„Vorsicht! Hier ist ein Wolfsgebiet!“

Verbotene Warnschilder vor Wölfen im Emsland: „Gehen an der Realität vorbei“

Im Landkreis Emsland haben Unbekannte an mehreren Orten Wolfs-Warnschilder platziert. Experten und Bürgermeister sind strikt dagegen.

Neubörger – „Vorsicht! Hier ist ein Wolfsgebiet!“, so lautet die Aufschrift verbotener Wolf-Warnschilder, die Unbekannte im Landkreis Emsland aufgehängt haben. Die „Hinweise“ würden in verschiedenen Waldgebieten in der Region hängen. Davon ist unter anderem auch die Samtgemeinde Dörpen betroffen. Bürgermeister, Jägerschaften und auch der Wolfbeauftrage der Landesjägerschaft Niedersachsen distanzieren sich derweil ausdrücklich von der Warnschilder-Aktion.

LandkreisEmsland
Fläche2.881 km²
Bevölkerung325.657
HauptstadtMeppen

Umweltministerium über Wolf-Warnschilder: Maßnahmen nicht empfohlen

Die Hinweisschilder warnen nicht ausschließlich nur vor Wölfen, sondern wollen Passantinnen und Passanten zudem Tipps geben, was im Falle einer Wolfssichtung zu machen sei. Darauf heißt es, Hunde an der Leine zu führen, Kinder an die Hand zu nehmen und nicht alleine Spazieren oder Joggen zu gehen. Ein Sprecher des Umweltministeriums äußerte sich zu den Hinweisen auf den Wolf-Warnschildern: „Die empfohlenen Maßnahmen gehören nicht zu den von unseren Experten empfohlenen Verhaltensregeln“.

Unbekannte haben verbotene Wolfs-Warnschilder im Emsland aufgehängt.

In der Gemeinde Neubörger, die Teil der Samtgemeinde Dörpen ist, hängen einige dieser Wolf-Warnschilder. Bürgermeister Ulrich Müller spreche sich strikt gegen die Schilder aus: „Wir müssen mit dem Wolf leben.“ Zwar habe er in Sachen Wolf auch Sorgen um Kinder und Spaziergänger, denn nicht selten sei es in der Gemeinde Neubörger vorgekommen, dass Wölfe beispielsweise in Kindergarten-Nähe gesichtet worden seien. Vergangenes Jahr filmten Passanten, wie in Wolf alleine durch die Innenstadt von Lohne im Landkreis Vechta gelaufen war. In Groß Ippener fühlte sich eine Reiterin sogar von einem Wolf verfolgt.

Wolf-Warnschilder: Gemeinde Neubörger will Verursacher finden

Für Müller gebe es dennoch keinen Anlass, das Tier respektlos zu behandeln: „Wir werden alles daran setzen, mit dem Wolf vernünftig umzugehen“. Die Gemeinde würde nun versuchen, die Personen ausfindig zu machen, die in Neubörger die Schilder aufgehängt haben. Die Täter sollen die Schilder dann eigenständig wieder abhängen. Der Wolf ist nach EU-Recht geschützt, im Landkreis Diepholz gründete sich deshalb sogar ein Verein zum Schutz von Wölfen.

In der Landesjägerschaft Niedersachsen gebe es noch keine Hinweise darauf, wer die Wolf-Warnschilder angebracht haben könnte. Der Wolfsbeauftrage der Landesjägerschaft in Niedersachsen, Raoul Reding, erklärt: „Die Schilder dienen oft unterschiedlichen Zwecken, aber an der Realität gehen sie vorbei“.

Jägerschaft Aschendorf-Hümmling: Schilder „im Alleingang“ aufgehängt

Die Jägerschaft Aschendorf-Hümmling habe hingegen bereits mehrere Hinweise darauf, wer die Warnschilder in der Region angebracht habe. Der Vorstand der Jägerschaft Aschendorf-Hümmling äußerte sich gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung, dass die Schilder „im Alleingang von einer Jagdgemeinschaft“ aufgehängt worden seien. Die Jägerinnen und Jäger hätten dies jedoch nicht mit der Jägerschaft abgesprochen.

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Die Jägerschaft hat mit dieser Aktion nichts zu tun und distanziert sich davon“, sagt der Vorsitzende Lambert Fischer. Denn die Jägerschaft wolle über den Wolf nur in einer „fachlichen und sachlichen Auseinandersetzung“ reden. Zudem würde sich die Jägerschaft an die Vorgaben des Umweltministerium halten.

Toter Wolf im Landkreis Uelzen: Tot gebissen statt erschossen

Zuletzt wurde im Landkreis Uelzen bei Eimke ein toter Wolf entdeckt. Zunächst sei man davon ausgegangen, dass das Tier erschossen worden sei. Nach Feststellung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin sie dies jedoch nicht der wahre Grund für den Tot des Tieres verantwortlich. Ein Sprecher des Umweltministeriums sagt. dass das Tier stattdessen totgebissen wurde. In Cuxhaven wurde ein Wolf auf der Autobahn überfahren.

Wie gefährlich ist ein Wolf?

Ist der Wolf wirklich so gefährlich? Eine Frage die auch den Nabu beschäftigt. Bei der Betrachtung wird eine Studie von Dr. John Linnell vom Norwegischen Institut für Naturforschung (NINA) gerne zitiert. Dort sind historischen Übergriffe von Wölfen auf Menschen dokumentiert. Veröffentlicht wurde die Studie 2002.

Die Ergebnisse zeigten damals, dass es zwar Angriffe durch Wölfe gab, die Wahrscheinlichkeit dafür jedoch sehr gering war. Zwischen 1950 und 2002 wurden in Europa (ausgenommen Russland) und Nordamerika 68 Menschen von Wölfen verletzt, in acht Fällen tödlich. Bei über der Hälfte der Angriffe war Tollwut die Ursache.

Zum Vergleich: Zwischen 1950 und 2022 gab es alleine in Deutschland mehr als 700.000 Verkehrstote. Eine reale Gefahr scheint also vom Wolf nur in äußert seltenen Fällen auszugehen.

Durch was das Tier totgebissen wurde, lies das Ministerium offen. Ein Abschuss wäre allerdings illegal gewesen, da der Wolfs streng geschützt sei. „Es ist gut, dass wir so schnell und ein eindeutiges Ergebnis bekommen haben“, sagte Landesumweltminister Olaf Lies (SPD). Ein Biologe warnte davor, dass der Wolf in Niedersachsen zukünftig auch Menschen angreifen könnte. Dafür gebe es jedoch vorerst sieben Vorstufen bis zur einer Attacke.* kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © dpa/Sina Schuldt

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