Das letzte Lebenszeichen war eine SMS

Vermisste Katrin Konert: Polizei rollt Fall neu auf

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Die damals 15-Jährige war am Neujahrstag 2001 zum letzten Mal gesehen worden. Die Polizei arbeitet immer noch mit Nachdruck an der Aufklärung.

Bergen - Seit drei Wochen versucht die Polizei mit einer Wache in einem extra aufgestellten Container in einem kleinen Ort im Wendland, einen alten Vermisstenfall neu aufzurollen.

30 Beamte werden in dieser Woche in dem 1400-Einwohner-Ort Bergen an der Dumme von Haustür zu Haustür gehen, um Handzettel zu verteilen, mit deren Hilfe das Verschwinden der Schülerin Katrin Konert aufgeklärt werden soll. Die 15-Jährige wurde zuletzt am Neujahrsabend 2001 an einer Bushaltestelle in dem kleinen Ort gesehen. Die Ermittler sind überzeugt, dass das Mädchen Opfer eines Verbrechens wurde.

In dem Polizei-Container in Bergen arbeiten wochentags zwei Beamte zwischen 10 und 18 Uhr an der Klärung des Falls, einen Abend in der Woche zeigen sie auch bis 22 Uhr Präsenz. Seitdem seien einige neue Hinweise eingegangen, teilweise über das System BKMS, mit dem der Polizei anonym Tipps über das Internet gegeben werden können, sagte Polizeisprecher Kai Richter.

Polizei rollt Vermisstenfall Katrin Konert neu auf

Seit fast 18 Jahren sucht die Polizei mit dem gleichen Foto nach der Schülerin Katrin Konert: Ein hübsches, ungeschminktes Mädchen mit kinnlangen dunklen Haaren und einem strahlenden Lächeln. Am Neujahrsabend 2001 verschwand die damals 15-Jährige spurlos - zuletzt gesehen wurde sie an einer Bushaltestelle in Bergen (Dumme) im Wendland.

Eins SMS war das letzte Lebenszeichen

"Die Polizei geht davon aus, dass Katrin Konert tot ist", sagte der Leiter des Zentralen Kriminaldienstes, Steffen Grimme, in Lüchow. Mit einer neuen Ermittlungsgruppe und Unterstützung von Profilern des Landeskriminalamtes (LKA) in Hannover wollen die Beamten endlich das mutmaßliche Gewaltverbrechen aufklären. "Die Angehörigen wissen nicht, wo sie trauern können", sagte Grimme.

Am Tag des Verschwindens gab es Blitzeis. Das letzte Lebenszeichen der Jugendlichen war eine SMS an ihre Schwester. Möglicherweise stieg sie, weil kein Bus fuhr, zu einem Fremden ins Auto, um nach Hause - ins 13 Kilometer entfernte Groß-Gaddau - zu kommen. "Die bisherigen Ermittlungen haben sich sehr stark im persönlichen Umfeld von Katrin bewegt", sagte der Chef der Kriminalpolizei.

Belohnung wurde auf 10.000 Euro aufgestockt

Bereits 2003 war ein Bekannter der Schülerin wegen Totschlagsverdachts vernommen worden, ihm konnte damals jedoch nichts nachgewiesen werden. 2017 tauchte eine mysteriöse Kreidenachricht an dem Bushaltehäuschen in Bergen auf. Den gesamten Text veröffentlichte die Polizei zunächst nicht. "Es gibt fast täglich neue Hinweise", sagte Annegret Dau-Rödel, Leiterin der neuen Ermittlungsgruppe, für die acht Beamte zusammengezogen wurden.  Die Belohnung für entscheidende Hinweisgeber wurde von 5000 auf 10.000 Euro aufgestockt.

In Bergen an der Dumme ist seit einigen Wochen ein Container aufgestellt, in dem zwei Polizisten daran arbeiten, den Mord an der Schülerin Katrin Konert neu aufzurollen.

"Wir stehen an einem Punkt, wo wir alles auf Null stellen", sagte Carsten Schütte, Leiter der Abteilung Operative Fallanalyse beim LKA. Die mehr als 630 Spuren seit Katrins Verschwinden sollen mit Hilfe der Profiler aus Hannover neu gelesen werden. Zudem wird erstmals in diesem Fall das anonyme Online-Hinweissystem BKMS eingesetzt. Absender seien nicht identifizierbar, der Inhalt der Meldungen werde durch Sicherheitstechnik geschützt, betonten die Fahnder. Ihnen geht es auch um alltägliche Beobachtungen, etwa welche Menschen sich rund um den Jahreswechsel in der Gegend aufgehalten haben. Das "BKMS"-System wurde in Niedersachsen zunächst in Korruptionsverfahren eingesetzt, seit 2014 bisher auch bei fünf Tötungsdelikten.

Alte Fälle werden neu aufgerollt

Für die Familie von Katrin Konert sei es sehr schrecklich, dass ihr Kind immer noch nicht gefunden wurde, sagte die neue Ermittlungschefin Dau-Rödel. "Ich werde da so lange dran arbeiten, bis der Fall geklärt wird", versprach sie.

Das Landeskriminalamt Niedersachsen hatte kürzlich nach dem Vorbild anderer Bundesländer ein Konzept erstellt, um ungeklärte Tötungsdelikte beziehungsweise Vermisstenfälle wieder aufzugreifen. Nach Angaben des Innenministeriums in Hannover wurden dafür 268 Altfälle, so genannte "Cold Cases", erfasst.

dpa

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