Mobilitätswende

Volkswagen: Klimaaktivisten ketten sich an Bagger und Schienen

Klimaaktivisten blockieren einen Kohlezug auf dem Gelände des VW-Steinkohlekraftwerks.
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Im Kampf um eine Mobilitäts- und Energiewende haben Klimaaktivisten sich an Bagger und Schienen beim Autobauer Volkswagen gekettet.

Rund 40 Aktivisten der Gruppe „Runter vom Gas“ demonstrieren bei Volkswagen für eine klimagerechte Zukunft. Sie ketteten sich an Bagger und Schienen. VW prüft nun Schadenersatz.

Wolfsburg – Klimaaktivisten der Gruppe „Runter vom Gas“ demonstrieren zurzeit beim Autobauer Volkswagen in Wolfsburg. Im Kampf um eine Mobilitäts- und Energiewende ketteten sich ein Teil der Demonstranten am Freitagmorgen, 4. Juni 2021, gegen 6:00 Uhr in Wolfsburg an Bagger und Schienen.

Nach Angaben der Aktivisten sammelten sie sich an einer Baustelle und einem Kraftwerk bei VW, einige seilten sich mit Transparenten von Kohlebaggern ab. Ziel sei es, den laufenden Betrieb bei Volkswagen zu stören. Bis zum Nachmittag befreite die Polizei fast alle Protestler. Einige wurden von Höhenrettern von Kränen herabgeholt. Auf der Baustelle für eine Gasleitung zum Kraftwerk im Kreis Gifhorn besetzten etwa 20 Aktivisten die Maschinen. Auch dort räumte die Polizei am Nachmittag.

Konzern:Volkswagen AG
Gründung:28. Mai 1937 in Berlin
Sitz:Wolfsburg
Leitung:Herbert Diess (Vorstandsvorsitzender)
Mitarbeiter:662.600 (Stand: 2020)
Umsatz:222,88 Milliarden Euro (Stand: 2020)

Das Kohlekraftwerk beliefert laut den Aktivisten das VW-Werk mit Energie für die Autoproduktion. Rund 900.000 Tonnen Steinkohle würden dafür pro Jahr benötigt, heißt es vonseiten der Gruppierung „Runter vom Gas“. Die gleichzeitig blockierte Pipeline-Baustelle soll einen Wechsel zu Erdgas als Energieträger ermöglichen.

Volkswagen: Kohlekraftwerk benötigt laut Aktivisten rund 900.000 Tonnen Steinkohle jährlich

Das kritisieren nicht nur die Aktivistinnen und Aktivisten. Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung beschreibe den voranschreitenden Umstieg auf Erdgas als Irrweg, Erdgas als fossiler Energieträger könne keine Rolle in einem klimaneutralen Energiesystem spielen, so die Demonstranten.

Eine Aktivistin sagte: „Wir rasen unaufhaltsam in die Klimakatastrophe. Seit Jahren ist klar, dass wir dringend eine Mobilitätswende brauchen. Konzernen wie VW ist das egal, sie heizen die Krise lieber weiter an und ziehen daraus auch noch fette Gewinne.“ Statt auf E-Autos zu setzen, forderte sie Lösungen wie einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr, autofreie fahrradgerechte Städte und den Ausbau des Schienennetzes.

Volkswagen: Aktivisten kritisieren Umstellung von Steinkohle auf Erdgas

„Die Profite von Konzernen wie VW dürfen niemals mehr zählen als eine lebenswerte, klimagerechte Zukunft auf diesem Planeten. Dafür stehen wir heute ein“, sagte die Aktivistin. Die Gruppe kritisierte die Umstellung von Steinkohle auf Erdgas als Energieträger: „Um dem Klimawandel angemessen zu begegnen, müssen wir weg von dreckigen, fossilen Energieträgern. Der Umstieg auf Gas ist keine Lösung in der Klimakrise.“ Es sei geplant, die Aktion so lange wie möglich aufrechtzuerhalten, sagte ein Sprecher der Gruppe.

Der Autobauer Volkswagen wies am Mittag die Vorwürfe der Umweltaktivisten zurück. Das Unternehmen setze sich aktiv für einen schnellen Umstieg auf erneuerbare Energien ein und habe sich als erster Autohersteller zu den Pariser Klimazielen bekannt, hieß es.

Volkswagen: Autobauer will rechtliche Möglichkeiten gegen illegales Eindringen prüfen

VW sei zu Diskussionen über Klimaschutz bereit, verurteile aber das Eindringen auf sein Gelände. Dies sei illegal. Man dulde keine Gesetzesverstöße, die mit derlei Aktionen von den handelnden Personen begangen würden. Aus diesem Grund will der Automobilkonzern alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, der Anspruch von Schadenersatz werde geprüft.

Neulich haben Greenpeace-Aktivisten im VW-Verladehafen in Emden bei Hunderten Volkswagen-Neuwagen die Autoschlüssel entwendet. Die Schlüssel wurden später auf die Zugspitze gebracht.

Niedersachsens Innenminister Pistorius kritisiert Aktion der Klimaaktivisten

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hat unterdessen das Eindringen der Klimaaktivisten auf das VW-Kraftwerksgelände kritisiert. „Die Aktionen heute in Wolfsburg oder in der vergangenen Woche in Emden führten teilweise zu einem Millionenschaden und waren mit erheblichen Einschränkungen für völlig unbeteiligte Personen verbunden“, sagte Pistorius.

Es sei zwar legitim, auf die Gefahr durch den Klimawandel hinzuweisen. „Aber wo Gesetze gebrochen und Unbeteiligte in Mitleidenschaft gezogen werden und in das Eigentum anderer eingegriffen wird, muss eine klare Grenze gezogen werden», fügte Pistorius hinzu. Der Rechtsstaat verfolge jede Straftat, „egal zu welchem Zweck sie begangen wurde“. (Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Artikel aktualisiert am 04. Juni 2021 um 16:05 Uhr.

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