Gestrandet bei Wasser, Watt und Windeln

Badeurlaub an der Nordsee: Und wo ist das Wasser?

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Badegäste an der Küste haben bei der Hitze ihre ganz eigenen Sorgen.

Bensersiel - Von Hans-Christian Wöste. Lufttemperatur 27 Grad, Wasser 18 Grad: Die Badehose sitzt, die Sonnenbrille auch, nur das Wasser ist noch nicht da. Badegäste an der Küste haben bei der Hitze ihre ganz eigenen Sorgen.

Affenhitze in der Stadt, also raus an den Nordseestrand. Mit den Füßen im Wasser planschen und eine kühle Brise genießen: Der Plan ist gut, doch er geht nicht richtig auf. Bereits am Vormittag glüht der Sand im Nordseeheilbad Bensersiel. Das Wasser ist nur am Horizont zu sehen, dazwischen eine fast endlose Wüste aus Watt - Hochwasser ist erst um 13.38 Uhr. Statt frischer Seebrise kommt ein warmer Wind vom Land. Kein Baum weit und breit, der Schatten spenden könnte. Für Anfänger ist hier der Sonnenbrand vorprogrammiert. Doch die meisten Urlauber sind Stammgäste aus Nordrhein-Westfalen und gut ausgerüstet.

Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50 plus hat Familie Gosing im Gepäck, als sie morgens im Bensersieler Hafen die Fähre zur Insel Langeoog besteigt. „Strandmuschel und Sonnenhüte sind Pflicht“, sagt Gesa Gosing (37) aus Castrop-Rauxel (Nordrhein-Westfalen). Sohn Michel lässt sich mit seinen fünf Monaten in einem Kinderwagen mit geländegängigen Reifen kutschieren. Tochter Annemieke (9) will eine Sandburg bauen und sich von Papa Stefan (35) bis zum Hals eingraben lassen.

Neben Familie Gosing haben sich 800 weitere Passagiere auf der „Langeoog III“ eingeschifft. Die Fähre ist voll besetzt, die Reedereien stellen sich auf zusätzliche Abfahrten zu den ostfriesischen Inseln ein, wenn mit den Temperaturen auch die Fahrgastzahlen zu steigen.

Warum brüten Urlauber an einem heißen, schattenlosen Strand ohne Wasser? „Mein Mann liebt die Nordsee, da kommen schöne Kindheitserinnerungen hoch“, sagt Dorothee Schwolgin aus Bornheim bei Bonn. „Außerdem gibt es hier alles, was Kinder brauchen.“ So wollen Tochter Fenja (8) und Sohn Jerome (4) gleich nach dem Aufbau der Strandmuschel richtig loslegen: Muscheln sammeln, Drachen steigen lassen und Seifenblasen rumpusten. Fenja hat sogar mit Neopren-Badeschuhen vorgesorgt, falls Quallen am Ufer liegen. Aber das Wasser ist ja noch weit weg.

Bensersiel mit seinem zertifizierte Strand-Campingplatz liegt direkt vor dem Deich, es gibt barrierefreie Sanitäreinrichtungen. Neben Urlaubern aus Nordrhein-Westfalen kommen auch viele Schweizer.

Am Wachturm der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Bensersiel sind die Rettungsschwimmer so etwas wie Rundum-Sorglos-Berater: „Wo sind die Toiletten? Wann ist Hochwasser, und wie hoch kommt es? Wo kann ich meine verschlickten Füße abspülen?“ Abschnittsleiter Jochen Schittenhelm (48) beantwortet geduldig alle Urlauberfragen. Zusammen mit Tochter Melina (16) verbringt der Rettungsschwimmer aus Moers seinen Jahresurlaub an der Küste. Retten muss er gelegentlich nur Eltern, die am Strand herumirren und ihre Kinder suchen. „Wie sieht denn ihr Kind aus?“, fragt Schittenhelm dann: „Hübsch!“ kommt meistens als Antwort.

Mit der Flut steigt langsam der Wasserpegel. Immer mehr Menschen waten in die Nordsee, die Rettungsschwimmer müssen jetzt aufpassen. Gnädig nimmt Schittenhelm noch eine gebrauchte Windel in Empfang, die eine Urlauberin in einem der zahlreichen Strandkörbe gefunden hat. Bis zum Mittag sind diese alle belegt, acht Euro kostet dafür die Tageskarte, 40 Euro die Woche. „Fürs Buchen und Kassieren sind wir von der DLRG aber nicht zuständig“, betont der Rettungsschwimmer.

dpa

Nordsee frei Schnauze - Urlaub mit Hund an Deutschlands Küste

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