Elektroautos mit Startschwierigkeiten

VW-Chef Diess: Darum ist schneller Verbrenner-Ausstieg „nicht machbar“

Trotz Vorreiterrolle beim Bau von Elektroautos möchte man auch bei Volkswagen kein früheres Verbrenner-Aus. Die Gründe sind unterschiedlich – und die Probleme in der E-Autoproduktion vielfältig.

Wolfsburg – Das neue VW-Elektroauto der Trinity-Reihe soll das neue Aushängeschild des Wolfsburger Konzerns werden. Dennoch steht die Elektroautoproduktion vor immer mehr Schwierigkeiten – auch in Wolfsburg. Die Probleme sind vielfältig und für VW-Boss Herbert Diess Grund genug, kein früheres Verbrenner-Aus zu fordern.

KonzernVolkswagen
HauptsitzWolfsburg
SegmentAutomobilhersteller

Batteriemangel eklatantes Problem für die Herstellung von E-Autos

Ein besonderes Problem für die Produktion von Elektroautos liegt derzeit im akuten Mangel an Batteriefabriken. Bezogen auf einen möglichen Verbrenner-Ausstieg der deutschen Autoindustrie zum Jahr 2030 äußerte VW-Chef Diess gegenüber dem Handelsblatt: „Das ist für die Industrie nicht machbar. Die große Herausforderung sind die vielen Batteriefabriken.“ Bis Ende des Jahrzehnts sollen in Europa nur für die VW-Marken sechs Fabriken entstehen.

Zuerst müssen man neue Rohstoffe beschaffen und Minen erschließen, so Diess. Das sei nicht noch schneller möglich, als bisher vorgesehen. Tatsächlich erschwert die boomende Nachfrage nach kritischen Rohstoffen perspektivisch die Produktion. Der Bedarf an Lithium könnte bis 2040 um den Faktor 42 steigen. Engpässe an Materialien könnten die Elektroautoproduktion bremsen. Verschiedene Autobauer, darunter VW, wollen daher in neue Zellchemie investieren, die weniger kritische Rohstoffe benötigt.

Auch das erweist sich als nicht unproblematisch: Die „neuen“ Eisenphosphat-Zellen enthalten weniger wertvolle Metalle und sind günstiger – so weit, so gut. Zur Folge hat dies jedoch, dass sich energieaufwendiges Zellrecycling dann kaum noch lohnen würde. Wenn die Zellmaterialien nicht möglichst vollständig zurückgewonnen werden können, wäre das alles andere als klimafreundlich. Gerade im Bereich der Batterieproduktion gibt es für Autobauer großen Innovationsbedarf.

VW-Boss Herbert Diess

Volkswagen tut viel für die E-Mobilität - doch hat noch weitere Gründe nicht früher aus dem Verbrenner auszusteigen

Die Ankündigung, ein neues Werk für das VW-Elektroauto der Trinity-Reihe im Wolfsburger Umland zu errichten, ist zukunftsweisend für den Konzern. Auch darüber hinaus kann dem niedersächsischen Autobauer nicht vorgeworfen werden, zu wenig in die Umstellung auf Elektromobilität zu investieren. Erst kürzlich hatte VW in seinem Werk in Zwickau begonnen, seine Mitarbeiter in Escape-Rooms auf die Umstellung vorzubereiten. VW scheint bereit, neue Wege zu gehen – doch zögert beim Verbrennerausstieg.

Diesen begründete Diess gegenüber dem Handelsblatt nicht nur mit Batteriemangel. Er erklärte, in Lateinamerika könne es auch 2035 noch sinnvoll sein, den Verbrenner zu erhalten. Dabei bezog er sich insbesondere auf die Möglichkeit, Verbrenner mit synthetischem Sprit aus nachwachsenden Rohstoffen zu betreiben.

Trotz der Erklärungsversuche von Konzernchef Diess und den Bemühungen des Konzerns im Bereich der E-Mobilität, gibt es Zweifel. Zweifel daran, wie ernst es Automobilhersteller wie VW mit der Verkehrswende meinen können, wenn sie nicht bereit sind, auch ambitionierte Klimaziele direkt zu unterstützen. Diese Fragen muss sich auch Herbert Diess in Wolfsburg gefallen lassen.

Die Durchsetzung des Elektroautos steht vor verschiedenen Schwierigkeiten

In den letzten Monaten gab es immer wieder Berichte über Probleme im Bereich der E-Mobilität. Das Elektroauto scheint eines der Verkehrsmittel der Zukunft zu sein – doch seine Durchsetzung ist kein Selbstläufer. Zum einen wäre da der Mangel an Infrastruktur, beispielsweise im Bereich der Ladesäulen. Dieser fand auch in einem neuen Förderprogramm des Bundes Berücksichtigung.

Doch nicht nur der Mangel an Ladesäulen und der allgemeine Batteriemangel stellen Autobauer vor Aufgaben. Zuletzt war es auch der drängende Mangel an Halbleitern, der die Produktion nahezu lahmlegte. Nun möchte die Ampelkoalition Deutschland zum Halbleiterstandort machen. Ein Problembewusstsein gibt es – der Weg für das Elektroauto ist trotzdem noch weit.

Koalitionspapier: Wieviel grüne Handschrift ist noch übrig?

An der Frage, ob der Koalitionsvertrag genug Einsatz für die Verkehrswende vorsieht, scheiden sich die Geister. Greenpeace und die Grüne Jugend kritisieren besonders die im Papier vorgestellte Verkehrspolitik. Währenddessen zeigen sich Unternehmerverbände erfreut über die Besetzung des Verkehrsministeriums durch einen FDPler, Volker Wissing.

Die Ampelregierung hat einen Plan vorgelegt und darin Punkte formuliert. Unter anderem sieht sie bis zum Jahr 2030 etwa 15 Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen vor. Die Kaufprämie von Batterieautos möchte die Koalition dennoch wie geplant auslaufen lassen. In wichtigen Punkten bleibt das Koalitionspapier offen: Etwa in der Frage, wie man die Emissionen des Sektors bis zum Jahr 2030 nahezu halbieren will – so verlangt es das deutsche Klimagesetz.

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Viele zweifeln daher, wie viel grüne Handschrift das Koalitionspapier im Bereich grüner Kernthemen noch trägt. Es werden Vermutungen laut, die Grünen hätten sich in den Verhandlungen über den Tisch ziehen lassen. Die Ampel zögert in wichtigen Klimathemen – ebenso viele Autobauer. Wer nicht wartet, ist der Klimawandel. Politik und Wirtschaft müssen schnell gemeinsame Antworten finden, um die Klimaziele zu erreichen. Fragen gibt es genug - auch, oder gerade in der E-Mobilität.*Kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Mladen Lackovic/Imago

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