Größter Mordprozess der Nachkriegszeit

Die Vorbereitungen für den Prozess gegen Niels H. laufen

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Der ehemalige Krankenpfleger hatte Patienten Medikamente gespritzt, die schwere Herzprobleme auslösten.

Oldenburg - In Oldenburg sind die Vorbereitungen zum bundesweit größten Mordprozess in der Nachkriegszeit angelaufen. Ab dem 30. Oktober muss sich der frühere Krankenpfleger Niels H. vor der 5. Strafkammer des Oldenburger Landgerichts für mutmaßlich 97 weitere Morde an Patienten in Oldenburg und Delmenhorst verantworten, sagte der Vorsitzende Richter, Sebastian Bührmann, am Montag.

Weil zu dem Verfahren 120 Nebenkläger zugelassen wurden,wurde der Prozess in die Oldenburger Weser-Ems-Halle verlegt. Am Montag wurden den Nebenklägern und der Presse die Räumlichkeiten vorgestellt. In dem neuen Verfahren geht es um 62 Taten in Delmenhorst und 35 Taten in Oldenburg. Für sechs weitere Taten verbüßt H. bereits eine lebenslange Haftstrafe. Wegen der Schwere der Taten darf er nicht nach 15 Jahren entlassen werden. 

Zwischen 2000 und 2005 hatte der damalige Krankenpfleger Patienten Medikamente gespritzt, um absichtlich lebensbedrohliche Herzprobleme bis hin zum Herzflimmern auszulösen. Anschließend reanimierte er seine Opfer, um als Held zu erscheinen. Ziel des Verfahrens sei nicht die Verlängerung der Haftzeit, sagte Bührmann. 

Anders als etwa in den USA könne nach deutschem Recht ein Angeklagter nur einmal zu lebenslanger Haft verurteilt werden, weil jeder Mensch nur ein Leben habe. Ziel sei es, den Angehörigen Klarheit über das Schicksal der Opfer zu verschaffen. Bis zu seiner Verurteilung habe H. als unschuldig zu gelten, unterstrich der Vorsitzende Richter. Das Gericht werde in jedem Fall nach der Wahrheit forschen und prüfen, ob H. für den Tod verantwortlich sei. Ob sich H. zu den Vorwürfen äußern werde, wisse er nicht, sagte Bührmann.

Auch Klinikangehörige müssen sich verantworten

In abgetrennten Verfahren müssen sich außerdem vier Klinik-Mitarbeitende aus Delmenhorst verantworten. Ihnen wird Bührmann zufolge Totschlag durch Unterlassen vorgeworfen. Ihr Verfahren sei verschoben worden, damit H. als Zeuge aussagen kann. Dazu sei er nur in den Fällen verpflichtet, in denen er selbst rechtskräftig verurteilt worden sei. Andernfalls könne er die Aussage verweigern. Zudem werde auch gegen Mitarbeitende des Klinikums Oldenburg ermittelt.

epd

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