Kuhtreiber auf Wangerooge

Cowbows an der Nordsee: „Für Höflichkeit ist keine Zeit“

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Die Fähre nach Wangerooge fährt bei Wangerooge an einem Transportschiff mit Kühen vorbei.

Wangerooge/Harlesiel - Kein Lasso, kein Mustang, keine Marlboro: Cowboys in Ostfriesland brauchen vor allem rot-weißes Flatterband und ein lautstarkes Organ zum Kühetreiben.

Landwirt Menz Willms hat beides, wenn er im Herbst seine Herde von der Nordseeinsel Wangerooge zurück aufs Festland bringt. „Gleich ist der Umgangston etwas militärisch, für Höflichkeit ist dann keine Zeit“, warnt er seine Helfer. Die müssen bald vollen Körpereinsatz zeigen, damit die Herde auf dem üblichen Weg durchs Inseldorf trabt und nicht in eine Nebenstraße ausbüxt.

Für 57 Kühe ist nun die Sommerfrische vorbei: Es ist die einzige Herde, die auf den Inseln von Borkum bis Wangerooge grasen darf. „Hier gibt es genug Grünland, und die Kühe halten es schön kurz“, sagt Willms. Der 45-Jährige ist der letzte Milchbauer, der die Tiere im Frühjahr vom Festland auf die Insel bringt und im Herbst zurück holt. Der Landwirt muss alles genau vorbereiten: „Die Fähre muss pünktlich kommen, und im Hafen soll der Viehtransporter bereit stehen.“ Damit fahren die Tiere die letzten 20 Kilometer zum Hof nach Rickelhausen nördlich von Wilhelmshaven.

Landwirt Menz Willms (2.v.r.) treibt mit Helfern auf Wangerooge Kühe durch den Ort zum Hafen.

Dabei kann auch immer mal was schief gehen: Vor ein paar Jahren lag Schnee auf der Insel, dann können Kühe leicht nervös werden. Einmal fiel eine Kuh ins Hafenbecken, weil sie nicht den Weg über die Rampe auf das Transportschiff fand. „Die hatte einen Sehfehler und hat das graue Wasser nicht erkannt“, erklärt sich Willms den Vorfall. Doch die Kuh wurde gerettet, bekam später Nachwuchs und wurde dann nach Italien verkauft. „Die kam gut rum, mehr als ich“, stellt der Landwirt fest.

Diesmal geht fast alles gut: Als die Friesland-Cowboys an die Weide kommen, dauert es nur wenige Minuten, bis sich bei allen die Nervosität etwas legt. „Lelelelele“, ruft Willms, und bald trotten die Kühe über die Dorfstraße. Links und rechts, vorne und hinten werden sie von den Helfern mit rot-weißem Flatterband eingerahmt. Zumeist halten sich die Tiere an diese Markierungslinie.

Helfer treiben am Hafen von Harlesiel Kühe vom Schiff in den Viehtransporter.

Für einige Schulkinder auf Inselurlaub ist der Tross eine Sensation: „Guck mal, richtige Kühe“, freuen sich die Mädchen und Jungen. „Geil, und wie die stinken!“ Tatsächlich hinterlässt die Herde Spuren kleiner und großer Geschäfte: Haufen pflastern ihren Weg.

Endlich im Hafen, die Inselkühe wittern Seeluft. Doch vor dem kleinen Transportschiff gibt es Unruhe: Die Tiere mögen nicht über die Rampe laufen, die schon extra mit einer rutschfesten Gummimatte ausgelegt ist. Menz Willms schnappt sich schließlich eine Kuh und legt ihr einen Halfter über. Die Helfer ziehen und schieben, bis das Tier an Bord ist. Dann folgt auch der Rest der Herde. Noch etwas Nervosität beim Ablegen, beim Schaukeln mit den ersten Wellen, dann geht die einstündige Seereise los.

Kühe werden auf Wangerooge an der Jugendherberge vorbei Richtung Hafen getrieben.

Im Hafen am Festland ist noch einmal Flatterband gefragt, um die Kühe vom Schiff in den Viehtransporter zu lotsen. Als die letzte Verladeklappe schließt, genehmigen sich die Helfer vorzeitig ein Feierabendbier, erschöpft und erleichtert. „Warum tut sich der Mensch das an“, hat sich Willms manchmal in den 17 Jahren gefragt, seitdem er diese Aktionen organisiert. Zuhause geht die Arbeit weiter, denn 24 Kühe sind trächtig und werden im Winter Kälber bekommen.

Im Frühjahr kommt die Herde vom Stall wieder auf die Insel. Zuvor werden sie zuhause auf der Weide mit dem ersten Auslauf für die Inselwanderung trainiert. „Ich muss bei ihnen erstmal den fünften Gang rausnehmen“, sagt Willms, „die wollen dann nur noch raus“.

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