Virologe warnt

Corona: Wird der kostenlose Bürgertest zur Ausrede für Ungeimpfte?

Nach wie vor steht eine mögliche Wiedereinführung von kostenlosen Bürgertests im Raum. Dies sieht Virologe Helmut Fickenscher kritisch. Seine Corona-Ausführungen.

Berlin/Kiel – Für den Kieler Virologen Helmut Fickenscher ist die Wiedereinführung kostenloser Bürgertests schlichtweg kontraproduktiv. Nach Ansicht des 59-Jährigen würde dies den Ungeimpften vermitteln, „dass es kein Argument mehr gibt, sich impfen zu lassen“. Das sagte Fickenscher gegenüber dem „Flensburger Tageblatt“.

Virologe:Helmut Fickenscher
Geboren:6. September 1962 (Alter 59 Jahre)

Kostenlose Bürgertests senden falsches Signal an Ungeimpfte – Kieler Virologe reagiert mit Corona-Unverständnis

Der Virologe, der in Kiel am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein das Institut für Infektionsmedizin leitet, verweist auf die Signalwirkung, die letztendlich mit solch einer Entscheidung ausgestrahlt würde. „Viel sinnvoller ist es, wenn wir Ungeimpften noch besser deutlich machen, dass sie bei einer Impfung eine Schutzrate von deutlich über 90 Prozent erreichen“, merkt Fickenscher an.

Der Kieler Virologe Helmut Fickenscher kritisiert die Rückkehr von kostenlosen Bürgertests. Zudem plädiert er für eine bundesweite Impfpflicht und sieht Massentestungen nur als zweite Wahl an. (kreiszeitung.de-Montage)

Hinsichtlich der Impfdurchbrüche sagt der Virologe, dass zwischen Geimpften, die trotz der Impfung erkranken, und Infizierten, die jedoch keine Symptome zeigen, unterschieden werden muss. Denn: „Ein Viertel der Infektionen trotz Impfung bleiben symptomlos, und nur selten kommt es zur Krankenhauseinweisung oder Intensivtherapie.“ Durch ihre Impfung seien Geimpfte also sehr gut, jedoch nicht vollständig geschützt.

Impfquote muss erhöht werden – Massentestungen nur die zweite Wahl: Helmut Fickenscher mit klarem Standpunkt

Darüber hinaus reagiert Fickenscher auf Forderungen nach einer Testpflicht für alle eher verhalten. „Der goldene Weg ist immer noch, die Impfquote zu erhöhen, darauf müssen wir uns konzentrieren“, vertritt der Virologe seinen Standpunkt. Massentestungen hingegen seien für ihn nur die zweite Wahl. Deren Nutzen sei zwar „übersichtlich“, die Kosten jedoch auch „immens“.

Aus Sicht von Fickenscher wäre es sinnvoller, über eine Impfpflicht nachzudenken. Zumindest dort, wo enger Kontakt zu vulnerablen Bevölkerungsgruppen besteht. Doch weiß der Virologe auch, dass eine „Impfpflicht politisch schwer durchzusetzen ist“. Deswegen würden Testungen vor allem dort infrage kommen, „wo besonders hohe Inzidenzen beobachtet werden“.

Analyse vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) Kiel: Stationäre Behandlung von Corona-Patienten kostet 180 Millionen Euro – pro Woche

Indes hat das Forschungsteam des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) Kiel eine Analyse veröffentlicht, nach der allein durch die stationäre Behandlung von Corona-Patienten Ausgaben von rund 180 Millionen Euro drohen. Und das in nur einer Woche. Wie der „Business Insider“ berichtet, liegt der Anteil ungeimpfter Personen, die sich in stationärer Corona-Behandlung befinden, seit August im Schnitt bei fast 85 Prozent.

Laut der Krankenkasse AOK werden die durchschnittlichen Kosten für die stationäre Behandlung von ungeimpften Corona-Infizierten jeweils 10.200 Euro kosten. Demnach ergeben sich zusammengerechnet allein für August und September Ausgaben in Höhe von über 160 Millionen Euro.

Wie aber kommt das IfW auf den Wert von 180 Millionen Euro? Letztendlich müssen noch die zu erwartenden Nachmeldungen vom Robert Koch-Institut (RKI) zu den 160 Millionen Euro dazu addiert werden, wodurch sich die Gesamtsumme auf 180 Millionen Euro beläuft. So lauten zumindest die aktuellen Berechnungen vom IfW Kiel.

Starke Belastung der Krankenhäuser durch Covid-19-Patienten erwartet – wenn Impfquote nicht weiter steigt

Kosten, die vermeidbar gewesen wären. Denn: „Da allen Erwachsenen bis Ende Juli ein Impfangebot gemacht wurde, ist davon auszugehen, dass ein überwiegender Teil der Ausgaben für die stationären Behandlungen vermeidbar gewesen wäre“. Das teilt das IfW in einer Pressemitteilung mit.

Sollte die bundesweite Impfquote weiter stagnieren, während parallel die Zahl der Corona-Neuinfektionen weiter steigen, dürften auch stationäre Behandlungen noch häufiger vonnöten sein:

Wir stehen vor dem ersten Winter, in dem das Infektionsgeschehen von der viel ansteckenderen Delta-Variante getrieben wird. Sollte sich die Impfquote in Deutschland nicht rasch noch weiter steigern lassen, muss mit einer starken Belastung deutscher Krankenhäuser durch Covid-19 gerechnet werden.

Lena Merkel, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Global Health Research Group vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) Kiel

Zudem merken die Verfasser der Studie an, dass auch die durchschnittlichen Behandlungskosten steigen dürften. Zum Hintergrund: Laut dem IfW werden zunehmend junge Menschen stationär behandelt, deren Überlebenschancen besser stehen als bei älteren Patienten, die deutlich häufiger infolge der Erkrankung sterben. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Carsten Rehder/dpa & Horst Galuschka/imago images

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