„Jeder Tag kostet Menschenleben“

Vierte Corona-Welle unaufhaltsam? Mediziner fordern sofortiges Umdenken

Intensivbett in Berlin.
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Sofortige Maßnahmen fordern Medizinerinnen und Mediziner, um das Gesundheitssystem zu schützen.

Das Robert Koch-Institut vermeldet die fünfmillionste Corona-Infektion seit Ausbruch der Pandemie. Die Forderungen nach strengeren Regeln werden deshalb immer lauter.

Hannover – Deutschland hat am Sonntag die Fünf-Millionen-Marke in Sachen gesamt Corona-Infektionen überschritten. Droht angesichts der vierten Corona-Welle der nächste Lockdown? Zu mindestens wird in der Öffentlichkeit der Ruf nach strengeren Corona-Regeln immer lauter. Vielerorts bilden sich lange Wartezeiten bei Impf-Aktionen, immer häufiger richten sich Forderungen aus der Politik, Medizin und Wissenschaft an die regierenden Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger. Lässt sich der Kampf gegen die vierte Welle noch gewinnen?

Für strengere Corona-Regeln: Mediziner appellieren an die Politik

35 führende Medizinerinnen und Mediziner und Fachleute aus ganz Deutschland fordern die Regierung zum Umdenken auf. Dabei wählen sie drastische Worte: „Jeder Tag des Abwartens kostet Menschenleben“, heißt es in dem Aufruf. Seit dem 11. November gelten neue Corona-Regeln in Niedersachsen. „Das Infektionsgeschehen breitet sich unkontrolliert aus. Das Gesundheitssystem läuft Gefahr, zusammenzubrechen“, erklären die beteiligten Medizinerinnen und Mediziner. Federführend beteiligt an dem Appell waren Michael Hallek, Direktor der Klinik für Innere Medizin an der Universitätsklinik Köln und die Virologin Melanie Brinkmann.

LandNiedersachsen
Bevölkerung7,982 Millionen
Fläche47.614 km²
HauptstadtHannover

Demnach müsse die Politik „ihrer Verantwortung für das Wohlergehen der Bevölkerung“ nachkommen. Doch das scheinen die Menschen derzeit auch selbst zu übernehmen, zu mindestens am Samstag vor der Stadthalle in Osnabrück. Dort habe sich bei einer Impf-Aktion zweitweise eine Schlange gebildet, die mehr als 200 Meter lang gewesen sei. „Der Bedarf scheint groß zu sein“, vermutet ein Verwaltungssprecher. „Es zeigt, dass sich die Menschen jetzt angesprochen fühlen.“ In den Niederlanden hingegen scheint sich die Öffentlichkeit mit allen Mitteln gegen einen neuen Teil-Lockdown zu wehren.

Israel als Vorbild: Virologin wirbt für „Booster“-Impfungen

Auch im Wildpark Schwarze Berge standen am Sonntag die Menschen für eine Impfung Schlange. Eine Sprecherin des DRK-Impfteams in Winsen (Luhe) erklärt, dass besonders ältere Menschen zur Auffrischimpfung gekommen seien. Für einige Expertinnen und Experten sei das ein wichtiger Schritt im Kampf gegen das Virus. Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen verwies auf das Beispiel Israel. Dort sei es gelungen, die Welle bei einer ähnlichen Impfquote wie in Deutschland zu stoppen, indem rund 50 Prozent der Menschen eine „Booster“-Impfung bekommen haben.

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Derzeit sei die Lage in den Krankenhäusern noch zu bewältigen. Am Sonntag lag die Inzidenz in Niedersachsen bei 129,8 Fälle auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Die Inzidenz lag laut Robert Koch-Institut bundesweit nochmal deutlich höher bei 289. Die Hospitalisierungsinzidenz beträgt am Sonntag 4,5. Ab einem Wert von sechs könne eine Warnstufe in Niedersachsen ausgerufen werden. Um das Coronavirus zu kontrollieren mobilisierte die Bundesregierung zuletzt sogar Bundeswehrsoldatinnen und Soldaten.

Bremens Bürgermeister Bovenschulte fordert Impfpflicht

Im Nachbarland Bremen lag die Sieben-Tages-Inzidenz am Sonntag bei 101,2. Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte hatte sich derweil sogar für eine Impfpflicht in bestimmten Berufsgruppe ausgesprochen. „Wir werden angesichts der Zuspitzung der Lage in Teilen Deutschlands über eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen nachdenken müssen“, so Bovenschulte. Dabei schaut er vor allem auf Berufe in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Schulen und Kitas.

Auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil plant derzeit strengere Corona-Regeln am Arbeitsplatz. Demnach soll die Rückkehr der Homeoffice-Pflicht und 3G am Arbeitsplatz beschlossen werden.* kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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