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Ohne schlechtes Gewissen Klamotten shoppen: Warum faire und nachhaltige Mode wichtig für die Umwelt ist

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Von: Maria Sandig

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Der Wunsch nach fair produzierter und nachhaltiger Kleidung wird bei Konsumentinnen und Konsumenten immer größer. Auch in Niedersachsen und Bremen gibt es immer mehr Läden, die ethisch handeln.

Auch wenn die Produktions- und Konsumzahlen immer mehr steigen, entwickeln Kundinnen und Kunden zunehmend mehr Nachhaltigkeitsbewusstsein beim Einkauf von Mode. Der Wunsch nach weniger „Wegwerfmode“ wird immer größer. In einer McKinsey-Umfrage aus dem Jahr 2020 gaben mehr als 60 Prozent der Teilnehmenden an, dass die Nachhaltigkeit einer Marke ein wichtiger Faktor bei der Kaufentscheidung ist. Statt für Fast Fashion, entscheiden sich immer mehr Menschen für den Kauf weniger, dafür aber hochwertigerer Artikel.

Auch in Niedersachsen und Bremen gibt es Mode-Labels, die auf faire Bedingungen und Nachhaltigkeit setzen. Wie das Label „Alima“ von Fiona Albiana aus Bremen, das mit bestickten Statements auf wichtige gesellschaftliche Themen aufmerksam macht. Aufschriften wie „A woman‘s dignity is not between her legs“ oder „Equality“ zieren die genderneutralen Statement-Shirts ihrer Kollektion. „Alle sollen sich angesprochen fühlen, bei mir gibt es keine Unterteilung in männlich und weiblich“, sagt die 26-jährige Gründerin.

Auch in Niedersachsen und Bremen gibt es Mode-Labels, die auf faire Bedingungen und Nachhaltigkeit setzen. Wie das Label „Alima“ von Fiona Albiana aus Bremen.
Auch in Niedersachsen und Bremen gibt es Mode-Labels, die auf faire Bedingungen und Nachhaltigkeit setzen. Wie das Label „Alima“ von Fiona Albiana aus Bremen. © Josephine Doglo

Ihre eigenen Designs, Second-Hand-Teile und fair produzierte Kleidungsstücke von nachhaltigen Bremer Marken wie dem Sockenlabel „Ooley“ oder Unterwäsche von „Tizz & Tonic“ verkauft die junge Bremerin in ihrem eigenen Laden im Schnoor-Viertel in Bremen, dem Green Door Conceptstore.

Während Fiona vor drei Jahren noch fast täglich shoppen war, ist ihr heute ein nachhaltiger und moralischer Lebensstil wichtig. Sie lebt vegan und kauft ihre Kleidung in erster Linie second hand. „Als ich einen Blick in die konventionelle Modeindustrie warf und merkte, wie sehr Menschen, Tiere und die Natur unter den Bedingungen leiden, konnte ich meine Augen nicht mehr verschließen“, sagt die 26-jährige Bremerin.

Ihre eigenen Designs, Second-Hand-Teile und fair produzierte Kleidungsstücke von nachhaltigen Bremer Marken wie dem Sockenlabel „Ooley“ und dem Unterwäsche-Label „Tizz & Tonic“ verkauft die junge Bremerin in ihrem eigenen Laden im Schnoor-Viertel in Bremen, dem Green Door Conceptstore.
Ihre eigenen Designs, Second-Hand-Teile und fair produzierte Kleidungsstücke von nachhaltigen Bremer Marken wie dem Sockenlabel „Ooley“ und dem Unterwäsche-Label „Tizz & Tonic“ verkauft die junge Bremerin in ihrem eigenen Laden im Schnoor-Viertel in Bremen, dem Green Door Conceptstore. © Josephine Doglo

Kommentar von Autorin Maria Sandig

Neben dem Konsum fair hergestellter Kleidung, versuche ich Kleidung seit einigen Jahren in erster Instanz gebraucht zu kaufen. Kürzlich gelang mir beides. Schon mehr als ein Jahr hatte ich es auf ein Shirt einer Fair-Fashion-Marke abgesehen, es war restlos ausverkauft. Umso glücklicher war ich, als ich es bei Vinted für die Hälfte des Preises entdeckte. Fair Fashion und Second Hand bedeutet für mich nicht, Abstriche zu machen. Ich habe durch das Umdenken viel dazu gelernt, besitze weniger Kleidung, dafür hochwertige Stücke und Lieblingsteile, die ich sehr lange tragen werde.

Starkes Netzwerk in der Fair-Fashion-Szene

Die Statements auf den von der Fairwair Foundation zertifizierten Shirts schreibt die junge Gründerin selbst. „A LIMA ist Hawaiianisch und bedeutet Handschrift.“ Mit dem Slogan „Statement is in you“ möchte sie deutlich machen, dass jeder, der ein Shirt von ihr trägt, die Werte ihres Labels in die Welt trägt.

In der Bremer Fair-Fashion-Szene ist die junge Gründerin gut vernetzt. Zu vielen Läden hat sie engen Kontakt und kennt die Betreiberinnen oder Betreiber persönlich. „In meinen Augen hat die Auswahl an fairer Mode in Bremen definitiv Potenzial, weiter ausgebaut zu werden“, sagt Fiona.

Kundinnen und Kunden entwickeln zunehmend mehr Nachhaltigkeitsbewusstsein beim Einkauf von Mode.
Kundinnen und Kunden entwickeln zunehmend mehr Nachhaltigkeitsbewusstsein beim Einkauf von Mode. © Sebastian Gollnow/ dpa

Hier könnt ihr in Bremen und Niedersachsen nachhaltige Mode shoppen

Ohne schlechtes Gewissen Klamotten shoppen: Zahlreiche Geschäfte in Niedersachsen und Bremen verkaufen ökologische und fair hergestellte Kleidung. Unsere Übersicht enthält sowohl Läden, die sich komplett auf dieses Feld spezialisiert haben, als auch solche, die faire Modelabel im Sortiment haben.

Bremen

Niedersachsen

Auch, wenn fair produzierte und nachhaltige Mode immer beliebter wird, zeigen Studien, dass noch lange nicht überall ein Umdenken stattfindet. Konventionelle Fast-Fashion-Marken bringen fast wöchentlich neue und billige Kollektionen auf den Markt. Der Zeitdruck ist enorm, Angestellte müssen die Kleidung unter menschenunwürdigen Bedingungen und unter viel Zeitdruck nähen. Spätestens seit dem Einsturz des Rana-Plaza-Fabrikgebäudes in Bangladesch steht die Modeindustrie massiv in der Kritik.

Die wahren Kosten der Fast Fashion: Jährlicher Aufwand menschlicher und ökologischer Ressourcen für die Bekleidungsindustrie

Erdöl (Tonnen)98 Millionen
Treibhausgas-Emmissionen (Tonnen) / CO21458 Millionen
Boden (Hektar)85 Millionen
Textilarbeiter:innen mit arbeitsbedingten Krankheiten27 Millionen
Chemikalien (Tonnen)43 Millionen
Mikrofasern in Ozeanen (Kilogramm)522 Millionen
Wasser (Kubikmeter)79 Milliarden

Andrea Többen bietet in zwei Fair-Fashion-Stores in Münster fair produzierte Kleidung an. Wir haben mit Mitarbeiter Philipp Kossowski über die Idee hinter den Läden gesprochen.

Wie lange gibt es Ihren Laden und seit wann bieten Sie fair produzierte Mode an?

Den Laden frau többen green.fair.fashion gibt es seit dem September 2010. Von Anfang an gibt es bei uns ausschließlich fair und ökologisch produzierte Kleidung. Hier achten wir besonders auf Zertifikate und den Kontakt zu unseren Lieferant:innen, damit sich unsere Kundschaft immer darauf verlassen kann, dass jedes Produkt geprüft wurde und mit einem guten Gewissen gekauft werden kann. Seit Januar 2022 haben wir uns vergrößert und mit herr többen green.fair.fashion eine zweite Filiale eröffnet. Seitdem bieten wir bei frau többen green.fair.fashion eine noch größere Auswahl an Damenmode und Babykleidung, sowie bei herr többen green.fair.fashion ein breites Sortiment mit öko-fairer Mode für Herren. Natürlich sind in beiden unseren Geschäfte alle Geschlechter und Identitäten willkommen. 

Warum Fair Fashion? Was liegt Ihnen am Herzen?

Kleidung begleitet uns ein Leben lang und dennoch erwacht erst langsam das Bewusstsein dafür, welchen großen Teil der kommerzielle Textilhandel zur Klimaerwärmung beiträgt. Es geht hier nicht nur um die kommerzielle Produktion der Rohstoffe, sondern auch um deren Verarbeitung. Kommerzielle Textilien sind oft im Gegensatz zu ökologisch hergestellter Kleidung mit schädlichen Farben behandelt und wir tragen diese Kleidung direkt auf unserer Haut. Dies ist der ökologische Teil des Ganzen, der aber nicht getrennt vom Thema Fair Fashion betrachtet werden kann.

Worin sehen Sie das Problem?

Die Menschen in den Produktionsländern sind den gefährlichen Chemikalien in der Produktion meist ohne ausreichende Arbeitssicherheit ausgesetzt und leiden gesundheitlich darunter. Diese Thematik und die Täuschung der Konsument:innen durch die Big-Player der Modeindustrie sind im diesjährigen Bericht über die Kampagne „Detox my fashion“ von Greenpeace sehr gut nachlesbar. Arbeiter:innen opfern ihre Gesundheit für Löhne, die nicht einmal ihre Existenz sichern können. Daher sind uns neben den ökologischen Zertifikaten auch gerade Zertifikate wie das der Fair-Wear-Foundation wichtig. 

Wie kam Ihnen die Idee?

Im Vorfeld der Eröffnung kam Andrea Többen durch ihre eigenen Kauferfahrungen in Kontakt mit fairer Mode und beschäftigte sich intensiv damit. Zur damaligen Zeit war das Bewusstsein dafür gesellschaftlich nicht verankert und so entschloss sie sich, das Thema selbst in die Hand zu nehmen und als Quereinsteigerin den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. 

Wie wird Ihr Sortiment angenommen?

Wir haben in den letzten Jahren eine stetig wachsende Nachfrage und ein gesteigertes Bewusstsein für faire Mode bemerkt. Durch Bewegungen wie Fridays for Future ist unsere Mission von einem Nischenthema zu einer gesellschaftlichen Herausforderung geworden. Von daher leisten wir vor Ort auch viel Aufklärungsarbeit. Ebenso hat sich unser Kundenkreis entwickelt, der ein breites Bild der Gesellschaft spiegelt. 

Fast Fashion vs. Fair Fashion

Nach einer Studie vom Verein Christliche Initiative Romero kauft jede Person in Deutschland durchschnittlich 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr und trägt diese halb so lang wie noch vor 15 Jahren. Im Schnitt waren das etwa 200 Mal im Jahr 2000, im Jahr 2015 nur noch 163 Mal.

Tipps für einen moralischen Konsum von Kleidung:

1. Kaufen Sie Ihre Kleidung in erster Linie gebraucht - in Secondhandläden, auf Flohmärkten und bei Apps wie Vinted finden sich einige Schätze.
2. Kaufen Sie ausschließlich Kleidung, die sie länger tragen werden.
3. Gehen Sie schonend mit Ihrer Kleidung um und nehmen Sie kleine Reparaturen selbst vor oder geben Sie Ihre Textilien in eine Änderungsschneiderei.
4. Verkaufen oder verschenken Sie Kleidung, die Sie selbst nicht mehr tragen.
5. Wenn Sie second hand nicht fündig werden, können Sie ohne schlechtes Gewissen auf fair hergestellte Kleidung zurückgreifen.

Die Modeindustrie ist einer der umsatzstärksten Wirtschaftszweige. Frauenkleidung nimmt den Teil des Mode-Marktes ein. Im Jahr 2019 gab eine Frau in Deutschland durchschnittlich 776 Euro für Kleidung aus. Nach einer Studie des Gesamtverbands der deutschen Textil- und Modeindustrie von 2019 generieren deutsche Textil-Unternehmen jährlich einen Umsatz von etwa 32 Milliarden Euro und sind damit in Europa führend. Die Preise für Kleidung steigen im Vergleich zu anderen Konsumgütern jedoch kaum.

Trotzdem steigt der Anteil der Verbraucher, die Interesse an nachhaltig hergestellter Kleidung haben. 16 Prozent der Verbraucher stimmten nach einer Studie des Nürnberg Institut für Marktentscheidungen von 2018 zu, für umwelt- und sozialverträglich hergestellte Bekleidung mehr bezahlen zu wollen. 2017 stieg der Anteil an gekaufter Kleidung, der mit einem Ökolabel ausgezeichnet ist, auf 17 Prozent an. kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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