Rundt (SPD): Es gibt gute Alternativen

Kommunen fordern Recht auf nahen Landarzt 

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Marco Trips setzt sich für einen Rechtsanspruch auf einen Hausarzt in zumutbarer Nähe ein.

Hannover - Angesichts des Ärztemangels auf dem Land hat sich der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund (NSGB) für einen Rechtsanspruch auf einen Hausarzt in zumutbarer Nähe ausgesprochen.

Hannover - Angesichts des Ärztemangels auf dem Land hat sich der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund (NSGB) für einen Rechtsanspruch auf einen Hausarzt in zumutbarer Nähe ausgesprochen. „Wenn es das mit Kindergarten-Plätzen gibt, wieso dann nicht auch bei Ärzten?“, sagte NSGB-Präsident Marco Trips der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Der Staat gebe schließlich viel Geld für die medizinische Ausbildung aus. „Ich kann mir ein staatliches Steuerungssystem für Hausärzte vorstellen“, sagte Trips auch im Interview mit dem Ärztenachrichtendienst. Derzeit sind landesweit 359 Hausarztstellen unbesetzt.

Niedersachsens Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD) sagte, ein Rechtsanspruch auf eine Hausärztin oder einen Hausarzt in der Nähe sei unsinnig, weil dies praktisch nicht durchsetzbar sei und dem grundgesetzlich geschützten Recht auf freie Berufswahl widerspreche. Zusammen mit der Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) seien bereits entscheidende Weichen gestellt worden, um die drohende Unterversorgung in ländlichen Regionen abzuwenden.

Cornelia Rundt bezeichnet den vom NSGB geforderten Rechtsanspruch als nicht durchsetzbar.

Als Beispiel nannte die SPD-Politikerin die Gesundheitsregionen Niedersachsen, ein Stipendienprogramm für Medizinstudenten sowie die Förderung zum Aufbau kommunaler Medizinischer Versorgungszentren. „Die Gemeinden in Niedersachsen haben also bereits jetzt schon eigene Gestaltungsmöglichkeiten, die sie nutzen können“, betonte Rundt.

Anreize, nicht Zwang

Die KVN setzt auf Anreize, nicht auf Zwang. Ihr zufolge rechnet sich eine Praxis auch nicht in jeder kleinen Gemeinde. Von den 969 Gemeinden in Niedersachsen haben 268 aktuell keinen Hausarzt. Da Ärzte in der Regel im Umfang einer 70-Prozent-Stelle angestellt werden, würde man für die flächendeckende Versorgung sogar weit mehr als 268 Ärzte benötigen, sagte der KVN-Vorstandsvorsitzende Mark Barjenbruch. Generell müsse die Zahl der Medizin-Studienplätze ausgebaut werden.

Barjenbruch betonte, dass die Attraktivität eines Standortes mitentscheidend sei. Beispielsweise sollten die Gemeinden auch gute Kindergärten und Schulen beziehungsweise attraktive Arbeitsmöglichkeiten für den Partner des künftigen Hausarztes bieten. In die laufenden Fördermaßnahmen zur hausärztlichen Versorgung flossen laut KVN bereits mehr als 28 Millionen Euro, davon gut 14 Millionen in Weiterbildungsförderungen und Sicherstellungszuschläge im Bereitschaftsdienst.

Dem Gesundheitsministerium in Hannover zufolge sollten die Landkreise und kreisfreien Städte als ÖPNV-Träger zudem Mobilitätsangebote für Patienten entwickeln. Ein Beispiel sei ein Konzept im Landkreis Leer: Vier vom Weser-Ems-Bus-Betrieb koordinierte Patientenmobile stellen die Verbindung von der Wohnung des Patienten zur Arztpraxis sicher.

Auf Bundesebene wird voraussichtlich bis zum nächsten Jahr ohnehin die Bedarfsplanung für Ärzte überarbeitet. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Hannover soll sie kleinräumiger werden.

dpa

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