Streitkräfte

Bundeswehr-Beben: Skandal-Truppe aus Munster muss Litauen verlassen

Panzergrenadiere stehen in einer Reihe über einem Haufen von leeren Bierflaschen und einem Müllbeutel
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Vorwürfe gegen Grenadierzug – Alkoholexzess und rechtsradikale Lieder

Rassismus, Gewalt und Nötigung: Die Bundeswehr zieht nach einem Eklat den Panzergrenadierzug aus Munster von der Nato-Mission in Litauen ab.

Hannover/Munster – Aufgrund schwerwiegenden Fehlverhaltens hat die Bundeswehr einen kompletten Panzergrenadierzug von der derzeit in Litauen laufenden Nato-Mission „Enhanced Forward Presence“ (zu Deutsch: verstärkte Vornepräsenz) abgezogen. Der Zug wird zurück nach Munster (Niedersachsen) beordert.

Einrichtung:Bundeswehr
Oberbefehlshaber:Bundesminister der Verteidigung, Bundeskanzler (im Verteidigungsfall)
Verteidigungsministerin:Annegret Kramp-Karrenbauer (seit Juli 2019, CDU)
Militärische Führung:Generalinspekteur der Bundeswehr Eberhard Zorn
Hauptquartier:Hardthöhe in Bonn
Aktive Soldaten:183.885 (April 2021) davon Frauen: 23.279

Wie das Verteidigungsministerium am Mittwoch weiter mitteilte, wird eine fristlose Entlassung nach dem Soldatengesetz derzeit geprüft. Mit in die Ermittlungen eingebunden ist auch der Militärische Abschirmdienst (MAD).

Panzergrenadierzug aus Munster wird aus Litauen abgezogen: „Fehlverhalten ist Schlag ins Gesicht“

„Das Fehlverhalten einiger Soldaten in Litauen ist ein Schlag ins Gesicht aller, die Tag für Tag in der Bundeswehr der Sicherheit in unserem Land dienen“, erklärte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) auf Twitter. Die Entgleisungen beschädigten das Ansehen der Bundeswehr und Deutschlands. Dies werde mit aller Härte bestraft.

Durch die Untersuchung ist auch bekannt geworden, dass es einen Fehlbestand bei der Handwaffenmunition geben soll. Die Rede ist von 569 fehlenden Schuss Handwaffen​-Munition. Das Einsatzführungskommando hat ein Ermittlerteam entsandt, das auch dem Verdacht auf Buchungsfehler bei einer Schießübung nachgehen solle, wie eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums der Deutschen Presse-Agentur dpa sagte: „Die werden jeden Stein umdrehen.“ Um die ganze Brisanz und Tragweite zu verstehen: Auch der Stellvertreter des Inspekteurs des Heeres sei nach Litauen gereist.

Öffentlich geworden war der Fall erst durch die Berichterstattung des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“. Demnach sollen auf einer Party in einem Hotel – eine sogenannte Erholungsmaßnahme – nach übermäßigem Alkoholkonsum rechtsradikale Lieder gesungen worden sein. Ein angebliches „Geburtstagsständchen“ am 20. April für Adolf Hitler passt das sehr gut ins Bild. Auch soll es Schlägereien gegeben haben. 

Panzergrenadierzug aus Munster wird aus Litauen abgezogen: Bericht über sexuellen Übergriff

Am selben Abend versuchte ein Soldat, so berichtet es der „Spiegel“, einem seiner eingeschlafenen Kameraden sein Gemächt in den Mund zu stecken. Die Szene wurde offenbar mit dem Handy gefilmt.

Im Zusammenhang mit den Vorfällen geht die Bundeswehr von insgesamt zehn Beteiligten aus, ein Panzergrenadierzug besteht üblicherweise aus 34 Soldaten. Insgesamt sind in Litauen etwa 600 deutsche Soldaten in dem Einsatz, der der Abschreckung Russlands dient.

Exzesse von Bundeswehrsoldaten führen zu Abzug aus Litauen

Das Verteidigungsministerium bestätigt keine Details der Vorwürfe, ist aber höchst alarmiert. Die Bundeswehr musste in Litauen mehrfach Desinformationsversuche abwehren, die den Eindruck von Fehlverhalten deutscher Soldaten erwecken sollten. „Gerade in Litauen, wo wir Seite an Seite mit unseren Nato-Partnern geschlossen für gemeinsame Werte einstehen, ist ein solches Verhalten Einzelner nicht nur unentschuldbar, es ist auch absolut beschämend für uns alle“, sagte die Sprecherin.

Panzergrenadierzug aus Munster wird aus Litauen abgezogen: „Verhalten vollkommen inakzeptabel“

Das Verhalten, das nun Beschuldigten vorgeworfen werde, sei vollkommen inakzeptabel, bei der Polizei, bei Bund und Ländern und auch der Bundeswehr, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch bei einem größeren Blick auf die Lage.

„In all diesen Fällen ist es richtig, mit äußerster Entschiedenheit aufzuklären und auch Konsequenzen zu ziehen, denn wer für diesen Staat Verantwortung trägt, an welcher Stelle auch immer, kann und darf sich mit solchen Dingen nie gemein machen“, so Seibert. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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