Widersprüche und Gedächtnislücken

Viele Puzzleteile passen nicht

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In Kirchweyhe ist die brutale Tat unvergessen: Auf dem Bahnhofsvorplatz erinnern Kerzen und Blumen an Daniel S. ·

Verden / Kirchweyhe - Von Felix Gutschmidt. Ein Urteil in dem Prozess wegen Mordes gegen Cihan A. wird in diesem Jahr wohl nicht mehr gesprochen.

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Diese Einschätzung teilten gestern am Rande des fünften Verhandlungstages Katharina Krützfeldt, Sprecherin des Landgerichts Verden, und Verteidiger Martin Stucke. Die Rekonstruktion der Ereignisse, die am 10. März am Bahnhof Kirchweyhe zum Tod von Daniel S. führten, gestaltet sich weiter ausgesprochen schwierig.

„Das ist ein Indizienprozess“, sagt Krützfeldt. Insgesamt gebe es gut 50 Zeugen, und wenn nötig werde das Gericht alle vernehmen. Wie bei einem Puzzle müsse das Gericht die Erinnerungen der Beteiligten zu einem vollständigen Bild zusammenfügen.

Ein optimistisches Sprachbild, denn die Wahrheitssuche gestaltet sich wesentlich schwieriger, weil manche Teile des Puzzles einfach nicht zusammenpassen. Vieles bleibt auch nach der Vernehmung der Zeugen Nummer sieben und acht vage und verschwommen.

Klar scheint bisher nur eins zu sein: Daniel S. aus Kirchweyhe ist nach einer Disko-Nacht in Wildeshausen nach der Rückkehr in seinen Wohnort mit Gewalt gegen die Außenseite des Busses geschleudert worden, mit dem der 25-Jährige und gut 30 weitere junge Menschen nach Hause gefahren waren. Sein Kopf schlug mit solcher Wucht gegen das Metall, dass es einen lauten Knall gab – so haben es bisher alle Zeugen ausgesagt. Auch Bojan L.: „Ich dachte, es wäre ein Auto gegen den Bus gefahren“, erinnert sich der 18-Jährige. Gesehen habe er nichts, weil er sich zu diesem Zeitpunkt noch im Bus aufhielt. Als er auf die Straße trat, habe Daniel S. regungslos am Boden gelegen.

Genauer schildert Dennis R. (18) die Ereignisse am Bahnhof in Kirchweyhe. Er habe gesehen, wie zwei Personen Daniel „gegen den Bus katapultierten“. Wie genau, wisse er nicht. Daraufhin sei das Opfer „stumpf nach hinten gekippt“ und rücklings auf dem Asphalt aufgeschlagen. Dort traktierten die beiden Angreifer ihn mit Tritten gegen den Brustkorb und den Kopf, schildert Dennis R. Zwei weitere Personen sollen hinzugekommen sein und ebenfalls zugetreten haben. Als die Bande von Daniel S. abließ, sei sie davongelaufen – zusammen mit drei bis vier weiteren Personen. Unter der Gruppe könnte der Statur nach zu urteilen auch der 20-jährige Angeklagte gewesen sein.

Diese Aussage steht im Widerspruch zu den Angaben der zuvor vernommenen Schülerin Ina B. Die 17-Jährige hatte behauptet Cihan A. habe Daniel S. einen Tritt in den Rücken versetzt und ihn damit gegen den Bus geschleudert. Weitere Angriffe oder Beteiligte gab es nach Angaben der 17-Jährigen nicht. Alle übrigen Befragten machten keine Angaben zum Angriff auf Daniel S.

Die Puzzleteile passen nicht zusammen. Dieses Problem begegnet dem Gericht an den ersten fünf Prozesstagen immer wieder.

Hunderte kommen am Sonntag nach Kirchweyhe

Mehrere Hundert Personen kamen auch am Sonntag wieder zum Gedenken an den vor einer Woche getöteten Daniel S. nach Kirchweyhe. © Mediengruppe Kreiszeitung / Jantje Ehlers
Mehrere Hundert Personen kamen auch am Sonntag wieder zum Gedenken an den vor einer Woche getöteten Daniel S. nach Kirchweyhe. © Mediengruppe Kreiszeitung / Jantje Ehlers
Mehrere Hundert Personen kamen auch am Sonntag wieder zum Gedenken an den vor einer Woche getöteten Daniel S. nach Kirchweyhe. © Mediengruppe Kreiszeitung / Jantje Ehlers
Mehrere Hundert Personen kamen auch am Sonntag wieder zum Gedenken an den vor einer Woche getöteten Daniel S. nach Kirchweyhe. © Mediengruppe Kreiszeitung / Jantje Ehlers
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Mehrere Hundert Personen kamen auch am Sonntag wieder zum Gedenken an den vor einer Woche getöteten Daniel S. nach Kirchweyhe. © Mediengruppe Kreiszeitung / Jantje Ehlers
Mehrere Hundert Personen kamen auch am Sonntag wieder zum Gedenken an den vor einer Woche getöteten Daniel S. nach Kirchweyhe. © Mediengruppe Kreiszeitung / Jantje Ehlers
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Mehrere Hundert Personen kamen auch am Sonntag wieder zum Gedenken an den vor einer Woche getöteten Daniel S. nach Kirchweyhe. © Mediengruppe Kreiszeitung / Jantje Ehlers
Mehrere Hundert Personen kamen auch am Sonntag wieder zum Gedenken an den vor einer Woche getöteten Daniel S. nach Kirchweyhe. © Mediengruppe Kreiszeitung / Jantje Ehlers
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Mehrere Hundert Personen kamen auch am Sonntag wieder zum Gedenken an den vor einer Woche getöteten Daniel S. nach Kirchweyhe. © Mediengruppe Kreiszeitung / Jantje Ehlers
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Mehrere Hundert Personen kamen auch am Sonntag wieder zum Gedenken an den vor einer Woche getöteten Daniel S. nach Kirchweyhe. © Mediengruppe Kreiszeitung / Jantje Ehlers
Mehrere Hundert Personen kamen auch am Sonntag wieder zum Gedenken an den vor einer Woche getöteten Daniel S. nach Kirchweyhe. © Mediengruppe Kreiszeitung / Jantje Ehlers

Kopfschmerzen bereiten dem Vorsitzenden Richter Joachim Grebe, der Staatsanwaltschaft, den Nebenklägern und der Verteidigung außerdem die großen Erinnerungslücken, die sich immer wieder bei den Zeugen auftun.

Das jüngste Beispiel liefert Bojan L. An Handgreiflichkeiten während der Rückfahrt von Wildeshausen nach Kirchweyhe kann er sich noch gut entsinnen. Er sei von einem Begleiter des Angeklagten provoziert und schließlich geschlagen worden und zahlte es mit gleicher Münze zurück – ob sein Fausthieb das Ziel traf oder nicht, weiß er nicht mehr. Doch dann will er sich auch auf Nachfrage nicht entsinnen, seinen Onkel Roy S. aus dem Bus heraus angerufen zu haben, damit er ihn am Bahnhof abholt. Offenbar befürchtete Bojan L. bei der Ankunft Ärger.

Die Protokolle der Mobilfunkverbindungen belegen, dass der Zeuge seinen Onkel mehrfach angerufen hat. Roy S. wird heute seine Aussage vor dem Landgericht machen.

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