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Hochansteckende Vogelgrippe in Niedersachsen ausgebrochen: Dringender Appell an Tierhalter

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In Niedersachsen ist eine hochansteckende Form der Vogelgrippe ausgebrochen. Zehntausende Tiere wurden getötet, weiträumige Schutzzonen eingerichtet.

Bentheim – In einem Geflügelbetrieb in der Grafschaft Bentheim ist die hochansteckende Form der Vogelgrippe ausgebrochen, gab das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Hannover am Mittwoch, 3. Juli, bekannt. Rund 91.000 Legehennen wurden demnach bereits getötet. Um die Ausbreitung des Virus zu verhindern, wurde um den betroffenen Betrieb weiträumig eine Schutz- und Überwachungszone eingerichtet. In Nachbarbetrieben werden Untersuchungen durchgeführt.

In Niedersachsen ist eine hochansteckende Form der Vogelgrippe ausgebrochen. Zehntausende Tiere wurden getötet, weiträumige Schutzzonen eingerichtet.
In Niedersachsen ist eine hochansteckende Form der Vogelgrippe ausgebrochen. Zehntausende Tiere wurden getötet, weiträumige Schutzzonen eingerichtet. (Symbolbild) © Imago/Bihlmayerfotografie

Vogelgrippe in der Grafschaft Bentheim: Institut bestätigt hochansteckende Virus-Variante

Damit bestätigte sich der Verdachtsfall, aufgrund dessen das Veterinäramt des Landkreises am vergangenen Samstag Proben genommen hatte. Untersuchungen des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) ergaben, dass es sich um den hochansteckenden Influenzavirus vom Subtyp H7 handelt. Der gesamte Bestand der Legehennenhaltung wurde bereits am Montagmorgen „tierschutzgerecht“ getötet, so die Mitteilung der Grafschaft Bentheim.

Was ist die Vogelgrippe?

Die Vogelgrippe oder Geflügelpest, die Aviäre Influenza (AI), ist eine Erkrankung der Vögel, die durch Influenza A Viren der Subtypen H5 und H7 verursacht wird.

Bei dieser Erkrankung wird zwischen niedrigpathogenen („wenig krank machenden“) und hochpathogenen („stark krank machenden“) Viren unterschieden. Niedrigpathogene AI-Viren (LPAI) können bei infizierten Tieren mit nur geringen bis gar keinen Krankheitsanzeichen einhergehen. Eine Infektion mit hochpathogenen AI-Viren (HPAI) wird Geflügelpest genannt und führt oft zu schweren Krankheitsbildern mit vielen Todesfällen.

Im Januar 2024 kam es zuletzt im Landkreis Northeim zu einem HPAI-Ausbruch in einer gewerblichen Legehennenhaltung und im Landkreis Emsland zu einem HPAI-Ausbruch in einer kleinen Hobbyhaltung mit knapp 30 Hühnern.

In 2024 konnte bisher in weniger als zehn untersuchten Wildvögeln das HPAI-Virus nachgewiesen werden. Betroffen sind bisher Wildgänse und Möwen. Auch wenn die Anzahl der Nachweise rückläufig ist, so wird dennoch deutlich, dass das HPAI-Virus weiterhin in der Region in Wildvögeln vorhanden ist.

Quelle: Tierseucheninfo/Land Niedersachsen

Aufgrund der Bestätigung der hochpathogenen Virus-Infektion wurde eine Schutzzone mit einem Radius von drei Kilometern sowie eine Überwachungszone mit einem Radius von zehn Kilometern eingerichtet, um eine weitere Verbreitung in Niedersachsen zu verhindern.

Hochansteckende Geflügelpest: Rund 1,5 Millionen Tiere und 317 Betriebe betroffen

In der Schutzzone befinden sich 14 Betriebe mit insgesamt rund 232.300 Tieren, in der Überwachungszone gibt es weitere 303 Betriebe mit etwa 1.265.000 Tieren. Damit sind insgesamt über 1.497.300 Tiere und 317 Betriebe in den Restriktionszonen betroffen. Um die Verbreitung des Virus zu verhindern, gelten in beiden Zonen strenge Seuchenbekämpfungsmaßnahmen. Teilausstallung sowie jeglicher Transport von lebendem Geflügel, Eiern und anderen Erzeugnissen in diesen Zonen ist verboten.

Betrieb in Grafschaft Bentheim betroffen – Ministerium appelliert an niedersächsische Betriebe 

Das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium richtete einen dringenden Appell an die niedersächsischen Betriebe, die Biosicherheitsmaßnahmen unbedingt einzuhalten. Tierhalterinnen und Tierhalter, die Auffälligkeiten – etwa eine verminderte Futter- und Wasseraufnahme der Tiere, vermehrte Todesfälle im Tierbestand oder andere Symptome – bemerken, sollten sich umgehend beim zuständigen Veterinäramt melden. 

Niedersächsisches Landwirtschaftsministerium warnt: Vermehrte Nachweise bei Säugetieren

Das hochpathogene Influenzavirus vom Subtyp H5 zirkuliert inzwischen ganzjährig im Wildvogelbestand und verursacht bei Geflügel die sogenannte Vogelgrippe (Geflügelpest). Weltweit wurde es zudem mehrfach bei wildlebenden Säugetieren nachgewiesen. „Die vermehrten Nachweise auch bei Säugetieren könnten darauf hindeuten, dass sich das Virus besser an Säugetiere anpasst“, warnt das Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

In einem Monitoring werden seit 2023 wild lebende Prädatoren wie Füchse, Waschbären und Marder auf Influenzaviren untersucht. Bei sechs Füchsen wurde im vergangenen Jahr eine Infektion mit dem hochpathogenen Subtyp H5 nachgewiesen. Im laufenden Jahr 2024 gab es bislang keinen Fall.

Vogelgrippe-Infektionen bei Kühen in den USA nehmen zu – in Deutschland bisher keine Nachweise

Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC gibt es in den USA mittlerweile über 130 erfasste H5N1-Infektionen bei Milchkühen, einen Impfstoff gibt es derzeit nicht. Forscher warnen inzwischen vor einer Vogelgrippe-Pandemie. Auch der Chef-Virologe der Berliner Charité, Christian Drosten, äußerte sich besorgt über die ungewöhnlich großen Ausbrüche bei Kühen in den USA.

Das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) hat bisher Tankmilchproben aus 168 Milchviehhaltungen untersucht, so das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium. Dabei wurde das Virus bisher nicht nachgewiesen. Derzeit laufen weitere Untersuchungen von Proben aus rund 100 Betrieben.

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