Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt:

Viele Eltern wollen bessere statt kostenlose Kitas

Gütersloh - Kurz vor der Einführung kostenfreier Kindergärten in Niedersachsen und Bremen zeigt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung: Viele Eltern sind sogar bereit für bessere Kitas mehr zu bezahlen.

Mehr Kinderbetreuer, schönere Spielsachen, gesünderes Essen: Die meisten Eltern, die zurzeit für den Kindergartenplatz bezahlen, sind bereit, mehr Geld für bessere Kitas auszugeben. Das fand eine Studie der Bertelsmann-Stiftung heraus. 56 Prozent der zahlenden Eltern aus Niedersachsen und 55 Prozent der Eltern aus Bremen würden dies tun. Qualität vor Beitragsfreiheit - diese Präferenz haben laut der Befragung die meisten zahlenden Eltern in Deutschland - egal ob sie arm oder reich sind, sagte Studienprojektleiterin Kathrin Bock-Famulla.

Für Bock-Famulla ist daher klar: „Politiker in Niedersachsen und Bremen politisieren am Wunsch der Eltern vorbei." Denn ab August dieses Jahres sollen alle Eltern in Niedersachsen nichts mehr für den Kindergarten-Besuch ihrer drei- bis sechsjährigen Töchter und Söhne bezahlen müssen. In Bremen wird dies ein Jahr später der Fall sein.

Für den Wegfall der Elterngebühren möchte Niedersachsen seinen Kommunen in diesem und im kommenden Jahr 379 Millionen aus dem Nachtragshaushalt geben. Zusätzlich sollen bis 2022 weitere 328 Millionen Euro Bundesmittel für die frühkindliche Bildung fließen. Darauf haben sich Land und Kommunen in der vergangenen Woche geeinigt.

Auch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) sagte, dass sie Kita-Beitragsfreiheit fördern möchte. „Das Einkommen der Eltern darf aber nicht darüber entscheiden, ob und wann Kinder in eine Kindertageseinrichtung gehen." In dieser Wahlperiode sollten bundesweit 3,5 Milliarden Euro des Bundes in die Kindertagesbetreuung fließen.

Arbeiterwohlfahrt (AWO), Arbeiter-Samariter-Bund und der Deutsche Städtetag kritisierten, dass diese Mittel zu gering seien. Der Paritätische Wohlfahrtsverband forderte Beitragsfreiheit für einkommensschwache Familien.

Die Ergebnisse der Befragung beruhen laut Bertelsmann auf zwei bundesweit teilweise in Kooperation mit Infratest-dimap erhobenen separaten Befragungen von insgesamt rund 10 490 Eltern.

Mehr als 93 Prozent der drei bis sechs Jahre alten Kinder in Niedersachsen gingen im vergangenen Jahr in eine Kita. Bezahlen mussten laut der Studie 81 Prozent der niedersächsischen Eltern und 87 Prozent der Eltern aus Bremen. In Niedersachsen liegt der Mittelwert für Kita-Gebühren und Zusatzgebühren wie Mittagessen, Hygieneartikel oder Ausflüge bei 6,6 Prozent des Einkommens. In Bremen bei 5,9 Prozent. Bundesweit liegt der Wert bei 5,7 Prozent.

Kosten belasten ärmere Familien überproportional

Die Kosten belasten ärmere Familien überproportional. Eltern, die über weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens verfügen, zahlen pro Monat im Mittelwert 118 Euro - 10 Prozent des Haushaltsnettos. Bei den übrigen Familien sind es im Mittelwert 178 Euro. Werte speziell für Niedersachsen und Bremen hat die Studie nicht erhoben.

Bock-Famulla sagt: „Für eine bessere Betreuung sind Eltern bereit bis an ihre Belastungsgrenze zu gehen." Um Kindergärten zu verbessern, schlägt die Bertelsmann-Stiftung vor, mehr Kinderbetreuer anzustellen. In Niedersachsen sei ein Betreuer durchschnittlich für mehr als acht Drei- bis Sechsjährige zuständig. In Bremen sei einer durchschnittlich für etwa 7,5 Kinder da. Die Stiftung empfiehlt auch mehr Kita-Leiter einzusetzen, die sich nur auf die Leitungsaufgabe konzentrieren und nicht nebenbei Kinder betreuen müssen. "Das ist jetzt selten der Fall und so müssen Leiter teilweise Aufgaben vernachlässigen."

Auch die Bundesvereinigung Evangelischer Tageseinrichtungen warnt, Beitragsfreiheit der Qualitätsverbesserung vorzuziehen. "Längst überfällig ist eine angemessene Bezahlung von Fachkräften, auch in der Ausbildung", sagte der Leiter des Bremer Landesverbandes, Carsten Schlepper.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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