Bundestagswahl 2021

Wen soll ich wählen? Wahl-O-Mat und die besten Alternativen

Der Wahl-O-Mat ist die bekannteste digitale Entscheidungshilfe zur Bundestagswahl. Online gibt es allerdings jede Menge Alternativen und Spezialisierungen. 

Berlin - In den kommenden Sonntagen stehen in Niedersachsen zwei Wahlen im Kalender: die Kommunalwahlen auf Landesebene und die Bundestagswahl. Der Wähler hat die Qual der Wahl, wo er die Kreuze setzen kann. Wer sich nicht durch die teilweise sehr langen Wahlprogramme lesen möchte, für den bietet das Internet ein Füllhorn an Entscheidungshilfen. Einige haben sich auf bestimmte Gebiete spezialisiert.

Erstveröffentlichung Wahl-O-Mat2002
HerausgeberBundeszentrale für politische Bildung (bpb)
SpracheDeutsch
NutzungsrekordBundestagswahl 2017, etwa 15,7 Millionen Aufrufe

Die vermutlich bekannteste Wahlhilfe ist der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Mit der App können Wahlberechtigte ihre politischen Haltungen anhand von 38 verschiedenen Thesen überprüfen. Bis zum 26. September erwarten die Wahl-O-Mat-Macher wie in den Vorjahren Millionen Zugriffe, denn einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zufolge halten es 35 Prozent der Deutschen für wahrscheinlich, dass sie das Angebot im Vorfeld des Wahlsonntags nutzen. Es handle sich um „das erfolgreichste Angebot der politischen Bildung“ seit Gründung der Bundeszentrale, sagte bpb-Präsident Thomas Krüger bei einer Online-Pressekonferenz.

Mit der Veröffentlichung kamen auch einige neue Features hinzu. Neu ist etwa das sogenannte Tuning. Dabei kann man schauen, wie sich das Ranking der Parteien ändert, wenn eine einzelne These anders gewichtet oder bewertet wird. Anders als bei vergangenen Bundestagswahlen können die Nutzer ihre Meinungen diesmal auch auf einen Blick mit sämtlichen Parteien vergleichen.

Wahl-O-Mat: Neuerungen nach Rechtsstreit

Damit reagierte die Bundeszentrale auf einen Rechtsstreit vor der Europawahl 2019. Damals musste der Wahl-O-Mat zeitweise abgeschaltet werden, weil die Partei Volt kleinere Parteien dadurch benachteiligt sah, dass die Nutzer maximal acht Parteien für den Thesenabgleich auswählen konnten.

Doch der „Platzhirsch“ hat in den vergangenen Jahren zunehmend Konkurrenz bekommen – zumal sein Ansatz nicht unumstritten ist. Der Politikwissenschaftler Norbert Kersting von der Universität Münster bemängelt zum Beispiel, dass der Wahl-O-Mat nur drei Antwortmöglichkeiten bietet und deshalb von den Parteien leicht auszutricksen sei. Der an seiner Hochschule entwickelte „Wahl-Kompass“ setzt stattdessen auf fünf Antwortmöglichkeiten. „Bei uns müssen die Parteien eher Farbe bekennen“, versichert Kersting.

Wahl-O-Mat: Inhalte basieren auf Wahlprogrammen

Andere Kritiker monieren, dass die Thesen im Wahl-O-Mat auf den Wahlprogrammen der Parteien basieren – also auf Ankündigungen statt auf tatsächlichem Handeln. Deshalb setzt das privat finanzierte Projekt „DeinWal“ auf die Auswertung von Bundestagsabstimmungen der vergangenen vier Jahre. Aber auch diese Methode hat einen Nachteil: Kleine Parteien, die bislang nicht im Bundestag vertreten waren, fallen durchs Raster.

Die Wahl-O-Mat App hilft Unentschlossenen bei der Bundestagswahl. (kreiszeitung.de-Montage)

Auch der „Wahltest“ der Berliner Digitalagentur Wegewerk greift grundsätzliche Kritikpunkte am Wahl-O-Mat auf – etwa, dass dieser mit seinen reinen Ja/Nein-Fragen zu undifferenziert sei. Beim „Wahltest“ müssen sich die Nutzer deshalb präzise festlegen, in welchem Jahr das letzte Kohlekraftwerk abgeschaltet werden soll oder mit welchen Maßnahmen die Wohnungsmieten am ehesten zu regulieren sind.

Wahl-O-Mat: Eine Alternative erinnert an Tinder

Viele andere Konkurrenzprodukte setzen jedoch auf ein ähnliches Prinzip wie der Wahl-O-Mat. Der „Wahl-Swiper“, den das Kreativstudio Movact mit der Universität Freiburg entwickelt hat, erinnert dabei stark an die Flirt-App „Tinder“, denn Zustimmung oder Ablehnung zu einzelnen politischen Thesen signalisiert der User durch ein Wischen nach links oder rechts. „Wählen gehen ist so einfach wie Online-Dating“, heißt es dort auch dementsprechend.

Dazu können Interessierte auf bis zu 38 Fragen mit Ja oder Nein antworten und diese Antworten auch gewichten. Anschließend bekommen sie grafisch aufbereitet, mit welchen Parteien die meisten Übereinstimmungen bestehen. Ergänzt wird das Ganze durch Videos, die den jeweiligen Sachverhalt erklären.

Sozial-O-Mat zu den Themen Arbeit, Gesundheit, Familie und Kinder, Migration

Der Sozial-O-Mat der Diakonie unterstützt Unentschlossene bereits seit dem 10. August bei der politischen Meinungsfindung. Mehr als 130.000 Menschen haben ihn bereits genutzt, um sich über zentrale sozialpolitische Positionen der im Bundestag vertretenen Parteien zu informieren.  Es geht um ausgewählten sozialen Themen: Arbeit, Gesundheit, Familie und Kinder, Migration.

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Diakonie-Präsident Ulrich Lilie: „Ich freue mich, dass mit dem Wahl-O-Mat nun der große Bruder des Sozial-O-Mat an den Start geht. Denn gut drei Wochen vor der Wahl wissen rund ein Viertel der Wähler noch nicht, wem sie am 26. September ihre Stimme geben wollen. Viele informieren sich im Internet und nutzen solche leicht zugänglichen Hilfen bei ihrer Wahlentscheidung.“

Klimawahlcheck und Wahltraut

Beim „Klimawahlcheck“ werden 28 Thesen zu Energie oder Mobilität mit den Positionen der Parteien verglichen. Die Klima-Allianz verzichtete allerdings darauf, die AfD in das Projekt einzubeziehen. Zur Begründung heißt es, die Partei leugne den menschengemachten Klimawandel und wolle aus dem Pariser Klima-Abkommen aussteigen.

Auf einem Computerbildschirm ist ein Ergebnis einer Abfrage des Wahl-O-Mat für die Bundestagswahl 2021 dargestellt.

Bei „Wahltraut“ stehen feministische und gleichstellungspolitische Themen im Fokus. Dabei geht es beispielsweise um Schwangerschaftsabbrüche, LGBT-Rechte sowie die paritätische Besetzung von Chefetagen. Auch hier kommt die AfD nicht vor – was nach Angaben der Initiatoren allerdings daran liegt, dass der an die Partei verschickte Fragenkatalog unbeantwortet geblieben sei.

Noch monothematischer ist der „Steuer-O-Mat“ des Portals Smartsteuer und des Kölner Wirtschaftsforschungsinstituts IW. Anhand von Einkommen und Familienstand wird hier individuell errechnet, welche Partei den größten Steuerzuwachs verspricht.

Abgeordnetenwatch fragt Kandidaten nicht Parteien

Seit dem 1. September ist auch der Kandidaten-Check von abgeordnetenwatch.de online. Laut Mitteilung können die Ansichten der Direktkandidaten eines Wahlkreises verglichen werden. Die Wähler können so überprüfen, mit wem sie inhaltlich am meisten übereinstimmen. Dafür reicht die Eingabe der eigenen Postleitzahl.

Zu 24 relevanten Themen wie Umweltschutz, Gleichberechtigung, Rente und Corona-Pandemie haben die Direktkandidaten und Kandidatinnen ihre Standpunkte angegeben. Diese konnten sie zusätzlich inhaltlich begründen. „Viele Menschen wissen gar nicht, wofür die Kandidierenden in ihrem Wahlkreis persönlich stehen“, erklärt Ghasal Falaki, Projektleiterin von abgeordnetenwatch.de. „Wer den Kandidierenden-Check durchspielt, ist gut vorbereitet für die Wahl.“

„Im Gegensatz zu anderen Wahlentscheidungshilfen basiert der Kandidierenden-Check von abgeordnetenwatch.de auf den persönlichen Antworten der teilnehmenden Direktkandidaten, nicht auf den Positionen der Parteien. Vor allem für die Erststimme ist der Kandidierenden-Check daher ein hilfreiches Tool“, erklärt Ghasal Falaki.

Voto: Wahlhilfe zur Kommunalwahl

Zwei Wochen vor der Bundestagswahl finden noch die Kommunalwahlen in Niederachsen statt. Für die politischen Vertretungen vor Ort gibt es das Onlinetool Voto. Es ist an den Wahl-O-Mat angelehnt.

Die Kreiszeitung wird am 12. September aktuell über die Kommunalwahl berichten. Das endgültige Ergebnis verkündet einige Tage später der zuständige Wahlausschuss. Mit Material von dpa. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa & Political-Moments/imago

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