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Wegen Corona: Mehr Grundschüler in Niedersachsen mit starkem Übergewicht

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Von: Yannick Hanke

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Corona wirkt sich nicht nur auf die Psyche, sondern auch auf die Physis aus. Grundschüler in Niedersachsen beklagen im Rahmen der Pandemie starkes Übergewicht.

Hannover – Wissenschaftlich wurde bereits nachgewiesen, dass sich Kinder und Jugendliche bei einer Covid-19-Infektion meist nur mit leichten Verläufen konfrontiert sehen. Dafür haben das Coronavirus und vor allem die damit verbundenen Kontaktbeschränkungen andere Krankheiten bei Kindern begünstigt. Auswertungen von Versichertendaten machen deutlich: Grundschüler in Niedersachsen leiden in der Pandemie unter starkem Übergewicht.

Corona fördert Adipositas-Neuerkrankungen von Grundschülern in Niedersachsen

So sind im ersten Corona-Jahr in Niedersachsen deutlich mehr Grundschüler wegen starken Übergewichts ärztlich behandelt worden, als es noch vor der Pandemie der Fall gewesen ist. 2019 kamen noch 16,2 Adipositas-Neuerkrankungen auf 1000 Behandlungsfälle unter den Fünf- bis Neunjährigen. Im Jahr danach waren es schon 19,7 Adipositas-Erkrankungen.

Ein Kind sitzt am Tisch und isst.
Im ersten Corona-Jahr sind in Niedersachsen weit mehr Grundschüler wegen starken Übergewichts ärztlich behandelt worden als vor der Pandemie. (Symbolbild) © Markus Scholz/dpa

Darauf verweist die dpa unter Berufung auf den am Mittwoch, 2. März 2022, veröffentlichten Kinder- und Jugendreport der Krankenkasse DAK-Gesundheit für Niedersachsen. Hierfür wurden anonymisierte Abrechnungsdaten von rund 71.000 minderjährigen Versicherten untersucht.

Lockdown, Homeschooling und ausbleibender Sport führen zu Übergewicht von Niedersachsens Grundschülern

Als Gründe für die Gewichtszunahme der Grundschüler werden mehrfache Lockdowns, Homeschooling und der damit verbundene Ausfall von sportlichen Aktivitäten genannt. Allesamt Faktoren, die der körperlichen Entwicklung der Kinder geschadet hätten. Darauf verweist DAK-Landeschef Dirk Vennekold.

Was bedeutet Adipositas?

Der Begriff „Adipositas“ stammt aus dem Lateinischen und meint starkes oder krankhaftes Übergewicht. Oftmals wird die Bezeichnung auch schlicht mit „Fettleibigkeit“ oder „Fettsucht“ übersetzt. Ein grobes Maß zur Klassifizierung ist hierfür der Body-Mass-Index (BMI). Und mit zunehmendem Übergewicht steigt das Risiko für Erkrankungen, die letztendlich mit der Adipositas zusammenhängen. Darauf verweist das „Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen“ der Universität(s)medizin Leipzig.

Durch diese negative Entwicklung alarmiert, fordert der Krankenkassenchef von der Landesregierung in Hannover mehr Engagement für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Die in der Corona-Pandemie entstandenen Defizite sollten ausgeglichen werden.

Adipositas-Neuerkrankungsrate von Grundschülern in Niedersachsen liegt überm Bundesdurchschnitt

Wie es im Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit heißt, lag die Adipositas-Neuerkrankungsrate von 22 Prozent bei Grundschülern aus Niedersachsen im Vergleich zum Vorjahr über dem Bundesdurchschnitt (plus 16 Prozent). Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) hatte schon im Juni 2021 davor gewarnt, dass Adipositas-Erkrankungen unter den Jüngsten in der Gesellschaft durch die Corona-Pandemie schleichend zunehmen würden.

Mehr Hintergründe zum Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit in Niedersachsen

Im Rahmen des Reports untersuchten Wissenschaftler von Vandage und der Universität Bielefeld anonymisierte Abrechnungsdaten von rund 71.000 Kindern und Jugendlichen im Alter bis 17 Jahren. Allesamt Personen, die bei der DAK-Gesundheit in Niedersachsen versichert sind. Untersucht wurden die Jahre 2019 und 2020. Der Report basiert auf Daten von 5,5 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Niedersachsen. Nach DAK-Angaben sei der Report hinsichtlich Alters- und Geschlechtsverteilung repräsentativ.

Es wird auf eine bereits 2018 veröffentlichte Studie verweisen, nach der schon vor der Pandemie zwei Millionen Kinder in Deutschland überwichtig gewesen seien. 800.000 davon adipös.

Alkoholmissbrauch unter Niedersachsens Schülern geht wegen coronabedingtem Party-Verbot deutlich zurück

Darüber hinaus mussten dem DAK-Report zufolge erstmals wegen Depressionen in Niedersachsen im Jahr 2020 drei Prozent mehr Grundschüler als im Vorjahr behandelt werden. Dagegen seien die Behandlungsfälle wegen Depressionen im Bund in dieser Altersgruppe gesunken.

Positive Aspekte: Wegen der Corona-Schutzmaßnahmen erkrankten weit weniger Kinder an Infektions- oder Atemwegserkrankungen. Zudem spiegelt sich das über längere Zeit geltende Party-Verbot explizit in der Gesundheitsstatistik wider.

Denn 2020 kamen 48 Prozent weniger Schulkinder in Niedersachsen wegen Alkoholmissbrauchs ins Krankenhaus oder in die Arztpraxis. Auf Bundesebene beläuft sich dieser Rückgang im Schnitt auf 28 Prozent. (mit Material der dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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