Arbeitsmarkt

Niedersachsen verkürzt Pflege-Ausbildung – Bundesverband äußert Kritik

Intensivpfleger versorgen einen Intensivpatienten.
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Die Ausbildung zum Assistenten im Pflegebereich soll von zwei auf ein Jahr verkürzt werden.

Die Ausbildung zum Assistenten im Pflegebereich soll auf ein Jahr reduziert werden, um dem Personalmangel Herr zu werden. Das stößt nicht überall auf Begeisterung.

Hannover – Niedersachsen will endlich dem akuten Personalmangel im Pflegebereich* entsschieden entgegengehen. Wie der niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) und Landesgesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) auf einer Pressekonferenz in Hannover mitteilten, ist ein Baustein dazu, die Ausbildung zum Assistenten im Pflegebereich von jetzt zwei Jahren auf zukünftig ein Jahr zu verkürzen. Derzeit sind in Niedersachsen 4.600 Stellen im Pflegebereich unbesetzt.

Bundesland:Niedersachsen
Fläche:47.709,82 Quadratkilometer
Einwohner:8.003.421 (Stand: 31. Dezember 2020)
Ministerpräsident:Stephan Weil (SPD)
Gesundheitsministerin:Daniela Behrens (SPD)
Kultusminister:Grant Hendrik Tonne (SPD)

Geplant ist, dass die Ausbildung bereits zu diesem Ausbildungsjahr ab August um ein Jahr verkürzt wird. Voraussetzung dafür ist, dass bereits eine dreijährige Berufsausbildung abgeschlossen wurde, oder entsprechende Berufserfahrung in der Pflege vorliegt. Beispielsweise durch einen Bundesfreiwilligendienst.

Verkürzte Ausbildung zum Pflegeassistenten: Wechsel in den Pflegebereich wird für Arbeitnehmer erleichtert

„Neu ist, dass Menschen, die zum Beispiel in der Pandemie ihren Arbeitsplatz verloren haben und bereits über eine abgeschlossene Berufsausbildung und Berufserfahrung verfügen, der Wechsel in die Pflege erleichtert wird“, sagte Gesundheitsministerin Behrens. „Wir eröffnen all jenen, die sich beruflich neu orientieren wollen oder müssen und die gerne mit Menschen arbeiten, eine neue Perspektive.“

Das Angebot und die begleitende Kampagne seien ein weiterer Beitrag zur konzertierten Aktion Pflege Niedersachsen (KAP.Ni), so die Ministerin: „Durch die Gewinnung von Pflegekräften und eine bessere Personalausstattung in den Einrichtungen und Pflegediensten verbessern sich die Arbeitsbedingungen, davon profitieren sowohl die Beschäftigten in der Pflege als auch die Pflegebedürftigen.“

Man will also den Wechsel in den Pflegeberuf erleichtern. Dafür haben das Niedersächsische Sozialministerium und das Kultusministerium zusammen mit der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit die ab dem 1. August 2021 bestehende Möglichkeit geschaffen, sich in nur einem Jahr zur Pflegeassistenzkraft ausbilden zu lassen.

Verkürzte Ausbildung zum Pflegeassistenten: Ausbildungskosten können für Arbeitslose übernommen werden

„Für alle Beteiligten ist der Einstieg in das zweite Jahr der Ausbildung eine Herausforderung, denn die Zusammensetzung der Klassen wird vielschichtiger und das Ausbildungsziel muss erreicht werden“, erklärte Kultusminister Tonne bei der Vorstellung des Projekts. Dennoch wolle man die bereits erworbenen Kompetenzen stärker berücksichtigen und so individuelle Bildungswege nicht unnötig in die Länge ziehen. Hierzu lägen aus der dualen Berufsausbildung gute Erfahrungen vor, die man nun in der Ausbildung in der Pflegeassistenz anwende.

Für Arbeitslose, die gerne Pflegeassistenz lernen möchten und die Fördervoraussetzungen erfüllen, können die Lehrgangskosten an zertifizierten Berufsfachschulen, die Kosten für den Lebensunterhalt und die Fahrtkosten übernommen werden“, sagte Johannes Pfeiffer, Chef der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit.

„Die Bundesagentur für Arbeit leistet damit einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen den Fachkräftemangel in der Pflege“, ergänzte Pfeiffer. „Dort werden auf allen Qualifikationsebenen dringend Kräfte gebraucht. Und die Jobchancen sind ausgezeichnet. Die Pflegebranche wächst kontinuierlich und wird aufgrund der alternden Gesellschaft auch längerfristig viele Arbeitsplätze bieten.“

Berufsverband kritisiert verkürzte Ausbildung zum Pflegeassistenten: Inhalte könnten verloren gehen

Kritik zu Plänen kommt vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe, der die Aktion eher mit Skepsis betrachtet. „Der Ansatz ist durchaus nachhaltig“, sagte Geschäftsführer Burkhardt Zieger. Er könne sich aber nicht vorstellen, wie das alles in einem Jahr gehen solle, ohne, dass Inhalte verloren gingen.

Für ihn sind die fehlenden Assistenzkräfte nicht das eigentliche Problem. Vielmehr macht er das Problem im Mangel an Pflegefachkräften aus. Als Fachpersonal gelten alle, die eine mindestens dreijährige Ausbildung in der Pflege absolviert haben. * kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Mit Material der dpa.

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