Einzelhandel in Niedersachsen

Verkaufsoffener Sonntag: Händler setzen auf Vorweihnachtsgeschäft

Verkaufsoffene Sonntage vor Adventszeit
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Kunden und Spaziergänger sind während eines verkaufsoffenen Sonntags unterwegs.

Der Einzelhandel in Niedersachsen und Bremen ist gebeutelt. Ein Ausweg aus der Krise könnten verkaufsoffene Sonntage sein – das stört aber die Gewerkschaften.

Hannover – Sie steht wieder vor der Tür: Nur noch wenige Wochen und die Vorweihnachtszeit beginnt. Auch wenn derzeit bundesweit die steigenden Coronazahlen den Experten Sorge bereiten und etwa SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach vor größeren Weihnachtsfeiern warnt, hofft insbesondere der Einzelhandel auf einen erfolgreichen Jahresabschluss.

Deutsches Bundesland:Niedersachsen
Fläche:47.614 km²
Bevölkerung:7,982 Millionen (2019
Hauptstadt:Hannover

Um die Zeit während der Corona-Beschränkungen zumindest etwas auszugleichen, setzen Niedersachsen und Bremen auf verkaufsoffene Sonntage vor der Adventszeit. So öffneten bereits am 7. November in zahlreichen Städten die Geschäfte. Auch in Hamburg kam es wieder zum verkaufsoffenen Sonntag*.

Mit besonderen Aktionen und geöffneten Sonntagen wollen Niedersachsens und Bremens Einzelhändler auf Kundenfang gehen. Der Branchendienst Handelsverband Niedersachsen-Bremen (HNB) sieht im Rückblick auf die coronabedingten Schließungen „einen gewissen Nachhol-Effekt, der sich da bemerkbar macht“. Mit Hinblick auf mögliche Lieferengpässe zum Jahresende, seien die wichtigen Geschäftswochen vor Weihnachten allerdings von einer gewissen Unsicherheit bedroht, sagte Hauptgeschäftsführer Mark Alexander Krack.

Verkaufsoffener Sonntag: Stationärer Handel war über Monate gebeutelt

„In vielen Kommunen wollen Werbegemeinschaften und Händlervereine auf sich aufmerksam machen“, so Krack. „Vor allem der stationäre Handel außerhalb von Lebensmitteln war ja über Monate gebeutelt.“ Sieht man vom Supermärkten und Drogerien ab, gehörten die stationären Händler oft zu denjenigen, die während der Schließzeiten durch den am meisten Einbußen hatten – insbesondere durch das Geschäft großer Onlinehändler. In Wildeshausen freuten sich viele Besucher auch ohne Gänse über den „Herbstspaziergang“ am verkaufsoffenen Sonntag.

Dennoch besteht das Problem weiterhin. Wie Krack deutlich macht, versuchen Betriebe, die Nachfrage nach den vorhandenen Produkten jetzt schon möglichst früh zu bedienen, um nicht zu stark von den drohenden Lieferproblemen betroffen zu sein. Oft würden diese verkaufsoffenen Sonntage* in Verbindung mit Feiern oder vorgezogenen winterlichen Einkaufsmärkten veranstaltet werden. Auch seien häufiger Kooperationen mit Sportvereinen möglich: „Dann sagt man: Wir machen mal einen Sportsonntag, weil auch viele Vereine ja lange nicht so richtig aktiv sein konnten. Da stellen wir schon fest, dass solche Initiativen vermehrt sind.“

Verkaufsoffener Sonntag: Gewerkschaften und Betriebsräte sehen Öffnungen kritisch

Jeder verkaufsoffene Sonntag ist ein weiterer Tag für den Betreiber, an dem potenzielle Kunden in sein Geschäft kommen können. Doch wo auch Licht ist, sind die Schatten nicht weit: Besonders Gewerkschaften und Betriebsräten sind die Arbeitstage am Sonntag ein Dorn im Auge. Sie befürchten eine steigende Arbeitsbelastung der Beschäftigten auch in der Freizeit sowie die weitere Aufweichung der Sonntagsruhe.

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So kommt es immer wieder vor, dass von Städten erteilte Ausnahmegenehmigungen für verkaufsoffene Sonntag wieder durch Gerichte untersagt werden. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund macht immer wieder auf die Notwendigkeit von Ruhetagen aufmerksam und pocht auf das Recht der Beschäftigten, sich zu erholen.

Verkaufsoffener Sonntag: Kaufhäuser scheiterten mit der Initiative „Selbstbestimmter Sonntag“

Besonders große Kaufhausketten wollen seit Jahren mehr Sonntage im Jahr öffnen, um mit dem Onlinehandel in Konkurrenz zu treten. Vor Jahren starteten sie bereits die Initiative „Selbstbestimmter Sonntag“ – nach ihren Vorstellungen sollten die Kaufhäuser an 52 Sonntagen pro Jahr öffnen können. Die Initiative scheiterte und das aus gutem Grund: Für eine komplette Aufgabe der Sonntagsruhe wäre eine Verfassungsänderung notwendig.

Zu der Debatte um die Sonntagsruhe meinte Krack: „Es ist natürlich wichtig, dass das Ganze im Austausch der Sozialpartner passiert.“ Er wünsche sich, dass Belegschaften und Firmenleitungen erweiterte Sonntagsaktionen in dem gebeutelten Coronajahr als besondere Chance sehen. „Es ist ein bisschen wie ein Lebenselixier.“ Denn nach dem November wird es schwierig, an Sonntagen zu öffnen: „Da haben wir dann ein gesetzliches Verbot. Also bleibt uns jetzt dieses Zeitfenster.“ *kreiszeitung.de und 24hamburg sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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