose Online-Girokonto ein.

Auch die Sparkasse Göttingen hat die Kontogebühren schon im Februar erhöht. Die Volksbank Hannover plant diesen Schritt in den kommenden Wochen. Weil darüber hinaus den Angaben zufolge immer weniger Kunden Serviceangebote in den Filialen wahrnehmen, hat die Volksbank auch Filialen zusammengelegt oder ganz geschlossen.

Angesichts der Nullzinspolitik der EZB sind auch Zinsen für Kredite stark reduziert worden, an denen Geldinstitute verdienen. Der EZB-Rat beließ den Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld leihen können, zuletzt auf dem Rekordtief von null Prozent. Der Strafzins für Geld, das Finanzinstitute über Nacht bei der Notenbank parken, beträgt weiterhin 0,4 Prozent.

Sparkassen und Volksbanken überprüfen Kontomodelle 

"80 Prozent unserer Erträge stammen aus dem Zinsergebnis", sagte der Sprecher der Volksbank Hannover, Marko Volck. "Damit konnten wir bislang die Leistungen für ein kostenloses Girokonto quersubventionieren." Noch sei keine Entscheidung gefallen, doch bis Ende des Jahres werden die entsprechenden Angebote nach Volcks Einschätzung wegfallen.

Einen genauen Überblick darüber, welche der 46 niedersächsischen Sparkassen sich welche Modelle von den Kunden bezahlen lässt oder bestehende Preise erhöht, gibt es nicht. "Zur Stabilisierung der Ertragssituation ist eine Überprüfung der bestehenden Preise für Bankdienstleistungen aber unvermeidlich", sagte der Sprecher des niedersächsischen Sparkassenverbands, Michael Schier.

"Jeder muss in seiner Bank überlegen, wie er über Konditionengestaltung gegen die Ertragsverluste vorgeht, die ohne Zweifel da sind", heißt es beim Bundesverband Deutscher Volksbanken und Raiffeisenbanken. Und auch der Bundesverband deutscher Banken attestiert den niedersächsischen Privatbanken sinkende Erträge aus dem Zinsgeschäft.

Schon im vergangenen Jahr hatten die Banken angekündigt, dass Preise erhöht oder kostenlose Angebote wegfallen würden. Nun werden diese Warnungen nach und nach Realität - allerdings nicht überall. Bei den Sparkassen Lüneburg und Bremen etwa sollen die Preise den Angaben zufolge auf absehbare Zeit unangetastet bleiben. Weil dort schon seit jeher Gebühren anfielen, konnten die Rückgänge beim Zinsgeschäft bislang ausreichend abgefedert werden.

dpa

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