Hohe Benzinpreise

Tanken: Warum viele für günstigen Sprit nach Niedersachsen kommen

Für Niedersachsen lohnt sich Tanktourismus nicht. Dafür kommen derzeit viele in das Bundesland, um hier zu tanken. Denn woanders ist es noch teurer als bei uns.

Hannover – Höher, schneller, weiter: Die Benzin- und Dieselpreise in Deutschland kennen dieser Tage nur eine Richtung und die heißt steil nach oben. Das befördert in vielen Regionen Deutschlands den Tanktourismus ins benachbarte europäische Ausland*. Nicht selten sind an den Tankstellen direkt hinter den Grenzen zu Polen, Tschechien*, Luxemburg oder auch Österreich kilometerlange Autoschlangen zu sehen.

Automobilclub:ADAC
Gründung:24. Mai 1903
Hauptsitz:München
Mitglieder:2668 (Stand: 2021)
Mitarbeiter:21,2 Mio. (Stand: Ende 2020)
Umsatz:195 Millionen Euro (Geschäftsjahr 2020)

Dass der Tanktourismus immer mehr zunimmt, kann auch der Zentralverband des Tankstellengewerbes (ZTG) bestätigen. Und immer mehr Kunden nähmen auch längere Fahrten auf sich, heißt es vom Branchenverband in Bonn. Jüngst knackte eine Tankstelle im Kreis Hildesheim die magische Benzinpreisgrenze von 2 Euro* und auch im Land Bremen ist der Sprit so teuer wie nie. Zeit also, ordentlich Spritz zu sparen.

Hohe Benzinpreise in Deutschland: Tanktourismus ins Ausland lohnt sich nicht immer

Beim Verband spricht man dabei von einem „Benzinpreis-Paradoxon“, denn eigentlich bleiben die Unterschiede an den Grenzen auch bei höheren Spritpreisen relativ ähnlich. Der steigende Ölpreis, der das Tanken derzeit verteuert, macht sich ja auf beiden Seiten der Grenzen bemerkbar, die Unterschiede gehen in der Regel vor allem auf Steuern und Abgaben zurück.

Doch nicht immer lohnt der Tanktourismus – auch weil die Fahrt über die Grenze durch die hohen Spritpreise ja teurer werde. Zudem müsse man auch andere Kosten wie die Abnutzung bedenken, die die Ersparnis an der Zapfsäule schnell auffressen. „Wenn sich viele Leute darüber beschweren, dass sie mit den 30 Cent Kilometerpauschale ihres Arbeitgebers nicht auskommen, dann dürfen sie nicht gleichzeitig zum Tanken ins Ausland fahren“, heißt es vom ZTG. „Denn dann rechnet sich das nie.“

Die Preisanzeige einer Tankstelle an der Autobahn A7 im Landkreis Hildesheim zeigt unter anderem einen Preis von 1,829 Euro für einen Liter Diesel sowie 1,969 Euro für einen Liter Benzin an.

Doch nicht für alle in Deutschland ist es möglich, Tanktourismus zu betreiben. Für die Bürgerinnen und Bürger in Niedersachsen lohnt sich ein kurzer Stopp hinter der Grenze nicht. Als einziges Land kämen da die Niederlande zum Zuge, doch dort ist der Benzinpreis noch einmal höher, als er bei uns in Deutschland ist.

Tanktourismus in Deutschland: Viele Niederländer kommen über die Grenze, um bei uns zu tanken

Der ZTG beobachtet zwar keinen zunehmenden Tanktourismus von dort, doch viele Niederländer machen gerne einen Umweg, um in Deutschland zu tanken. Zu den Tankstellen direkt an der Grenze etwa im niedersächsischen Laar kommen viele Niederländer aus dem benachbarten Coevorden.

In manchen Orten stehen die Autos mit den gelben Nummernschildern sogar Schlange. „Die Benzinkosten sind in den Niederlanden viel zu hoch“, sagte ein Mann in Gronau dem TV-Sender RTVoost. „Wir müssen nämlich auch noch so viele Steuern extra bezahlen.“

„Für die Entwicklung der Kraftstoffpreise ist der Rohölpreis, aber auch der Wechselkurs von Dollar und Euro ausschlaggebend“, weiß Felix Kaufmann, beim ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt zuständig für Verkehr, Technik und Umwelt. Hinzu komme außerdem die CO2-Abgabe von 7 Cent pro Liter Benzin.

Hohe Benzinpreise in Deutschland: Barrel Rohöl der Sorte Brent kostet derzeit rund 83 US-Dollar

Wie der ADAC weiter dazu mitteilt, weise der Liter Super E10 einen Anstieg von 3,8 Cent im Vergleich zur Vorwoche auf. Damit werden an den Zapfsäulen im Bundesschnitt 1,647 Euro fällig. Ein Liter Diesel kostet im bundesweiten Mittel 1,526 Euro. Das entspricht einem Anstieg von 4,8 Cent im Vergleich zur vergangenen Woche.

„Der Rohölpreis ist derzeit zwar niedriger als 2012 – ein Barrel der Sorte Brent kostet derzeit rund 83 US-Dollar – der Dollar jedoch deutlich stärker als vor neun Jahren. Das verteuert Öleinfuhren nach Europa. Beim Diesel sorgt zusätzlich die jahreszeitbedingte starke Nachfrage nach Heizöl für eine Verteuerung an den Zapfsäulen. Damit nähern sich die beiden Kraftstoffpreise weiter an“, so Kaufmann.

Doch was tun bei den hohen Spritpreisen, wenn man auf das Auto angewiesen ist und ein Ausweichen – etwa auf den Öffentlichen Personennahverkehr – schlicht nicht möglich ist? Für den hat der ADAC jede Menge Tipps, wie Sprit gespart werden kann.

ADAC gibt Tipps zum Spritsparen: Kraftstoffpreise zwischen 18:00 und 19:00 Uhr am günstigsten

„Entscheidend kann etwa sein, wann man tankt“, sagt Experte Felix Kaufmann im Gespräch mit kreiszeitung.de. Einer Studie des ADAC zufolge ist Kraftstoff morgens am teuersten. Nachdem die Preise nachts über einen längeren Zeitraum weitgehend konstant bleiben, beginnt ab circa 6:00 Uhr ein deutlicher Anstieg, der kurz nach 7:00 Uhr seinen Höhepunkt erreicht. Hier liegt gleichzeitig das höchste Preisniveau des Tages.

Anschließend fällt der Preis, um nach 9:00 Uhr wieder spürbar anzuziehen. Im Tagesverlauf folgen weitere Preisspitzen gegen 10:00 Uhr, 13:00 Uhr, 16:00 Uhr, vor 18:00 Uhr, vor 20:00 Uhr und schließlich ab 22:00 Uhr. Dann klettert der Preis wieder auf sein nächtliches Niveau. „Regelmäßig am niedrigsten liegen die durchschnittlichen Kraftstoffpreise zwischen 18 und 19 Uhr sowie zwischen 20 und 22 Uhr“, betont Kaufmann. (mit Material der dpa) *kreiszeitung.de, merkur.de und hna.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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