Verleger Dirk Ippen wird heute 75 Jahre alt

Der ganz bescheidene „Zirkusdirektor“

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Der Verleger Dirk Ippen glaubt noch an das Geschäftsmodell Zeitung. Er wird heute 75 Jahre alt.

München/Syke Niedersachsen - Von Hans Willms. Wenn Dirk Ippen ins Verlagshaus kommt, kann es manchmal etwas dauern, ehe er sein eigentliches Ziel erreicht. Ob in Syke, Hamm, Uelzen, Kassel oder Offenbach – auf dem Weg in die Etage der Geschäftsführung oder in die Chefredaktion begegnen ihm eigentlich immer Mitarbeiter, die er persönlich kennt.

Und dann lässt es sich Dirk Ippen nicht nehmen, nach dem werten Befinden zu fragen. Auch wenn er sich inzwischen weitestgehend aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat, kommt Ippen noch so gut wie jeden Tag in sein Büro im fünften Stock des Pressehauses an der Paul-Heyse-Straße in München, in dem neben dem Merkur auch das Boulevardblatt „tz“ residiert. Und er ist nach wie vor bestens darüber informiert, wie sich seine Zeitungshäuser zwischen München und Fehmarn entwickeln.

Natürlich weiß auch Dirk Ippen sehr genau, dass das Geschäft mit dem gedruckten Wort im Zeitalter des Internets nicht mehr so gut läuft wie zu Beginn seiner Karriere. Gleichwohl aber blickt er lange nicht so düster nach vorne wie so mancher Kollege anderer Verlage. Ippen glaubt noch an das Geschäftsmodell Zeitung.

Wer sich die Titel der Ippen-Gruppe anschaut, der erkennt recht schnell das Erfolgsgeheimnis des erfahrenen Verlegers. Denn die vielen kleinen und mittelgroßen Häuser, an denen Dirk Ippen mal mit einer deutlichen Mehrheit, mal als Minderheitsgesellschafter beteiligt ist, konzentrieren sich in erster Linie auf die Lokalberichterstattung. „Die Menschen wollen wissen, was direkt vor ihrer Haustür, in ihrem Ort passiert“, so Dirk Ippen.

Ob er als 28-Jähriger geahnt hat, dass er eines Tages zu den größten Verlegern des Landes gehören würde? Nach der Übernahme des Westfälischen Anzeigers in Hamm 1968 kam drei Jahre später die Beteiligung an der Kreiszeitung in Syke hinzu. Wieder drei Jahre später folgte der Einstieg bei der Offenbach-Post, 1978 dann die Beteiligung an der Allgemeinen Zeitung in Uelzen. Nach der Wiedervereinigung gründete Ippen in Sachsen-Anhalt die Altmark-Zeitung. Heute ist Dirk Ippen an rund 20 Tageszeitungstiteln, mehreren Rundfunkstationen und einer Vielzahl von Anzeigenblättern beteiligt.

Trotz seines Erfolges zeigt sich der promovierte Jurist sowohl gegenüber seinen Mitarbeitern als auch gegenüber den Lesern ausgesprochen bescheiden. Und er kann zuhören. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob er sich mit dem Chefredakteur unterhält, ob ihm der Hausmeister berichtet, was gerade schiefläuft oder ob ihm der Taxifahrer beiläufig erzählt, was er von seiner Zeitung hält.

Ippen ist ein wahrer Menschenfreund. Das bedeutet nicht, dass er allen immer nur freundlich gegenübertritt und jeden mit Samthandschuhen anfasst. Wenn es nötig ist, kann der Verleger auch deutlich werden und den Finger in die Wunde legen. Das ist manchmal hart, aber meistens gerecht. So sehen es wohl auch seine Mitarbeiter. Die – das betont er immer wieder – seien das „wichtigste Kapital“ seiner Häuser. Und ihnen schenkt er auch das Vertrauen, das sie brauchen. Die Kollegen vor Ort wüssten am besten, was die Leser von ihrer Zeitung erwarten, meinte Dirk Ippen einmal und zeichnete für diese Erkenntnis ein schönes Bild: „Das Publikum kommt nicht wegen des Zirkusdirektors in den Zirkus.“

Großen Wert legt der in Rüdersdorf bei Berlin geborene Verleger auf die Tugenden Fleiß, Höflichkeit und Sparsamkeit. Doch Ippen, dem lange Zeit das Image des „harten Sanierers“ anhing, ist nicht geizig, sondern allenfalls kostenbewusst. Ippen selbst nennt das „vernünftiges Haushalten“. Protzige Statussymbole oder besonders repräsentative Verlagsgebäude sind ihm nicht wichtig. Aber die Rendite muss natürlich stimmen.

Doch Ausnahmen bestätigen die Regel. Denn Dirk Ippen ist nicht nur ein erfolgreicher Geschäftsmann, sondern auch ein wahrer Schöngeist. Wohl auch deshalb übernahm er vor einiger Zeit den Hirmer-Verlag, einen der führenden Verlage für anspruchsvolle Kunstbücher und Bildbände. Seine Entscheidung für den Kauf begründete er in einem Interview seinerzeit so: „Der Kauf eines Verlages ist neben wirtschaftlichen Überlegungen auch so etwas wie eine Liebeserklärung an das Produkt und an das Team, das dahinter- steht. Im Falle von Hirmer ist mir diese Entscheidung leicht gefallen.“

Dirk Ippen, der das Wandern in den Bergen Bayerns genauso liebt wie den Urlaub in der ostfriesischen Weite, ist zudem ein großer Freund der deutschen Lyrik. So gab er zum Beispiel gleich mehrere erfolgreiche Gedichtbände heraus. Als Gründer der gleichnamigen Stiftung kümmert sich Ippen darüber hinaus um die Förderung von Kultur- und Bildungsprojekten sowie die Stärkung bürgerschaftlichen Engagements.

Aufmerksame Leser wissen, dass es Ippen aber immer wieder auch selbst in den Fingern juckt. Seine wöchentliche Kolumne unter der Rubrik „Wie ich es sehe“ mit seinen sehr persönlichen Ansichten zu den unterschiedlichsten Themen auch in unserer Zeitung gibt den Lesern immer wieder überraschende Denkanstöße.

Heute wird Dirk Ippen wohl kaum dazu kommen, sich Gedanken über das Thema seiner nächsten Kolumne zu machen. Der Verleger unserer Zeitung feiert seinen 75. Geburtstag.

Redaktion und Verlag sagen herzlichen Glückwunsch und wünschen alles Gute.

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