Ballsport sei „entmenschlichend“

„Legalisiertes Mobbing“: Forscher wollen Völkerball verbieten

Völkerball polarisiert nicht nur unter Schülern. Kanadische Forscher sprechen in einer Studie gar von „legalisiertem Mobbing“ und fordern ein Völkerball-Verbot.

Vancouver – Völkerball ist aus dem Sportunterricht nicht wegzudenken. Seit Jahrzehnten stehen sich Schüler gegenüber, um die gegnerische Mannschaft abzuwerfen. Erst wenn alle Kontrahenten getroffen wurden, steht der Gewinner des Spiels fest. Bei Schülern ist der Ballsport seit jeher gehasst wie geliebt. Doch geht es nach Forschern aus Kanada, müssten Sportlehrer Völkerball schon bald aus ihrem Lehrplan streichen.

Stadt in Kanada:Vancouver
Fläche:115 km²
Bevölkerung:675.218 (2017)
Provinz:Britisch-Kolumbien

Völkerball steht in Kritik: Name von Schulsport erinnere an Kriegsszenarien

Bereits der bloße Name des Sports löst bei Kritikern Entsetzen aus. „Völkerball“ würde alleine dank seiner Namensgebung Bilder eines Kriegsszenarios hervorrufen. Das Teilnehmerfeld besteht aus Völkern, die gegeneinander antreten. Auf dem Spielfeld geht es dann darum, seine Feinde auszulöschen – mit dem Spielball als Geschütz. Bereits vor 200 Jahren sprach Friedrich Ludwig Jahn, der als Initiator der deutschen Turnbewegung gilt, von einem Sport, der die deutsche Jugend auf den Kampf gegen die Besetzung Napoleons vorbereite.

Wie Sportwissenschaftler Peter Röthig bemerkte, seien Sportarten immer beeinflusst von ihren sozialen und politischen Zuständen der Vergangenheit und Gegenwart. Die Kriegsmetapher des Völkerballs hätte sich heutzutage zugunsten pädagogischer Maßnahmen stark angepasst. Getroffenen Spieler können etwa weiterhin vom Feldrand Einfluss auf das Völkerball-Geschehen nehmen.

Völkerball sei laut kanadischen Forschern „entmenschlichend“. (Symbolbild)

Auch der Name wurde vielerorts längst abgelöst: Abtreffbar oder Zweifelderball gelten nun als Synonyme. Auf Änderung ihres Sports hoffen auch Beachhandballerinnen, die bei der diesjährigen EM der Sexismus-Debatte ausgesetzt waren. Trotz einiger Regeländerungen steht Völkerball jedoch nach wie vor in großer Kritik. Dies bezeugt nicht zuletzt eine Studie aus Kanada.

Forscher zeigen sich besorgt: Völkerball sei „unterdrückend“ und „entmenschlichend“

Völkerball lebt von seinen hektischen Bewegungen. Schnelles Ausweichen soll verhindern von der gegnerischen Mannschaft getroffen zu werden. Nicht selten kommt es zu Stürzen und auch Blessuren gehören zur Tagesordnung des Sports – für Forscher jedoch nicht der einzige Grund zur Besorgnis.

In einer Studie aus dem Jahre 2019 stellten Wissenschaftler dem Völkerball-ähnlichen Dodgeball ein vernichtendes Zeugnis aus. Es ist offensichtlich, dass der Sport körperlich gefährlich sein kann. Doch die Forscher entgegnen Völkerball mit weiterer Kritik. Demnach sei der Ballsport „unterdrückend“ und „entmenschlichend“.

Wie sehr Schüler und Schülerinnen in der Schule mitunter leiden müssen, deckte zuletzt ein schockierender Fall auf, als ein Lehrer ihrer Schülerin verbot während ihrer Periode auf Toilette zu gehen*. Völkerball basiere nach den Worten der kanadischen Forscher ebenso auf Demütigung, durch die sich andere gar profilieren würden.

Für die Studie befragten die Forscher Schüler im Alter von 12 und 15 Jahren. Das Resultat der Studie ist erschütternd. Nicht wenige Schüler berichten von psychischen Schäden, die Völkerball ausgelöst hätte. Den Konsens der kanadischen Studie verkündete Joy Butler gegenüber der „Washington Post“. Die Professorin an der University of British Columbia in Vancouver spricht von „legalisiertem Mobbing“ und einem Spiel, das die bloße Botschaft verfolge, für den Gewinn die Kontrahenten verletzen zu dürfen. *24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Frank Sorge

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