Lehrermangel: Pädagogische Mitarbeiter und Studenten müssen unterrichten

Vechtaer Schulen behelfen sich mit Notlösungen

Volle Klassen, zu wenig Lehrer: Das ist die Situation an vielen Schulen im Landkreis Vechta. - Foto: dpa

Vechta - Von Giorgio Tzimurtas. Alarmruf aus der Region Vechta: Im neuen Schuljahr sind mehr als ein Viertel der freien Lehrerstellen an Grund-, Haupt-, Real- und Oberschulen im Landkreis Vechta noch nicht besetzt.

Das ist die Schätzung von Franz-Josef Meyer aus Langförden, stellvertretender Landesvorsitzender des Bildungsverbandes VBE. „Es sieht im Moment ganz schlimm aus“, sagte Meyer. Das Problem des Lehrermangels und Unterrichtsausfalls bestehe in ganz Niedersachsen, treffe aber insbesondere den ländlichen Raum. Genaue Zahlen soll es laut Meyer am Montag geben.

Ein Sprecher des Kultusministeriums in Hannover sagte derweil: Die endgültige Auswertung aller landesweiten Daten liege erst gegen Jahresende vor. Es sei aber mit einer Unterrichtsversorgung an öffentlichen allgemeinbildenden Schulen von durchschnittlich 98 Prozent zu rechnen (wir berichteten).

VBE-Vizevorsitzender Meyer verweist auf den starken Wettbewerb um Lehrkräfte unter den Bundesländern. Derzeit seien am Studienseminar in Vechta, das Lehrer auf ihre Arbeit an Grund-, Haupt- und Realschulen vorbereitet, 14 neue Lehrkräfte. „Sonst waren es etwa 40“, sagte Meyer.

Die Schulen greifen auf Notlösungen zurück. Meyer berichtete von pädagogischen Mitarbeitern, die Klassen übernehmen oder von Lehramtsstudenten, die zwar ihren Abschluss haben, aber noch keine Referendariatsstelle. Letztere seien möglicherweise nach sechs Monaten an anderen Orten im Einsatz – und überhaupt: Die Situation sei nicht haltbar. „Das geht so nicht“, sagte er. Es fehle die Erfahrung und die Qualifikation. Darunter leide auch die Qualität des Unterrichts.

Deshalb sieht er auch einige Vorschläge des 17-Punkte-Plans kritisch, den Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) kürzlich vorgestellt hat, um mehr Lehrer an die Schulen zu bringen. So soll es für Quereinsteiger einfacher werden, an Grundschulen eingestellt zu werden. Meyer sieht auch hier das Problem mangelnder Befähigung.

Die Leiterin der Grundschule Damme, Doris Auf’m Orde, sagte, sie habe aktuell 49 Schüler ohne Deutschkenntnisse, die Gesamtzahl der Schüler sei 413. Sie habe 23 Sprachförderstunden bei der Landesschulbehörde beantragt und zehn bewilligt bekommen. Das sei dasselbe Kontingent wie im Schuljahr zuvor. Die Zahl der Schüler mit Bedarf an Sprachförderung habe sich aber erhöht. Lehrerstellen habe sie zwei beantragt und auch genehmigt bekommen.

Meyer sagte, Probleme mit Lehrermangel gebe es vor allem in Bakum, Lutten und Vechta. Die Vorsitzende des Kreiselternrats, Heike Windhorst aus Goldenstedt, will zeitnah eine Sitzung einberufen.

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