Corona-Frust bei amourösen Dienstleistern

Horizontales Gewerbe fordert: Lasst uns wieder arbeiten

Die Corona-Inzidenz sinkt, Lockerungen fallen bundesweit. Doch Leidtragende der Corona-Pandemie sind weiterhin Dienstleister aus dem amourösen Gewerbe. Sie fordern: Macht die Bordelle wieder auf!

Berlin/Hannover – Draußen im Biergarten sitzen ist wieder möglich, doch eine bundesweite Arbeitserlaubnis für amouröse Dienstleister ist immer noch nicht Sicht. Bordelle und Arbeiter und Arbeiterinnen der Branche müssen seit vergangenen November mit dem Lockdown zurechtkommen. Berlin macht nun einen Schritt vor, um ihnen eine Perspektive bieten zu können. Auch in Niedersachsen könnte sich was tun.

BundeslandNiedersachsen
HauptstadtHannover
Bevölkerung7.993.608 (31. Dezember 2019)
RegierungschefMinisterpräsident Stephan Weil (SPD)

Im Sommer 2020 war in vielen Bundesländern käuflicher Geschlechtsverkehr unter strengen Auflagen wieder erlaubt. Doch dann kam die dritte Corona-Welle, Bordelle mussten ab November wieder schließen. Auch Liebes-Dienstleistungen in Hotels oder Wohnungen sind aktuell verboten. Zu hoch sei die Ansteckungsgefahr beim käuflichen Liebesspiel, heißt es von den Gesundheitsbehörden. Einige Erwerbstätige versuchen, sich mit Online-Angeboten über Wasser zu halten.

Berufsverband kritisiert fehlende stichhaltige Begründung

„Man darf mit negativem Corona-Test in den Biergarten oder zur Kosmetikerin, aber Sexarbeit bleibt untersagt, und das „ohne eine stichhaltige Begründung“, sagt Johanna Ebeling, Sprecherin des Berufsverbandes erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD). „Wir fordern eine Gleichbehandlung, sodass auch Bordelle für negativ Getestete wieder geöffnet werden können. Der Zeitpunkt dafür ist gekommen, denn die Zahlen sind runtergegangen und es sind immer mehr Menschen geimpft.“

Aidshilfe: Amouröse Dienstleistungen behandeln wie andere körpernahe Dienstleistungen

Ähnlich sieht es auch die Deutsche Aidshilfe: „Sexarbeit muss bei Lockerungen genauso behandelt werden wie andere körpernahe Dienstleistungen. Es gilt der Gleichheitsgrundsatz: Moralische Bewertungen dürfen keine Rolle spielen“, fordert die Hilfsorganisation.

Entscheidungsgrundlage für das Öffnen der Branche sind die einzelnen Stufenpläne der Länder. „Aber wie schon im vergangenen Sommer wird das Prostitutionsgewerbe darin – mit Ausnahme von Berlin und Niedersachsen – nicht aufgeführt“, kritisiert BesD-Sprecherin Ebeling.

Bordelle sind seit letztem November dicht.

Der Berufsverband hat in Zusammenarbeit mit den Gesundheitsämtern ein Hygiene- und Testkonzept entwickelt, um Corona-sichere amouröse Dienstleistungen zu ermöglichen. Im Kern steht die Testpflicht. Die Corona-Tests könnten von Testzentren kommen, oder es werde vor Ort – wie beim Friseur – getestet.

Rotlicht-Kunden müssen Termin vereinbaren und Kontaktdaten angeben

Jeder Kunde müsste einen Termin buchen und sich vorab bereit erklären, dass seine Kontaktdaten für vier Wochen aufbewahrt werden, empfohlen wird dafür „ein zugeklebter Briefumschlag“. Zudem sollten die Dienstleistungen auf zwei Personen beschränkt werden. Hinzukommen eine Kondompflicht und umfangreiche Desinfektionsvorgaben.

Die deutsche Hauptstadt macht nun den ersten, wenn auch zaghaften Schritt. In Berlin sollen Arbeitsstätten des Rotlicht-Gewerbes ab dem 18. Juni wieder geöffnet werden, wenn die Infektionszahlen niedrig bleiben. Erotische Massagen, Domina-Sessions können dann wieder stattfinden – mit Terminvergabe und negativem Test. Aber kein „echter“ Geschlechtsverkehr, der bleibt vorerst untersagt.

Niedersachsen könnte erotische Dienstleistungen wieder zulassen

In Niedersachsen gilt noch ein generelles Verbot im amourösen Dienstleistungsgewerbe, allerdings könnte sich das ändern: In die künftige Corona-Verordnung, die voraussichtlich ab dem 31. Mai gilt, soll der Stufenplan des Landes eingearbeitet werden, der die Wiederzulassung der Dienstleistungen der käuflichen Liebe bis zu einer Inzidenz von 35 mit Hygienekonzept vorsieht.

Entscheidend sind dabei die regionalen Inzidenzwerte, nicht der Gesamtwert für das Land Niedersachsen.  Ob der Stufenplan tatsächlich so wie von der Landesregierung vorgestellt in die Verordnung einfließt, entscheidet sich in dieser Woche. Änderungen sind durchaus noch möglich.

Rotlicht-Branche setzt sich in Hamburg für Wiedereröffnung ein

In der Rotlicht-Metropole Hamburg „gehört Prostitution sicherlich nicht zu den nächsten Lockerungsschritten“, sagt Martin Helfrich, Sprecher der Gesundheitsbehörde. Setze sich der Rückgang bei der Ansteckungs-Inzidenz fort, wolle die Hansestadt bevorzugt andere Lockerungen vornehmen, die „käufliche Liebe“ komme ganz zum Schluss.

Im vergangenen Sommer hatte sich die Rotlicht-Branche rund um die Reeperbahn vehement für eine Wiederöffnung eingesetzt und eigene Hygienekonzepte ausgearbeitet – mit vorübergehendem Erfolg. Nach Angaben aus dem Milieu hielten sich die Betriebe bis zum November durchweg an die strengen Auflagen, es sei kein Corona-Fall aufgetreten. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Tom Weller

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