Überall lauern noch Blindgänger

Der Krieg ist lange vorbei, doch ein tückischer Gegner lauert immer noch unter der Erde. Viele Tonnen nicht explodierter Bomben und andere Sprengkörper bleiben eine tödliche Gefahr. Für die Kampfmittelräumer geht daher die Arbeit nicht aus.

70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges stecken im Untergrund von Niedersachsen immer noch tödliche Bedrohungen. Die Hinterlassenschaften deutscher und alliierter Streitkräfte sind hoch brisant. Von nicht explodierter Munition, Bomben-Blindgängern und wild entsorgten Sprengkörpern im Boden geht weiterhin Lebensgefahr aus. Zudem liegen am Grund der Nordsee neben versenkter Sprengmunition auch chemische Kampfstoffe. Einen echten Überblick über die verbliebene Zahl der Bomben-Blindgänger gibt es nicht. Realistische Schätzungen sind nach Angaben von Experten in Hannover und Bremen unmöglich.

150 000 Luftbilder der alliierten Luftangriffe auf Ziele in Niedersachsen sind zwar weitgehend ausgewertet. Dennoch lassen sich viele Fragen bis heute nicht beantworten wie die Zahl der abgeworfenen Bomben, die Zahl der entschärften Blindgänger durch die Wehrmacht während des Krieges, durch die Besatzungsmächte nach dem Krieg und durch die ersten Kampfmittelräumer vom Jahr 1948 an.

Beispiel Bremen: Mit rund 260 000 Tonnen abgeworfener Bomben liegt Bremen auf Platz 7 der am stärksten bombardierten Städte. Dort gingen rund 100 000 Sprengbomben und eine Million Brandbomben nieder. Experten gehen dabei von einer Blindgängerquote von 12 bis 13 Prozent aus. „Demnach wären auf Bremen etwa 12 000 bis 13 000 Blindgänger gefallen“, rechnet Andreas Rippert vom Bremer Kampfmittelräumdienst. Nach seinen Unterlagen sind aber bisher schon rund 16 000 Blindgänger beseitigt worden. „Es sind also bisher mehr Blindgänger geräumt worden als die Schätzung hergeben - und die Räumungen sind noch lange nicht abgeschlossen.“

Strategisch wichtige Angriffsziele der Alliierten waren neben den Hafenstädten von Emden und Wilhelmshaven bis Bremen die großen Rüstungsstandorte wie Osnabrück, Hannover, Braunschweig, Peine, Salzgitter und Wolfsburg. Hinzu kamen Verkehrsknotenpunkte der Reichsbahn und zahlreiche Flughäfen.

Die Spätfolgen werden nur vereinzelt deutlich. 2014 wurden in Niedersachsen 42 Sprengbomben mit mehr als 50 Kilo schwerem Sprengköpfen entschärft oder zur Explosion gebracht. Hinzu kamen 27 Seeminen. In Bremen waren es 28 Sprengbomben.

Die aufwendigste Aktion war im September am Stadtrand von Seelze bei Hannover. Dort wurde eine Großladungsbombe mit einer Sprengstoffmenge von 1340 Kilogramm problemlos entschärft. In Bremen sorgte die Evakuierung eines Nobel-Hotels für eine Räumungsaktion für Aufsehen.

Größere Zwischenfälle bei Entschärfungen wie im Jahre 2010 blieben in diesem Jahr aus. Damals kamen drei erfahrene Sprengmeister in Göttingen ums Leben. Gelegentlich kommt die Gefahr auch aus ganz unerwarteten Ecken. Im Februar war im Ofen eines Kaminbesitzers im niedersächsischen Hoyerhagen (Kreis Nienburg) eine Granate explodiert, die in einem Stück Feuerholz saß. Die Polizei geht davon aus, dass das Geschoss im Zweiten Weltkrieg abgefeuert wurde und eine Eiche traf. Es explodierte nicht, sondern wuchs im Holz ein und überdauerte die Jahrzehnte als Blindgänger.

Rubriklistenbild: © dpa

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