Containerhafen neues Domizil

Venedig verbannt Kreuzfahrtschiffe aus dem Hafen

Vielen Einwohnern Venedigs sind sie schon lange ein Dorn im Auge: Kreuzfahrtschiffe. Ab dem 1. August dürfen sie im italienischen Hafen nicht mehr vor Anker gehen.

Venedig – Italiens Regierung hat ein Durchfahrtsverbot für große Kreuzfahrtschiffe durch einen Teil der Lagune von Venedig beschlossen. Die Maßnahme gelte für Kreuzfahrtschiffe mit mehr als 25.000 Bruttoregistertonnen (BRT) oder einer Länge über 180 Metern beziehungsweise mehr als 35 Metern Höhe, teilte die Regierung am Dienstagabend, 13. Juli 2021, in Rom mit. Ab dem 1. August 2021 sollen keine Kreuzfahrer mehr durch die Lagune fahren. Das Verbot gilt auch für Pötte, die gewisse Abgasnormen überschreiten.

Einwohner Venedig261.905 (Stand: 2017)
Fläche414,6 km²
SchutzpatronMarkus
Anzahl Brückenrund 400

Heißt konkret: Die Kreuzfahrtschiffe dürfen ab August nicht mehr durch den Canale della Giudecca, das Bacino di San Marco (Markus-Becken) und den Canale di San Marco im historischen Zentrum fahren.

Zum Größen-Vergleich: Das Schiff Costa Smeralda* (Fertigstellung 2019) hat eine Länge von 337 Metern und 182.700 BRT. Des Weiteren verfügt die Costa Smeralda über einen LNG-Antrieb, also Flüssig-Erdgas. Die 1996 in Dienst gestellte Aida-Cara hat eine Länge von 193 Metern und 38.557 BRT.

Venedig verbannt Kreuzfahrtschiffe: Nur noch kleine Schiffe in der Stadt erlaubt

Schiffe, die als nachhaltig gelten oder nicht unter die Kriterien für das Verbot fallen, dürften weiterhin die Lagune passieren, hieß es weiter. Es könne sich dabei etwa um Kreuzfahrtschiffe mit einer Größenordnung von rund 200 Passagieren handeln. Die Regierung sieht darin nach eigenen Angaben einen wichtigen Schritt zum Schutz der venezianischen Lagune. 200 Passagiere ist die Größenordnung von Seglern und Schiffen für Flusskreuzfahrten.

Zum Hintergrund: Seit Jahren streiten Aktivisten, Einheimische und die Tourismus-Industrie um die Schiffe in der Lagune. Sie hat mehrere kleine Landstreifen und Inseln und ist weitgehend vom offenen Meer abgetrennt. Dort liegt auch die historische Altstadt Venedigs mit ihren Touristenattraktionen. Die Riesenschiffe zerstören nach Ansicht von Kritikern die Lagune, beschädigen die Fundamente der Stadt und verschmutzen die Luft. Der Kreuzfahrttourismus bringe der Stadt auch wenig wirtschaftliche Vorteile, weil die Passagiere dort nicht schliefen und oft nur wenig Geld ausgeben würden.

Diese Bilder soll es in Venedig künftig nicht mehr geben.

Der Verband der Kreuzfahrt-Reedereien sagte, dass das Verbot „keine schlechte Nachricht“ sei. Auf Venedig hätte die Industrie ohnehin in diesem Jahr keine Priorität gelegt. Nun habe man etwas mehr Planungssicherheit, da der Hafen in Marghera, an dem derzeit etwa Containerschiffe anlegen, für den Übergang als temporäre Anlegestelle dienen soll.

Das Infrastruktur-Ministerium teilte mit, dass für die Anlegestellen in Marghera 157 Millionen Euro an Investitionen bereitgestellt würden. Minister Enrico Giovannini sagte, es sei ein unausweichlicher Schritt, um die Umwelt, Landschaft, Kunst und Kultur Venedigs zu schützen.

Dabei handelt es sich allerdings um eine Lösung auf Zeit. Parallel sucht der Hafen von Venedig nach Anlege-Vorschlägen außerhalb der Lagune. Bis zum 31. Dezember 2021 können Ideen vorgestellt werden, aus denen eine fünfköpfige Expertenrunde die drei besten aussucht. Dafür sollen bis zum 31. Dezember 2022 Machbarkeitspläne entwickelt werden. Bis zum 30. Juni 2023 soll das Gewinnerprojekt feststehen. Das Infrastruktur-Ministerium will dafür 2,2 Millionen Euro bereitstellen.

Wegen Kreuzfahrtschiffe: Unesco will Welterbe Venedig auf eine Negativliste setzen

Der große Schock kam vor wenigen Wochen als Unesco-Experten vorschlugen, Venedig auf eine Negativ-Liste* für gefährdetes Welterbe zu setzen. Die Unesco begründete die Idee unter anderem mit den Kreuzfahrtschiffen. Kritiker mahnen, dass die Schiffe die Umwelt in Venedig verschmutzen und gefährden.

Die Unesco hatte zum Beispiel gefordert, die Schiffe zu geeigneteren Häfen in der Umgebung umzuleiten. Die Kulturbehörde der Vereinten Nationen will ab Mitte Juli darüber entscheiden. Venedig und seine Lagune haben seit 1987 den Status eines Welterbes der Unesco. Das Label lässt sich touristisch gut für Einnahmen durch die örtliche Wirtschaft nutzen. Ob die jetzt beschlossenen Maßnahmen Reaktionen auf die Forderung der Unesco sind, ist unklar.

So kennen viele Touristen Venedig: Gondel liegen vor einem Restaurant.

Der Kreuzfahrtbetrieb war wegen der Corona-Pandemie über Monate ausgesetzt. Anfang Juni hatte nach gut eineinhalb Jahren wieder ein Kreuzfahrtschiff aus Venedig abgelegt. Kürzlich hatten internationale Künstler wie Mick Jagger*, Wes Anderson und Tilda Swinton in einem offenen Brief Ministerpräsident Mario Draghi und Präsident Sergio Mattarella aufgefordert, Kreuzfahrtschiffe in Venedig vollständig zu verbieten. Weiter forderten sie eine bessere Steuerung der Touristenströme, den Schutz des Ökosystems der Lagune und den Kampf gegen Immobilienspekulation, um „die physische Integrität, aber auch kulturelle Identität“ der Stadt zu bewahren. * kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Luca Bruno / dpa

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