Volkszähler klingeln ein letztes Mal an der Tür

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Wie viele Niedersachsen gibt es? Der „Zensus 2011“ soll Klarheit bringen. Ende des Jahres liegen erste Daten vor.

Hannover - Von Michael Krüger - Wie viele Menschen leben in Deutschland? Gibt es tatsächlich 7,92 Millionen Niedersachsen? Seit Mai sammelt der Staat die Daten seiner Bürger, nimmt im Auftrag der EU eine Inventur vor. Der „Zensus 2011“, die erste Volkszählung im wiedervereinigten Deutschland, soll Klarheit schaffen. Nun geht die Befragung in die letzte Runde.

Bis Ende April erhalten noch einmal 90 000 Niedersachsen Besuch von Interviewern und sollen Auskunft geben. Dann ist der „Zensus 2011“ abgeschlossen. „Es geht darum, Widersprüche aufzudecken“, sagt Eckart Methner, Chef-Statistiker beim Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie in Hannover. Bislang wurde in Gemeinden mit weniger als 10 000 Einwohnern nicht an der Haustür geklingelt, sondern nur mit den Daten der Meldeämter und den Ergebnissen der Hausbesitzer-Befragung gearbeitet. Doch dabei hätten sich Unstimmigkeiten ergeben. In rund 30 000 Fällen wird nun bei Anschriften mit nur einer bewohnt gemeldeten Wohnung nachgehakt – in der Regel Einfamilienhäuser. Oberstes Ziel sei die korrekte Ermittlung der Einwohnerzahlen, heißt es von der Statistik-Behörde.

Bislang wurden Datensätze von rund 2,5 Millionen Haus- und Wohnungseigentümern sowie 813 000 direkt befragten Niedersachsen gesammelt. Auch wenn nun in einem letzten Schritt nochmals nachgehakt werden muss, zeigt sich Methner sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf. „Wir sind angenehm überrascht vom Befragungsklima.“ Anders als zuletzt 1987 habe es keinen großen Widerstand gegen die Volkszählung gegeben. Die vor dem Zensus für Niedersachsen veranschlagten Kosten von 73 Millionen Euro seien ausreichend. Methner: „Wir haben weniger Arbeit und Kosten als erwartet.“ Nur rund ein Prozent der Befragten habe sich überhaupt geweigert, Auskunft zu erteilen.

Knapp 10 000 Helfer waren für die 51 kommunalen Erhebungsstellen im Einsatz, 7,50 Euro bekamen sie als Vergütung für einen vollständigen Fragebogen. Die befürchteten Probleme, dass sich auch NPD-Mitglieder oder andere unerwünschte Personen unter die Volkszähler mischen, um an sensible Daten zu kommen, seien nicht eingetreten.

Die ersten Ergebnisse der Volkszählung sollen bis Ende des Jahres vorliegen. Die Fragebögen werden derzeit im Erfassungszentrum in Kiel digitalisiert, dann vom Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen aufbereitet und schließlich im Bayerischen Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung analysiert. Zwar gibt auch Methner unumwunden zu, dass „so viele Daten bislang niemand gesammelt hat“, der Datenschutz sei aber kein Problem. Mit der Erfassung in Kiel würden die Papierbögen geschreddert und vollkommen anonymisiert. Die Erfahrungen des „Zensus 2011“ könnten für die Behörden in wenigen Jahren wieder relevant werden: Die EU verlangt von ihren Mitgliedsstaaten alle zehn Jahren eine neue Volkszählung. Relevant sind die genauen Einwohnerzahlen zum Beispiel für die Vergabe von Fördermitteln. www.zensus2011.de

Verweigern kann teuer werden

Wer befragt wird, muss antworten. Die Teilnahme am „Zensus 2011“ ist gesetzlich verankerte Pflicht. Nach den Massenprotesten bei der letzten Volkszählung im Jahr 1987 zeigen sich heute selbst die Verantwortlichen bei den Statistischen Ämtern etwas überrascht von der Kooperationsbereitschaft der Bürger. In Niedersachsen waren zuletzt im Januar an rund 40 000 Menschen förmliche Aufforderungen zur Teilnahme an der Volkszählung geschickt worden, weil sie die Fragebögen bisher nicht ausgefüllt hatten. Den Betroffenen wurde ein Zwangsgeld von 300 Euro angedroht, zusätzlich eine Verwaltungsgebühr von 106 Euro. Beantworten die Befragten doch noch fristgerecht, wird das Zwangsgeld erlassen. In einer zweiten Stufe droht ein Zwangsgeld von 500 Euro, es kann aber noch teurer werden. „Wir sind nicht am Geld, sondern an den Erhebungsbögen interessiert“, sagt Niedersachsens Chef-Statistiker Eckart Methner.

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