Vermisste Familie aus Drage

Taucher ziehen toten Vater aus der Elbe - Wo sind Frau und Tochter?

Drage/Lauenburg - Von Peer Körner und Michael Evers. In einem kleinen Ort bei Hamburg verschwindet eine dreiköpfige Familie. Nach mehr als einer Woche wird der Vater tot aus der Elbe gezogen. In der Umgebung suchen Taucher nun auch nach Frau und Tochter. Gibt es noch Hoffnung, die zwei lebend zu finden?

Die Idylle trügt am sonnigen Elbufer im schleswig-holsteinischen Lauenburg. Während Ausflügler am Samstag das schöne Wetter genießen, sind Polizeitaucher sowie ein Sonarboot weiter auf der Suche nach einer vermissten Frau und ihrer zwölfjährigen Tochter aus dem nahen niedersächsischen Drage. Die Hoffnung, die beiden lebend zu finden, ist geschrumpft.

Am Freitag zogen Feuerwehrleute den ebenfalls seit mehr als einer Woche spurlos verschwundenen Familienvater tot aus der Elbe. Für die Ermittler wird damit ein erweiterter Suizid immer wahrscheinlicher - ein Familiendrama könnte der Hintergrund sein. „Das ist das Problem, dass wir keinerlei Hinweis haben auf das, was da geschehen sein könnte“, sagt Polizeisprecher Jan Krüger am Samstag. Bei dem ertrunkenen 41-Jährigen sei keinerlei Hinweis auf den Verbleib von Frau und Tochter gefunden worden - ein Abschiedsbrief etwa. Auch im Haus der Familie hatten die Fahnder keinen entdeckt.

Anlass zum Rätselraten, vielleicht aber auch eine Spur zu den beiden weiter Vermissten bietet ein silberfarbenes Damenfahrrad, das Feuerwehrtaucher in der Nacht zum Samstag unterhalb der Elbbrücke geborgen haben. Die Stelle, an der die Taucher es auf dem Flussgrund fanden, lasse darauf schließen, dass der Familienvater mit dem Rad auf die Brücke gefahren sei, es ins Wasser geworfen habe und hinterhergesprungen sei. Allerdings handelt es sich nicht um das Herrenrad aus dem Besitz der Familie, das die Fahnder vermissen, sondern um ein Frauenfahrrad unbekannter Herkunft. Kann es den Weg weisen zu dem Ort, wo Mutter und Tochter sind?

Die Fahnder hoffen auch auf Hinweise aus der Bevölkerung. Hinweise, dass Dritte in das Verschwinden der Familie verwickelt sind und es sich um ein Verbrechen handelt, haben die Ermittler weiterhin nicht. „Fremdeinwirkung kann dabei ausgeschlossen werden“, hieß es nach der Obduktion des Toten. Die Leiche war mit einem Betonklotz mit einem Gewicht von etwa 25 Kilogramm beschwert gewesen, wie er auf Baustellen verwendet wird. Oben, hinter dem Brückengeländer, finden sich diese Elemente. Eines fehlt - nicht aber drei. Inzwischen läuft die Fahndung seit über einer Woche.

Zeugen wollen den 41-Jährigen am Donnerstag vergangener Woche das letzte Mal im Auto der Familie bei Drage südöstlich von Hamburg gesehen haben. Die Spuren von Frau und Tochter verlieren sich schon am Tag zuvor. Das war der letzte Schultag in Niedersachsen vor den Sommerferien. Im schon bezahlten Reiturlaub sei die Tochter nicht angekommen, berichteten Zeitungen später. Ein spontaner Kurzurlaub der Familie sei äußerst unwahrscheinlich, muss Krüger in den kommenden Tagen immer öfter wiederholen. „Von der Familie haben uns die Zeugen ein eher unauffälliges Bild beschrieben.“
dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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